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Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein gibt den Opfern einen Namen

Schriftenreihe Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein gibt den Opfern einen Namen

Den Opfern der NS-Krankenmorde einen Namen geben, dieses Ziel verfolgt die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein nicht erst seit ihrer Eröffnung im Jahr 2000. Unter dem Titel „Den Opfern ihren Namen geben“ hat die Gedenkstätte die ersten zehn biografischen Porträts von Opfern der NS-Krankenmorde, der sogenannten „Aktion T4“, herausgebracht.

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Dr. Boris Böhm (r.) und Co-Autorin Joana Starck überreichten Vize-Landrat Heiko Weigel das Heft mit dem Porträt seines Urgroßvaters Max Anton Weigel.

Quelle: Silvio Kuhnert

Pirna. Den Opfern der NS-Krankenmorde einen Namen geben, dieses Ziel verfolgt die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein nicht erst seit ihrer Eröffnung im Jahr 2000. Bereits zu Zeiten des 1991 gegründeten Kuratoriums hat der Gedenkstättenleiter Dr. Boris Böhm zu Biografien und dem Schicksal der 13720 geistig behinderten oder psychisch kranken Menschen und 1031 Häftlingen aus Konzentrationslagern, die in den Jahren 1940/41 in der Tötungsanstalt ein grausames Ende fanden, geforscht. Zahlreiche Publikationen sind bereits erschienen. Sie werden nun durch eine neuen Schriftenreihe ergänzt.

Unter dem Titel „Den Opfern ihren Namen geben“ hat die Gedenkstätte die ersten zehn biografischen Porträts von Opfern der NS-Krankenmorde, der sogenannten „Aktion T4“, herausgebracht. Als der Historiker Dr. Böhm Anfang der 1990er Jahren seine Forschungsarbeit zur einstigen Heil- und Pflege- und späteren Tötungsanstalt aufnahm, waren die Namen der Ermordeten nicht bekannt. „Wir haben sie uns über Krankenakten erschlossen“, berichte Böhm. Mit den Jahren meldeten sich auch Angehörige und Hinterbliebene, erst beim Kuratorium, dann in der Gedenkstätte. Ein erstes sichtbares Resultats war die Eröffnung des Raums der Biografien.

In der Bildungsarbeit, vor allem mit Jugendlichen, hat sich der individuelle Zugang über den Lebens- und Leidensweg der Opfer bewährt. So bekamen unter anderem Schüler Blätter mit Biografien beim Besuch der Gedenkstätte in die Hand. Im vergangenen Jahr ermöglichte ein Programm der sächsischen Landesregierung zur Demokratieförderung, eine Schriftenreihe zu initiieren. Zehn biografische Porträts machen den Anfang, die mit Texten, Fotos und Dokumenten Einblicke in die Lebensgeschichte der auf dem Sonnenstein ermordeten Menschen geben. Die Hefte spiegeln die Vielfalt der Schicksale wieder, die sich nicht nur auf ihre mögliche Krankheit reduzieren lassen. So verdiente der 1940 in Pirna ermordete Max Anton Weigel seinen Lebensunterhalt als Naturheilkundiger. Sein Urenkel ist Vize-Landrat Heiko Weigel (CDU). Marie Stephan brach wegen der Liebe mit ihrem streng katholischen Elternhaus. Die weiteren acht Biografien handeln von der Künstlerin Elfriede Lohse-Wächtler, dem jüdischen KZ-Häftling Arnold Grünfeld, von Walter Lauer, Richard Dathe, Karl Gläser, Wichard von Heynitz, Ursula Heidrich sowie Peter Jenewein, der zwei Wochen nach seinem 9. Geburtstag, am 29. November 1940, in die Tötungsanstalt deportiert und wohl noch am gleiche Tag ermordet wurde.

Bei den zehn Porträts soll es nicht bleiben. Dr. Böhm plant bereits weitere Hefte. Sie sollen in Zusammenarbeit mit Schülern des Pirnaer Schiller-Gymnasiums entstehen. Das elfte Heft soll von einem Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg handeln. Durch ein Kriegstrauma wurde er ein Fall für die Psychiatrie.

Die Hefte sind kostenfrei über die Website der Stiftung Sächsische Gedenkstätten erhältlich.

Von Silvio Kuhnert

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