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Gemüsekooperative "Dein Hof" bewirtschaftet ökologisch ein Feld in Radebeul und zählt 100 Mitglieder

Gemüsekooperative "Dein Hof" bewirtschaftet ökologisch ein Feld in Radebeul und zählt 100 Mitglieder

Lisa Ennen läuft zu dem dreieckigen Feld, das sie seit dem Frühjahr in Naundorf direkt am Elberadweg bewirtschaftet. Der Anblick, der sich ihr dort öffnet, lässt an die Beete in einem Kleingarten denken, nur dass die Anlage zu ihren Füßen sehr viel größer ausfällt.

Radebeul.

Möhren, Zuckermais, Pastinaken, Kohlrabi, Rote Beete und vieles mehr wachsen dicht beieinander. Das ist so ziemlich genau das, was der 30-jährigen Ennen als Idealbild einer Landwirtschaft vorschwebt. "Uns ist eine Alternative zur großen Landwirtschaft wichtig, eine kleinbäuerliche Bewirtschaftung, wo es Vielfalt gibt, Lebensraum für Tiere und wo immer etwas blüht, damit die Bienen Nahrung finden", sagt sie.

Für ihre Gemüsekooperative "Dein Hof", die sie gemeinsam mit dem ausgebildeten Gärtner Henry Müller vor zwei Jahren gegründet hat, hat sie 100 Mitstreiter gefunden, die genauso denken wie sie. Und das in kürzester Zeit: Im Herbst des vorigen Jahres konnte das Duo einen Hektar Ackerfläche in Naundorf zu Füßen der Niederwarthaer Brücke pachten, im April startete das Projekt bereits. Das arbeitet nach dem Prinzip solidarischer Landwirtschaft. "Dabei geht es darum, dass wir feste Mitglieder haben, die alles, was auf dem Hof passiert, finanzieren", erläutert Ennen.

Dazu legte das "Dein Hof"-Duo im Frühjahr seine Jahresplanung offen und gab Einblick in das Budget. Ennen kennt sich mit derlei Planungen und Berechnungen aus, weil sie in Pillnitz Reproduktionsgartenbau studiert hat. Anschließend konnten Interessierte Ernteanteile kaufen. Die kosten in diesem Jahr durchschnittlich 66 Euro im Monat. Allerdings gebe es Mitglieder, die mehr zahlen, weil sie besser verdienten. Damit glichen sie geringere Monatsbeiträge anderer Mitglieder aus, die weniger gut bei Kasse sind, wie Ennen erläutert. "Für uns ist nur wichtig, dass wir auf das Gesamtbudget kommen", sagt sie.

Für jeden Ernteanteil bekommen die Mitglieder einmal in der Woche frisches Gemüse an Verteilstationen geliefert, die in Radebeul und Dresden liegen. Das Prinzip ist relativ simpel: Am Mittwoch wird geerntet, alles durch 100 geteilt und dann in die Verteilstationen gebracht. Sah die Ernte anfangs der Jahreszeit entsprechend relativ dünn aus, wird derzeit richtig viel geboten. Zuckermais, Bohnen, Kartoffeln, Möhren, Mangold, Zucchini und vieles mehr liefern Ennen und Müller derzeit aus. Dazu Paprika, Gurken und Tomaten aus Niederwartha, wo "Dein Hof" 400 Quadratmeter unter Folie bewirtschaftet. Gelegentlich peppen ein paar Kräuter das Angebot auf.

Für Ennen ist gerade diese Erfahrung reizvoll: Zu erleben, wann welches Gemüse reif wird und danach den Speiseplan auszurichten. Als vor ein paar Wochen Unmengen Zucchinis reiften, fanden sich spontan ein paar Mitglieder ein, die das Gemüse einkochten. Mehr als 100 Gläser habe man jetzt auf Lager, die im Winter ausgegeben werden können. Dann wird das Angebot wieder deutlich magerer sein, auf Kohl, Wintermöhren und dergleichen beruhen.

"Dein Hof" spricht damit viele an, die sich über ihr Essen Gedanken machen. Zumal die Landwirtschaft komplett ökologisch arbeitet, dass heißt auf synthetischen Dünger und Pflanzenschutz verzichtet. Um den Boden zu verbessern, bringen Ennen und Müller eine Zwischensaat ein. Hülsenfrüchtler etwa, die Stickstoff an ihren Wurzeln anreichern. Und auch blühende Pflanzen, damit der kleine Bienenstock, der ebenfalls zum Hof gehört, genügend Nahrung findet. Dessen Honig wird ebenfalls über die Ernteanteile verteilt.

"Wir haben ein gutes Jahr gehabt", sagt Ennen nach dem bisherigen Verlauf. Im Winter wolle sie mit den Mitgliedern diskutieren, was im nächsten Jahr anders gemacht werden könnte, von welcher Frucht mehr, von welcher weniger angebaut werden sollte. Bis dahin sei ein weiteres Projekt sicher schon wahr geworden: Eine Streuobstwiese. Das Obst ließe sich einkochen oder einlagern, und dann ebenfalls im Winter ausreichen. "Dafür müssten wir allerdings zu einer gemeinsamen Ernteaktion aufrufen, allein schaffen wir das nicht", sagt Ennen. Auf dem Hof werden sie lediglich von einem weiteren Gärtner unterstützt, der eine halbe Stelle ausfüllt.

Ohnehin gehören Ernteeinsätze der Mitglieder zum Prinzip - wenn diese es wollen. Schließlich sei ja der Vorteil von "Dein Hof", dass jeder vorbei kommen und erfahren könne, was vor Ort passiert, weil er so nah dran ist. "Wir brauchen kein Label für unsere Erzeugnisse, weil jeder uns kennt und über alles mit uns reden kann", sagt Ennen. Deshalb sei einem solchen Projekt auch eine natürliche Grenze gesetzt. "Das funktioniert bei 1000 Mit-gliedern nicht mehr", sagt sie. Doch noch ist Luft nach oben. "Dein Hof" sucht weiteres Ackerland, zur Pacht oder zum Kauf.

Interessierte können bei einem Hoffest am 13. September ab 14 Uhr mit den "Dein Hof"-Machern auf dem Hof, Niederwarthaer Straße 50, ins Gespräch kommen. Internet: www.dein-hof.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.08.2014

Uwe Hofmann

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