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Umland Gefährlicher Leichtsinn am Bahnübergang
Region Umland Gefährlicher Leichtsinn am Bahnübergang
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08:24 20.04.2018
Polizeihauptmeister Jens König zeigt ein Fahrrad, das in einen Unfall an einem Bahnübergang involviert war. Die 19-jährige Besitzerin wollte trotz geschlossener Halbschranke die Gleise überqueren. Es kam zu einem Zusammenstoß mit einem Zug. Die Radfahrerin ist tot, ihr Bike Schrott. Quelle: Foto: Silvio Kuhnert
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Radebeul

 Das Lichtzeichen neben dem Andreaskreuz blinkt gelb und das Warnsignal ist akustisch nicht zu überhören – dennoch geben zwei Fahrzeuge an der Bahnschranke in Radebeul-Naundorf Gas, um die Bahngleise noch rasch zu queren, bevor sich der Schlagbaum senkt. Selbst die Anwesenheit von Bundespolizisten schreckt die beiden Kraftfahrer nicht ab, das Gaspedal durchzutreten, obwohl der Fuß in dem Moment laut Straßenverkehrsordnung auf die Bremse gehört. „Selbstüberschätzung ist eine Hauptursache für Unfälle an Bahnübergängen“, sagt Polizeihauptkommissar Holger Uhlitzsch, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Dresden. Die Annahme „Das schaffe ich noch!“ endet nicht selten tödlich.

Seit 16 Jahren klären Bundespolizei, der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC), die Deutsche Bahn, der Verband Deutscher Verkehrunternehmen und die Berufsgenossenschaften gemeinsam über das richtige Verhalten von Kraft- und Radfahrern sowie Fußgängern an Bahnübergängen auf. Im Rahmen der Kampagne „Geblickt? – Sicher drüber!“ haben sie zu einem Pressetermin an die Bahnschranke in Naundorf geladen. „Die Unfallzahlen an Bahnübergangen sind in dieser Zeit deutlich gesunken. 2002 beim Start unserer Kampagne waren 294 Unfälle mit 91 Tote zu beklagen. Im Jahr 2016 wurden nur noch 140 Unfälle registriert“, informiert Helmut Büschke, Vorstandsmitglied beim ADAC Sachsen. Allerdings verloren dabei 29 Menschen ihr Leben, warum die an der Kampagne beteiligten Akteure mit ihrer Aufklärungsarbeit nicht nachlassen.

Laut Polizeihauptkommissar Holger Uhlitzsch müssen Kraftfahrer, Fußgänger und Radler nicht nur stehen bleiben, wenn das Warnsignal rot leuchtet und die Schranken gesenkt sind, sondern auch dann, wenn das Lichtsignal gelb oder rot blinkt. Quelle: Silvio Kuhnert

Ob Schwarzkollm, Pulsnitz, Sohland oder Zeithain – diese drei Orte stehen stellvertretend für schwere Unfälle, die sich 2017 an Bahnübergängen in Sachsen ereignet haben. 95 Prozent aller Bahnübergangsunfälle seien auf ein Fehlverhalten von Teilnehmern im Straßenverkehr zurückzuführen. „Bei einem Übergang hat die Bahn immer Vorfahrt. Oft werden die Geschwindigkeit des Zuges und der Bremsweg völlig unterschätzt- Selbst, wenn ein Lokführer eine sofortige Vollbremsung einleitet, benötigt ein 100 Kilometer die Stunde schneller Zug rund 1000 Meter bis zum Stillstand, so die Faustregel“, berichtet Klaus Heinke von der DB Netz AG. Und mit dieser Geschwindigkeit dürfen Loks die Vollschranke in Naundorf passieren. Sie ist auf dem modernsten Stand der Technik. Zehn Stück dieser Art gibt es in der Region Ostsachsen und Südbrandenburg, wo sich 368 Bahnübergänge von bundesweit insgesamt 16871 befinden

Die Regeln der Straßenverkehrsordnung an Bahnübergängen lauten wie folgt: Weiß-rote Baken kündigen in 240, 160 und 80 Metern Entfernung auf den Übergang hin. Unmittelbar vor dem Kreuzungspunkt signalisiert das Andreaskreuz, dass der Schienenverkehr Vorrang hat. D.h., am Bahnübergang runter vom Gas und aufmerksam nach links und rechts schauen. Bei Übergängen mit Blink- oder Lichtzeichen müssen Fußgänger, Radfahrer und Fahrzeuglenker bei Rot anhalten, auch wenn die Schranken noch oben sind. Ebenfalls anhalten müssen sie bei einem gelben oder roten Blinken. Weiterfahren darf man erst, wenn die Lichtzeichen oder das Blinklicht erloschen bzw. die Schranken vollständig geöffnet sind.

Neben der Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer durch Aufklärung überwachen Bundespolizisten auch gezielt und in unregelmäßigen Abständen Bahnübergänge. Wenn Fußgänger und Radfahrer einen Übergang bei rotem Lichtzeichen oder geschlossenen Schranken unerlaubt überqueren, werden sie mit einem Ordnungsgeld von 350 Euro bestraft. „Bußgelder bis zu 700 Euro, zwei Punkte und drei Monate Fahrverbot erwarten Kraftfahrer“, berichtet Bundespolizist Uhlitzsch. Ein Verstoß gegen die Verkehrsregeln liegt bereits dann vor, wenn ein Fahrzeuglenker noch die Bahnanlage quert, obwohl das Lichtsignal bereits gelb oder rot blinkt.

Von Silvio Kuhnert

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