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Glashütte trauert um einen Visionär

Firmengründer mit 92 Jahren verstorben Glashütte trauert um einen Visionär

42 Jahre hat Walter Lange seinen Traum bewahrt, bevor er ihn erfüllen konnte: 1990 gründete der Ururenkel von Ferdinand Adolph Lange die Manufaktur A. Lange & Söhne in Glashütte. Jetzt ist der Visionär im Alter von 92 Jahren verstorben.

Im vergangenen Jahr erhielt Walter Lange von Ministerpräsident Stanislaw Tillich das Bundesverdienstkreuz.

Quelle: Dietrich Flechtner

Glashütte/Pforzheim. Das Faszinierende an Walter Lange war dieser immense Widerspruch zwischen seiner Bescheidenheit und dem Metier, in dem er sich bewegte. Obwohl der Gründer der Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne ein – im Neudeutsch – Player im Luxussegment war, blieb der feingliedrige alte Herr erfrischend natürlich und bodenständig. Das Neudeutsche war sein Fall nicht und über den hochgelobten Manager eines börsennotierten Unternehmens meinte er einmal so trocken wie abfällig: „Diesem Schönling würde ich nicht mal einen Cent anvertrauen.“

Am Dienstag ist Walter Lange im Alter von 92 Jahren verstorben und die gesamte Uhrenbranche trauert um eine Persönlichkeit, die die Tradition der Handwerks- und Ingenieurkunst wie kein Zweiter widerspiegelte. Walter Lange war der Ururenkel von Ferdinand Adolph Lange, der 1845 in einem verarmten Nest im Osterzgebirge namens Glashütte den Grundstein für die deutsche Uhrenindustrie legte. Die Uhrmacherei wurde Walter Lange in die Wiege gelegt, doch die gesellschaftlichen Umstände waren alles andere als glücklich. Als sich die Kommunisten nach dem Zweiten Weltkrieg anschickten, den Familienbetrieb zu enteignen, flüchtete der Urenkel des Firmengründers in den Westen.

Nach Pforzheim verschlug es Walter Lange, er hatte sein Auskommen in der Uhrenbranche, aber ein Ziel verlor er nie aus den Augen, wie er in einem DNN-Interview verriet: „Ich wollte den Betrieb meines Urgroßvaters wiedergründen.“ Der Kontakt ins Osterzgebirge riss nie ab und mit 66 Jahren bekam der Uhrmacher die Chance, sich seinen Traum zu erfüllen. Wer mit so viel Tradition groß geworden ist, sucht sich ein traditionelles Datum. Am 7. Dezember 1845 ließ der Urgroßvater seine Manufaktur eintragen, am 7. Dezember 1990 wollte der Urenkel die Neugründung eintragen lassen.

Fast wäre es schief gegangen, erzählte Walter lange gerne mit einem Schmunzeln. Denn dieser Tag war ein Freitag und der Kurier mit den wichtigen Dokumenten traf erst nach 12 Uhr am Amtsgericht Dresden ein. Doch die Reinemachfrau öffnete dem Mann die Tür und die zuständige Mitarbeiterin saß noch an ihrem Schreibtisch – die historische Kontinuität war dank einer fleißigen Beamtin gerettet.

Tradition ist für eine Branche wie die Uhrmacherei wichtig, aber Tradition allein ist keine Garantie für Erfolge. Lange hatte eine glückliche Hand mit der Wahl seines Partners. Mit dem viel zu früh schon 2001 verstorbenen Günter Blümlein holte er sich einen Mann an seine Seite, der die Klippen und Abgründe des Geschäftes kannte und einen Kurs einschlug, der den Erfolg von A. Lange & Söhne begründete. 1994 stellte die noch junge Manufaktur im Dresdner Schloss ihre erste Kollektion vor und sorgte für eine Sensation in der Branche. Das damals revolutionäre dezentrale Ziffernblatt der „Lange 1“ ist das wohl meistkopierteste Detail in der Uhrenbranche schlechthin.

Walter Lange erfreute sich an seinem Lebenswerk, das Lohn und Brot in die von der Zerschlagung des VEB Uhrenwerk Glashütte gebeutelte Kleinstadt brachte und den Impuls für die Ansiedlung zahlreicher weiterer Manufakturen und Betriebe setzte. Die Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren mit ihren massiven Auswirkungen sei eine seiner schlimmsten Kindheitserinnerungen, gestand der Uhrmacher, er habe alles dafür tun wollen, dass so etwas nie mehr geschieht.

Erst im vergangenen Jahr wurde Walter Lange mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Überrascht habe ihn die Ehrung nicht. Er habe schon früher damit gerechnet, erklärte er offen. Wenige dürften die Auszeichnung so sehr verdient haben wie er. Die Uhrenbranche, die Manufaktur „A. Lange & Söhne“ und die Stadt Glashütte trauen um eine Identifikationsfigur. Das Lebenswerk von Walter Lange wird fortbestehen – und darin wird seine ganze Größe sichtbar.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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