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Freitaler Porzellan vor mintgrüner Wand - Schloss Schönfeld: Porzellanzimmer soll restauriert werden

Freitaler Porzellan vor mintgrüner Wand - Schloss Schönfeld: Porzellanzimmer soll restauriert werden

An der Wand hinter dem Schreibtisch von Annelies Habich hängt ein Aquarell. Es zeigt Schloss Schönfeld bei Thiendorf. So, wie es sein neuer Besitzer Max von Burgk, Sohn des vermögenden Freitaler "Kohlebarons" Arthur von Burgk, zwischen 1882 und 1884 im Stile der deutschen Neorenaissance herrichten ließ, bevor er mit seiner jungen Frau nach Schönfeld zog.

Von Bernd Lichtenberger

Die Perspektive stimmt nicht ganz mit der Wirklichkeit überein. Wahrscheinlich hat der Maler Ehregott Zschille etwas geschönt, damit man das ganze Gebäudeensemble sieht, vermutet die Kunsthistorikerin Anja Schönbrunn. Aber noch weniger stimmt das Bild mit dem heutigen Zustand überein. Wo sich auf Zschilles Aquarell ein großer Rosengarten ausbreitet, gibt es heute nur eine große Wiese mit einem bescheidenen Rosenbeet.

Den Traum, dem Förderverein von Schloss Schönfeld könnte es eines Tages gelingen, an dieser Stelle wieder einen Rosengarten einzuweihen, hat Büroleiterin Annelies Habich eigentlich begraben. "Allein für die Anlage eines solchen Gartens brauchten wir eine fünfstellige Summe und wer den Garten dann pflegen sollte, wüssten wir trotzdem nicht", bedauert sie. Außerdem hat der Verein ganz andere Sorgen, denn das Schloss ist erst zur Hälfte saniert. Selbst der Dicke Turm, einer der markantesten Teile des Ensembles, wartet noch auf die Restaurierung. So wie der gesamte Mittelflügel.

Aber die Vereinsmitglieder lassen die Köpfe nicht hängen, ringen vielmehr darum, die Instandsetzung Schritt für Schritt fortzusetzen. Ein solcher Schritt ist die Wiederherstellung des sogenannten Porzellanzimmers im Erdgeschoss des Südturms. Darauf konzentriert sich gegenwärtig alles. Das Zimmer ist der sensibelste Raum des ganzen Schlosses, sagt Anja Schönbrunn. Sie muss es wissen, denn sie hat sich intensiv mit der Baugeschichte des Schlosses befasst und das Exposé erarbeitet, auf dessen Grundlage der Raum restauriert werden soll.

Wie er zu Zeiten von Gabriele von Burgk aussah, haben unter anderem intensive Untersuchungen der mehrschichtigen Wandbemalung ergeben. Die Baronin hatte den rechteckigen Raum, den ein kleines Turmzimmer ergänzt, als Damensalon genutzt. Es ist der einzige Raum, der im Stil des Neo-Rokoko gestaltet und mit entsprechendem Mobiliar ausgestattet war. Die Wände in hellem Mintgrün, die Zimmerdecke mit dekorativem Stuckschmuck. Das Rokoko galt in der Architekturlehre des 19. Jahrhunderts gegenüber der deutschen Neorenaissance als der feinere, feminine Stil und war deshalb für die Gesellschaftsräume der Dame angemessen, meint Anja Schönbrunn. Außerdem sei die Entscheidung für das Rokoko-Mobiliar der Baronin auch mit deren Leidenschaft für Porzellane zu erklären. Zeitzeugen erinnern sich, dass die Schlossherrin ihre Porzellansammlung in Vitrinen aufbewahrte, was dem Damensalon im Volksmund die Bezeichnung Porzellanzimmer einbrachte.

Dass sich von dieser Sammlung auf dem Dachboden nach der Wende nur noch ein paar Scherben fanden, ist im Moment für den Förderverein kein Thema. Sein Problem ist der Hausschwamm, der sich in den Deckenbalken des einstigen Damensalons eingenistet hat. Als vor zehn Jahren bei ersten Restaurierungsversuchen ein Stück Stuckdecke herunter brach, wurde das ganze Übel offenbar. Die Stuckdecke muss geöffnet werden und neue Balken bekommen. Damit wuchsen die Kosten für die Restaurierung des Porzellanzimmers auf stolze 80 000 Euro. Für die Gemeinde als Schlosseigentümerin und für den Förderverein kaum aufzubringen.

Doch inzwischen gibt es mehr als nur einen Lichtblick. Die Hälfte des Geldes werde aus einem Sonderprogramm für "National wertvolle Kulturdenkmale" kommen, hat Thomas de Maiziére als Bundestagesabgeordneter Ende September angekündigt. Auch die Sparkasse sowie mehrere Sponsoren haben Hilfe zugesagt, so dass Annelies Habich darauf setzt, dass Anfang des neuen Jahres mit der Restaurierung des Porzellanzimmers begonnen werden kann.

"Toll wäre es, wenn wir unseren Besuchern den Raum dann im Herbst schon zeigen könnten", meint sie. Vielleicht mit einer Ausstellung von Porzellan der Sächsischen Porzellan-Manufaktur Dresden aus Freital. Interesse daran habe die Manufaktur bei Gesprächen schon signalisiert, sagt Anja Schönbrunn und freut sich darüber, denn sie vermutet, dass auch Gabriele von Burgk Freitaler Porzellan gesammelt hat.

Im Schloss Schönfeld, zu erreichen über die A 13, Abfahrt Thiendorf, gibt es im November jeweils sonntags 14, 15, 16 und 17 sowie wochentags nach telefonischer Absprache (035248/20360) Führungen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.11.2012

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