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Umland Fasanenfächer am Fasanenschlösschen wird wieder sichtbar
Region Umland Fasanenfächer am Fasanenschlösschen wird wieder sichtbar
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07:51 08.04.2019
Auch die Außenanlagen des touristischen Anziehungspunktes sollen wieder erstrahlen. Quelle: Dietrich Flechtner
Moritzburg

Nach der Rekonstruktion des Moritzburger Fasanenschlösschens, dem einzigen im Spätrokoko-Stil erhaltenen Schloss Sachsens, sollen nun auch die Außenanlagen des touristischen Anziehungspunktes wieder auf Vordermann gebracht werden. „Derzeit laufen die Planungen“, bestätigt Alwin-Rainer Zipfl, Sprecher des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement.

„Bereits in der Umsetzung als vorgezogene Maßnahmen befinden sich die Kanalentschlammung und die Sanierung der Tiergartenmauern“, so Zipfl weiter. Nun geht es um die Instandsetzung der Rampen am Garnhaus, die Instandsetzung bzw. Rekonstruktion der Ordensbandrampen, die Wiederanpflanzung des Obstbaumbogens.

Auch der Venusbrunnen soll wieder instandgesetzt werden. Quelle: Dietrich Flechtner

Des Weiteren sollen der Venusbrunnen sowie die Skulpturen am Fasanenschlösschen und am Hafen restauriert werden. Zudem stehen die Instandsetzung des großen Bruthauses sowie Instandsetzung bzw. Erneuerung der Einfriedung der Volieren im Fokus, zählt der SIB-Sprecher auf, worum es geht.

Endlich könnte man sagen. Auch wenn es zu Kosten und zeitlicher Umsetzung noch keine Aussagen gibt. Für René Kreher, der die historische Fasanenzucht am Fasanenschlösschen 2006 wiederbelebte, kommen bauliche Maßnahmen an der Fasanenzuchtanlage zu spät. Kreher warf 2017 wegen mangelnder Unterstützung des Freistaates bei der Restauration der historischen Bruthäuser das Handtuch (DNN berichtete).

Unterdessen hat der Forstbezirk Dresden des Staatsbetriebes Sachsenforst schon Nägel mit Köpfen gemacht und in seinem Verantwortungsbereich die Grundlage für die weitestgehende Wiederherstellung der historischen kleinen Fasanenfächer geschaffen.

Einer der freigelegten Dämme. Die kleinen Fichten links und rechts sollen nun zu Hecken heranwachsen. Quelle: Dietrich Flechtner

Bei diesen handelt es sich um dammartige Wege, die beidseits mit Fichtenhecken bepflanzt sind. „Der Nachweis der Hecken ist durch einen kürzlich entdeckten Bestandsplan aus dem Jahr 1791 im Hauptstaatsarchiv Dresden bestätigt“, teilt der Sachsenforst mit.

Die dammartigen mit Hecken bepflanzten Wege verlaufen strahlenförmig vom Venusbrunnen weg. Schaut man aus der Luft, erinnert das Gartenbild an einen Gänsefuß. Vom Venusbrunnen aus konnten so viele Fasane gleichzeitig beobachtet werden, so der Sachsenforst. Die kleinen Fasanenfächer hatten nicht nur eine gartengestalterische Funktion, sondern boten den Fasanen die Möglichkeit, zu scharren, ein Sandbad zu nehmen und sich zu verstecken, erklärt Revierförster Marko Groß.

Revierförster Marko Groß zeigt die Neubepflanzung der Fasanenfächer. Quelle: Dietrich Flechtner

Der Garten sei nach 1827 „allmählich, da die ersten 100 Jahre noch stärker gepflegt, in einen Dornröschenschlaf gefallen“, sagt Michael Simonsen. Er ist Landschaftsarchitekt, Gartenhistoriker und Geschäftsführer der Simonsen Freianlagen-Planungsgesellschaft. Diese arbeitet für die Gemeinde Moritzburg an einer Wegekonzeption in der Kulturlandschaft, für das SIB an den Sanierungsplanungen für die Freiflächen am Fasanenschlösschen und berät den Sachsenforst bei den gartendenkmalpflegerischen Fragen der Forstflächen in den Fasanenfächern.

Die historische Abbildung zeigt, wie der Fasanengarten einst aussah. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 12584 FNL Daniel-Adam Nr. 34

„Wie nachgewiesen werden konnte, ist innerhalb der sicher nicht ganz intakten Fasanengartenmauern der Garten lediglich von einer Humus und Grasschicht überwachsen, von einzelnen Auffüllungen und Ablagerungen der Entschlammungen aus den 1970er Jahren versehen und mit durchgewachsenen und teilweise abgestorbenen Gehölzen durchaus vorhanden“, so Simonsen gegenüber DNN.

2016 wurden die kleinen Fasanenfächer zunächst mit Pferden durchforstet. „Vergangenes Jahr haben wir die Dämme von Wuchs befreit und Fehlstellen aufgefüllt“, so Revierförster Marko Groß. Jetzt wurden 4000 junge Fichten gepflanzt, um die wegebegleitenden Hecken auf etwa drei Viertel der früheren Fläche wiederherzustellen. Komplett geht es nicht, weil seit vielen Jahren der Wirtschaftshof des Wildgeheges einen Teil der Fläche einnimmt und auch dort bleiben soll.

Doch warum Fichten? „Fichte ist eine bewährte Heckenpflanze und konnte in den Archivalien als verwendete Art nachgewiesen werden. Wir ersetzen damit originale Pflanzenarten am originalen Pflanzenstandort wieder ein“, sagt Michael Simonsen.

An den Hecken entlang des Weges zwischen Venusbrunnen und Fasanenschlösschen sehe man, was passiere, wenn man mit dem Rückschnitt aussetze. „Fichte treibt nicht am alten Holz wieder aus und ein Rückschnitt auf ein einstiges Maß, was an dieser Stelle erforderlich wäre, ist somit mit den Pflanzen von 1880 nicht mehr möglich“, so Gartenhistoriker Michael Simonsen. Quelle: Dietrich Flechtner

Er macht auch deutlich, wie wichtig der regelmäßige Rückschnitt der Fichtenhecken ist, um sie in Form zu halten. An den Hecken entlang des Weges zwischen Venusbrunnen und Fasanenschlösschen sehe man, was passiere, wenn man mit dem Rückschnitt aussetze. „Fichte treibt nicht am alten Holz wieder aus und ein Rückschnitt auf ein einstiges Maß, was an dieser Stelle erforderlich wäre, ist somit mit den Pflanzen von 1880 nicht mehr möglich. Die Hecken können für die Sichtbarmachung des Gartenbildes nur neu gepflanzt werden.“

Revierförster Marko Groß sieht die Heckenpflege des Gartendenkmals als gärtnerische Aufgabe. „Wir hoffen da auf die tatkräftige Unterstützung seitens der Schlösserverwaltung.“

Von Catrin Steinbach

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