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Umland Garten der Düfte
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18:00 07.08.2018
Botanischer Blindengarten Radeberg. Edelstahlgeländer im Areal und daran angebrachte Markierungen in Blindenschrift sorgen dafür, dass sich blinde Menschen selbstständig im Garten orientieren können. Quelle: Catrin Steinbach
Radeberg

Hitze und fehlender Regen haben auch im Botanischen Garten in Radeberg unübersehbar Spuren hinterlassen. Aber wer all seine Sinne schärft, eben nicht nur mit den Augen nach farbigen Blüten sucht, kann hier vieles entdecken.

Töpfe mit verschiedenen Duftpelargonien. In jedem Topf steckt ein großes Schild, auf dem der Name der jeweiligen Pflanze vermerkt ist. Auf der einen Seite in der Schrift für Sehende, auf der anderen Seite in Blindenschrift. Quelle: Catrin Steinbach

Dass Minze nicht gleich Minze ist zum Beispiel. Denn die eine riecht eher wie Kaugummi, die andere erinnert an Minzschokolade, die nächste hat einen fruchtigen Touch. Oder die Duftpelargonien. Deren Blüten spielen eh nicht so die tragende Rolle. Es sind die Blätter, die faszinieren. Und zwar aufgrund ihrer unterschiedlichen Form und Oberfläche sowie ihres Geruches, der durch Berührung besonders wahrnehmbar wird.

„Bei uns duftet es immer. Unter den 1300 Pflanzenarten im Areal befinden sich etwa 700 Duftpflanzenarten“, so Marcel Soblik. Er ist Gartenmeister und Gartentherapeut in dem Botanischen Garten, der von der Gestaltung her besonders auf blinde und taubblinde Menschen zugeschnitten ist.

Stachellose Brombeeren zum Naschen und für die Bereicherung des Speisezettels im Spatzennest. Hochbeete erleichtern es den blinden Besuchern, die verschiedenen Pflanzen zu erkunden. Quelle: Catrin Steinbach

Eröffnet wurde die Anlage am 1. September 1996. Zunächst auf einer Fläche von 5600 Quadratmetern. Durch Zukäufe von Grundstücken umfasst das Gelände heute über 20 000 Quadratmeter. Entlang der Wege, die zusammengenommen eine Strecke von 1,5 Kilometern ergeben, sorgen Edelstahlhandläufe mit Markierungen in Blindenschrift dafür, dass blinde Menschen das Areal selbstständig erkunden können.

Abseits von den Hauptwegen gibt es die Möglichkeit, sich mit dem Blindenstock anhand von „Klopfkanten“ zu orientieren. Pflanzen sind mit Schildern gekennzeichnet – in unterschiedlichen Schriften für Sehende und Blinde.

Ruth Zacharias beim Gießen von Blumenkästen. Quelle: Steffen Giersch

Der Garten ist ein Herzensprojekt von Ruth Zacharias. Die Pastorin im Ruhestand, die selbst blind ist und im August ihren 78. Geburtstag feiert, hat sich ein Leben lang für taubblinde Menschen eingesetzt. Mit viel Enthusiasmus baute sie in der DDR die Taubblindenarbeit auf, gründete nach der Wende den Taubblindendienst der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V. mit.

Seinen Sitz hat der Verein in Radeberg. Zu diesem gehören die Begegnungsstätte „Storchennest“, das auch als Gästehaus dient, eine Beratungsstelle, das Ambulant Betreute Wohnen und eben der Botanische Blindengarten, der auch für die therapeutische Arbeit mit den mehrfachbehinderten Menschen genutzt wird.

Wassergarten im Blindengarten. Hier kann man sogar Seerosen aus nächster Nähe betrachten bzw. erfühlen. Quelle: Catrin Steinbach

Ruth Zacharias übergab zwar die Geschäftsführung des Taubblindendienstes 2015 an die nächste Generation. Doch in der Fördergemeinschaft, die sich hauptsächlich der Erhaltung des Botanischen Gartens widmet, hat sie noch den Hut auf. Und da Ruth Zacharias auch auf dem Gelände wohnt, ist es durchaus möglich, dass man sie mal im Garten trifft.

Zum Beispiel am 2. September. Denn dann findet im Botanischen Blindengarten das 27. Gartenfest statt. Motto: „Der Garten – Brücke zum Leben“. Erwartet werden rund 500 Gäste. Zum einen (Taub-)Blinde und Sehbehinderte samt Angehörigen aus ganz Deutschland. Zum anderen Interessierte sowie Garten- und Pflanzenfreunde, denen übrigens auch sonst an drei Tagen während der Gartensaison die Anlage offen steht.

Zum Fest gibt es eine Gulaschkanone, frische Backwaren aus dem Holzbackofen und einen Kuchenbasar. Produkte taubblinder Menschen können erworben werden und ein Imker bietet Naturhonig an. Der Garten lädt zum Verweilen, zum Entdecken und Spazieren ein.

An dieser Stelle entsteht in den kommenden Monaten das neue Gewächshaus. In diesem sollen die vielen (Duft-)Kamelien ausgepflanzt werden. Quelle: Catrin Steinbach

Zudem erfolgt der erste Spatenstich für den Neubau eines Gewächshauses. Es soll künftig vor allem die Kamelien, für die der Botanische Blindengarten mittlerweile bekannt ist, beherbergen. 50 Kamelienarten und -sorten umfasst die Sammlung.

„80 Prozent sind Duftkamelien. Bei den anderen handelt es sich um Arten und Sorten, die sich zum Beispiel aufgrund der Größe der Blüten besonders anfühlen, so dass auch blinde Menschen ein besonderes Erlebnis haben“, erklärt der Gartenmeister.

Zu den Kamelienbesonderheiten zähle zudem Camellia sasanqua. Dieses Gehölz blühe bereits von Oktober bis Januar. „Wir sind am überlegen, ob wir künftig auch in dieser Zeit das Gewächshaus öffnen“, sagt Soblik.

Service: Taubblindendienst e.V./Botanischer Blindengarten, Pillnitzer Str. 71, 01454 Radeberg; Öffnungszeiten: 1. Mai-31. Oktober Di./Mi. und Sa. 13-18 Uhr; zusätzliche Öffnungszeiten zur Kamelienblüte immer Mitte Januar bis Mitte April; Kaffeeausschank im Spatzenhaus Mai-Okt. Mi./Sa. 14-17 Uhr; 27. Gartenfest am 2. September, 11-17 Uhr.

Von Catrin Steinbach

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