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Graf wegen Nötigung vor Gericht

Erlaucht im Ton vergriffen Graf wegen Nötigung vor Gericht

Weil er in altherrschaftliches Gebaren verfallen und eine Polizistin in Zivil bei einem Ausritt nahe Nünchritz beleidigt und genötigt haben soll, steht ein Graf nun vor Gericht.


Quelle: dpa

Nünchritz/Dresden. „Ich weiß mich als Reiter zu benehmen, so dass es keine Beschwerden gibt“, betonte Helmuth Graf von S. mehrmals, als er vor Gericht einbestellt war. Als Reiter vielleicht, aber, glaubt man der Anklage, als Mensch nicht immer. Wegen Nötigung und versuchter Körperverletzung hatten Amtsrichter den 69-Jährigen zunächst zu 3000 Euro Geldstrafe verurteilt. Seine Grafschaft war empört und legte Berufung ein. Darüber wird jetzt am Dresdner Landgericht verhandelt.

Es geht um einen Vorfall bei einem Ausritt in einem Waldstück bei Nünchritz, den der Graf, seine Lebensgefährtin, eine Reitlehrerin und zwei freilaufende Hunde unternahmen. Eine Wanderin, die dort mit ihrem Hund – angeleint – unterwegs war, wollte den Reitern und den fremden Hunden ausweichen und bog auf einen Wanderrastplatz ab, um alle vorbei zulassen und dann ihren Weg fortzusetzen. Genau diesen Rastplatz hatte allerdings auch das Trio im Visier, da sich bei einer Reiterin der Sattel gelockert hatte und sie dort auf einer Bank absteigen und die Sache richten wollte. Graf von S. soll, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, die Wanderin forsch und ungehalten aufgefordert haben, „zu verschwinden“ und, als die nicht sofort reagierte, mit der Reitgerte in ihre Richtung geschlagen haben. Sie konnte dem Schlag ausweichen und verließ mit ihrem Hund den Platz. Dumm nur, die Frau war eine Polizeibeamtin in Zivil, genauer gesagt eine Polizeihundeführerin, nebst Diensthund.

„Ich wollte einen Kontakt der Hunde vermeiden, damit es keinen Ärger gib. Herr S. kam angeritten und forderte mich aggressiv auf, den Rastplatz zu räumen, da die Gruppe dahin wollte“, erzählte die Beamtin. „Ich bat ihn, dass alle mit den Hunden ein Stück weiterreiten, damit ich mit meinem Hund weg kann, da stieg er ab und schlug mit der Gerte nach mir.“ Warum das Trio auf den Rastplatz wollte, wusste sie nicht. Das hatte der Reiter vor lauter Wut wohl vergessen mitzuteilen.

Stimmt alles nicht, protestierte Helmuth Graf von S. gestern lautstark. Der 69-Jährige fühlte sich ungerecht behandelt. Er habe nicht nach der Frau geschlagen, sondern mit der Gerte nur herumgefuchtelt, um seinen Hund zu sich zu locken. Ach so! „Ich bin vielleicht etwas laut geworden, aber ich habe sie weder genötigt noch beleidigt. Beleidigung ist ein persönliches Befinden.“ Ein netter Spruch, aber beleidigt hat er sie doch und zwar deftig. Selbst seine Partnerin bat ihn, „sich zu mäßigen“. Auch die Reitlehrerin erinnerte sich an Äußerungen, bei denen er sich hochherrschaftlich im Ton vergriff. Sie ging nach dem Vorfall schon von einer Anzeige aus: „Die Frau war von der Ansprache völlig geplättet. Ich hätte mich beleidigt gefühlt.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Monika Löffler

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