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Umland Hans Grunert führt Besucher durch das Karl-May-Museum
Region Umland Hans Grunert führt Besucher durch das Karl-May-Museum
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17:25 31.07.2018
In der Indianerausstellung in der „Villa Bärenfett“ räumt Hans Grunert bei seinen Führungen mit Klischees über die Ureinwohner Nordamerikas auf. Quelle: Foto: Silvio Kuhnert
Radebeul

Seit nunmehr 90 Jahren gibt es das Karl-May-Museum in Radebeul. Ein Drittel dieser Zeit ist Hans Grunert bereits mit dem Haus verbunden. „1988 habe ich den Freundeskreis mitbegründet“, sagt der 69-Jährige. Vom 1. Januar 1995 bis vergangenes Jahr war er als Kurator tätig. Auch als Rentner bleibt er dem Museum treu. Immer wieder führt er Gruppen durch die „Villa Shatterhand“, dem letzten Wohnhaus des Schriftstellers Karl May (1842-1912), sowie das Blockhaus, die „Villa Bärenfett“.

„Im Prinzip besteht das Karl-May-Museum aus zwei Ausstellungen“, sagt Grunert. Dem entsprechend teilt er seine Führungen auf. So geht es in der „Villa Shatterhand“ um das Leben Karl Mays und im Blockhaus um die Indianer Nordamerikas. „Dann stelle ich noch in einem allgemeinen Teil die Entstehungsgeschichte des Museums vor“, berichtet Grunert. Rund 4000 Objekte zählen zum Museumsbestand, derzeit sind etwa 20 Prozent öffentlich zu sehen. Unter den Schätzen sind indianische Pfeifen, Kleidung und Masken.

Von Kinder- über reine Erwachsene- bis hin zu gemischten Gruppen führt Grunert durch den Musentempel. „Auf jede muss man sich anders einstellen.“ Gerade bei Jugendlichen ist manchmal eine Ansage nötig, wenn die Aufmerksamkeit zu wünschen lässt. „Entweder rede ich oder redet ihr. Wenn ihrs besser wisst, kann ich mich ja zurückhalten.“ Danach bekommt er immer wieder einige Minuten, in denen er in Ruhe sprechen kann. Rund eine Stunde dauert eine Kinderführung. Bei Erwachsenen gibt es eine halbe Stunde mehr.

Immer wieder baut Grunert Anekdoten oder einen Witz in seine Führungen ein, um die Zuhörer bei Laune zu halten. Dazu zählen auch lustige Zitate Karl Mays: „Mein Bärentöter, ein doppelter Vorderlader, verschießt zweilöthige Kugeln, Reichweite 1800 Meter, Gewicht 20 alte Pfund; es gehört ein sehr kräftiger Mann dazu“. An diesem Beispiel kann man sehen, „dass Karl May nie gelogen hat“, erzählt Grunert mit einem Schmunzeln.

Auch in der Indianerausstellung räumt er mit Klischees auf. „In einem schlechten Indianerfilm steht neben einem Tipi ein Pfahl mit zwei Flügeln dran. Schaltet ab, das ist absoluter Blödsinn“, lautet Grunerts Rat an sein Publikum. Dann erklärt er auch warum: „Der Totem- oder Wappenpfahl war das Clanzeichen der Kulturen an der Nordwestküste Amerikas. Die Indianer waren sesshaft und der Pfahl stand vor ihrem Haus, um zu zeigen, wer drin wohnt, oder auf Friedhöfen, damit jeder weiß, wer dort begraben ist. Andere waren Nomaden, die mit ihren Tipis durch die nordamerikanische Prärie zogen. So ein Wappenpfahl ist bis zu 25 Meter hoch. Einen so langen und schweren Pfahl schleppten die Prärieindianer doch nicht durch die Gegend.“ Es gab einmal mehr als 400 Stämme in Nordamerika. Zum Ehrgeiz des Karl-May-Museums gehört es, ein breites Spektrum dieser unterschiedlichen Kulturen zu zeigen. Rund 57000 Besucher kommen jährlich in das Museum.

Voraussichtlich in zwei Jahren beginnt der Neubau eines dritten Gebäudes mit Besucherzentrum, Depot und einer Ausstellung über das Wirken und die Rezeption von May. Im Anschluss werden die historischen Gebäude saniert – Kostenpunkt insgesamt rund 7,2 Millionen Euro.

Das Karl-May-Museum sucht Referenten, die wie Hans Grunert Besucher durch das Museum führen. Mehr Informationen gibt unter Tel.: 0351/ 8373013 oder E-Mail an juliane.hanzig@karl-may-museum.de.

Von Silvio Kuhnert

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