Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -2 ° Schneeschauer

Navigation:
Google+
Festung Königstein erzählt die Geschichte der längsten Stadtmauer der Welt

Sonderausstellung Festung Königstein erzählt die Geschichte der längsten Stadtmauer der Welt

Die Festung Königstein widmet sich in ihrer diesjährigen Sonderausstellung der Stadtmauer von Nanjing. Wie es zu der Kooperation mit China kam und was bei der Sanierung der Georgenburg entdeckt wurde, berichten Festungschefin Dr. Angelika Taube und Markus Bitterlich, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator, im DNN-Interview.

Bei den Sanierungsarbeiten in der Georgenburg kam eine bemalte Holzbalkendecke aus der Renaissancezeit zum Vorschein.

Quelle: Sebastian Kahnert, dpa

Königstein. Die Festung Königstein konnte im vergangenen Jahr ihre Besucherzahlen leicht erhöhen. Als ein Besuchermagnet erwies sich die Sonderausstellung über die Klosterzeit auf dem Felsplateau. Mit welchem Thema Festungschefin Dr. Angelika Taube und Kurator Markus Bitterlich ab April Gäste auf den Königstein locken wollen, verraten sie im Interview.

Frage: Frau Dr. Taube, sind Sie mit der Besucherresonanz in 2016 zufrieden?

Dr. Angelika Taube: Mit den Besucherzahlen können wir zufrieden sein. Im vergangenen Jahr begrüßten wir 493222 Gäste auf dem Königstein. Der Besucherzuspruch hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Prozent erhöht. Insgesamt betrachtet war es ein tolles Jahr, auch wenn wir die Besucherzahl von einer halben Million, die wir immer anstreben, nicht ganz erreicht haben.

Auch wenn der Besucherrekord nicht geknackt wurde – im Jahr 2000 zählte die Festung 649021 Gäste –, konnten Sie dennoch neue Spitzenmarken verbuchen, oder?

Dr. Angelika Taube: Ein Höhepunkt im vergangenen Jahr war unsere Sonderausstellung. Mit ihr haben wir 114460 Besucher erreicht, so viele wie noch nie. Das lag sicher am Thema, und zwar die Festung als Standort eines Klosters. Die Klostergründung jährte sich zum 500. Mal. So ein rundes Jubiläum hat man selten. Auch unser Weihnachtsmarkt verbuchte zum vierten Mal in Folge einen Rekord. Ihn haben rund 57000 Menschen besucht. Des Weiteren hat sich der Ausländeranteil unter den Festungsgästen weiter erhöht. Er lag im vergangenen Jahr bei genau einem Viertel aller Besucher. Die Liste der Länder, aus denen die ausländischen Gäste stammen, führen die Tschechien, Polen und Russland an.

Auch in diesem Jahr ist wieder eine Sonderausstellung geplant. Sie ist dem Schutzwall von Nanjing, der längsten Stadtmauer der Welt gewidmet. Wie kam es zu der Kooperation mit China?

Dr. Angelika Taube: Es war im Februar vor zwei Jahren. Wir steckten mitten in den Vorbereitungen zu unserer neuen Dauerausstellung über die Geschichte der Festunsanlage, als mich eine E-Mail von Prof. Guoqing Yang erreichte. In ihr kündigte der namhafte Wissenschaftler und Experte der Stadtmauer von Nanjing sein Kommen an. Er reiste damals auf der Suche nach alten Wehrmauern quer durch Europa und machte auch einen Abstecher auf den Königstein. Obwohl ich in den Aufbau der Ausstellung stark eingebunden war, nahm ich mir an einem Nachmittag die Zeit für Herrn Yang und führte in durch die Festung. Er war begeistert von den Festungsmauern, Verteidigungsanlagen und Kanonen und stellte viele Gemeinsamkeiten – wie beispielsweise die Kasematten – zur Wehranlage in Nanjing fest. Im vergangenen Jahr reisten wir dann zu einem Gegenbesuch nach China, wo es zu einer Vereinbarung zur Zusammenarbeit kam.

Herr Bitterlich, was ist das Besondere an der Mauer in Nanjing?

Markus Bitterlich: Die Stadtmauer wurde im 14. Jahrhundert errichtet. Von einst 33 Kilometern sind 25 noch erhalten. Chinas erster Ming-Kaiser Hongwu machte Nanjing zur Hauptstadt und ließ die Mauer ab 1366 bauen. In der Ausstellung greifen wir verschiedene Themen auf. Dazu zählt dieser Kaiser. Wir beleuchten, wie der Mauerbau einst gestemmt wurde. Das Bauwerk besteht aus Millionen gebrannter Ziegel. Jeder erzählt eine individuelle Geschichte. Denn jeder einzelne Ziegelstein ist mit einer Aufschrift des Herstellers versehen und hat eine Prägung einer der höchsten Beamten, was eine Art Qualitätskontrolle war. Eine Besonderheit stellt auch der Verlauf der Mauer dar. Stadtmauern wurden in China damals entweder rund oder viereckig angelegt. Die in Nanjing stellt dagegen im Grundriss Sternbilder dar. Dieses mystische Thema greifen wir in der Sonderausstellung, die ab dem 6. April in der Magdalenenbug zusehen ist, ebenfalls auf.

Gegenwärtig wird die Georgenburg saniert. Konnten Sie bei der Freilegung von Decken und Wänden eine Entdeckung machen?

Markus Bitterlich: Die Georgenburg ist in ihren Grundmauern der älteste Gebäudeteil auf dem Königstein und ihre Wurzeln reichen bis zur mittelalterlichen Burganlage zurück. Im 17. Jahrhundert geschah die letzte große Baumaßnahme. Bei der damaligen Sanierung wurde der mittelalterliche Burgteil zum kurfürstlichen Jagdschloss umgebaut und 1619 fertiggestellt. In den einst kurfürstlichen Zimmern ist bei den jetzigen Bauarbeiten eine bemalte Holzdecke aus der Renaissance zum Vorschein gekommen. Sie ist erst seit dieser Woche vollständig freigelegt.

Von Silvio Kuhnert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr