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Umland Gelernter Bäcker züchtet heute Korallen
Region Umland Gelernter Bäcker züchtet heute Korallen
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14:01 08.07.2017
Blick in das Meerwasseraquarium.  Quelle: Catrin Steinbach
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Seeligstadt

 Wer bei Tommy Ruhland zu Hause in Seeligstadt im Meißner Land die Kellertreppe hinabsteigt, findet sich in einer faszinierenden Unterwasserwelt wieder. In mehreren kleinen Meerwasser-Aquarien und drei großen – das größte fasst immerhin 2000 Liter Wasser – leben viele verschiedene Korallen mit großen oder kleinen Polypen in den unterschiedlichsten Formen und Farben. Dazwischen schwimmen farbenprächtige Fische und vermitteln eine Ahnung, wie unglaublich schön und beeindruckend Korallenriffe in Natur sein müssen. Wer Kinder hat, ab und an mal Trickfilme schaut, fühlt sich sofort an „Findet Nemo“ mit dem Clownsfisch „Nemo“ und seiner vergesslichen Freundin, dem Paletten-Doktorfisch „Dorie“, erinnert.

 Auch Weißband-Putzergarnelen gibt es bei Tommy Ruhland. „Sie reinigen die Fische von Parasiten und abgestorbenen Hautschuppen, sogar in deren Maul. Die Fische sperren das extra auf, damit die Garnelen ihre Arbeit verrichten können“, erzählt der Meerwasser-Aquarianer und streckt seinen Arm in eines der Wasserbecken.

Sofort kommt eine Garnele angeschossen, sucht ein bisschen auf der Haut herum, trollt sich aber im nächsten Moment wieder. „Ich bin klinisch rein“, schmunzelt der Hausherr und erzählt, woher die farbenprächtigen Doktorfische eigentlich ihren Namen haben. „Sie besitzen vor der Schwanzwurzel auf jeder Seite einen ausklappbaren messerscharfen Stachel, die man auch als Skalpell bezeichnet. Damit können sie durchaus Menschen verletzen“, weiß Tommy Ruhland. Er hat da auch schon mal eine schmerzhafte Erfahrung gemacht.

In Tommy Ruhlands Meerwasseraquarien schwimmen nicht nur farbenprächtige Fische, sondern wachsen auch viele verschiedene Korallen. Aus einem Hobby hat der gelernte Bäcker schon vor Jahren als erster offizieller Korallenzüchter Sachsens einen Nebenberuf gemacht.

Die Fische spielen heute in seinen Meerwasser-Aquarien aber eher eine Nebenrolle – wenn auch eine schöne und nützliche. Denn sie fressen Algen und Kleintiere. Der Kupferstreifen-Pinzettfisch zum Beispiel dezimiert die zu den Seeanemonen gehörenden Glasrosen. Denn diese können mit ihrem sehr starken Nesselgift Korallen – die ja auch zu den Nesseltieren gehören – so stark schädigen, dass sie absterben.

Und das wäre fatal. Denn auf den Korallen liegt mittlerweile Ruhlands Hauptaugenmerk. Er hat sich auf die konzentriert, die in der Natur knapp unter der Wasseroberfläche vorkommen und von eingelagerten Symbiosealgen leben. Wie viele verschiedene er „hältert“, wie er es nennt, kann er nicht genau beziffern. „Das letzte Mal nachgezählt habe ich vor zehn Jahren. Da waren es über 100. Jetzt sind es mehr“, sagt er.

 Denn der gelernte Bäcker, der später nach eigenen Angaben als Operator in der Mikroelektronik arbeitete, hat sein Hobby zum Nebenberuf gemacht. Und das kam eher zufällig. Als er sich vor vielen Jahren privat sein erstes Meerwasseraquarium zulegte, musste er viel Lehrgeld bezahlen. „Drei Händler habe ich am Ende durchprobiert und nirgendwo eine richtige Beratung bekommen. Die haben mir das Falsche verkauft. Ich hatte in meinem 500-Liter-Aquarium zu wenig Licht und nicht das richtige Spektrum, zu wenig Strömung und zu wenig Gestein, so dass die Tiere nicht überlebten.“

Er holte sich Literatur und Rat bei anderen Aquarianern, die Ahnung hatten. So wurde es dann doch etwas mit dem Aquarium. Die Fische fühlten sich wohl, mehr und mehr widmete sich Tommy Ruhland jedoch den Korallen, die mit der Zeit immer größer wurden. Er begann, mit anderen Aquarianern zu tauschen, irgendwann auch Korallen zu verkaufen und andere zu beraten. So wurde daraus 2005 ein kleines Gewerbe und Tommy Ruhland der erste offizielle Korallen-„Züchter“ Sachsens – mit Genehmigung des damaligen Regierungspräsidiums. Er steht unter Kontrolle des Veterinäramtes, muss genau Buch führen, woher er Korallen bezieht und wohin er sie abgibt.

 Mittlerweile hat er Kunden nicht nur im Großraum Dresden, sondern durch seinen Online-Shop in ganz Deutschland, handelt auch japanische Koi. Manchmal öffnet er die Türen zu seiner Unterwasserwelt für Neugierige – wie für die Hortkinder der Grundschule in Burkhardswalde oder jüngst die Besucher des „Tages der offenen Imkerei“ des Imkervereins Wilsdruff und Umgebung e.V. Denn Bienen hat der dreifache Vater Tommy Ruhland auch.

Von Catrin Steinbach

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