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Experte: Meißen wird schrumpfen - Ein Viertel der Bewohner ist im Rentenalter

Experte: Meißen wird schrumpfen - Ein Viertel der Bewohner ist im Rentenalter

Meißen. "Auf jeden Fall können Sie froh sein, dass Sie in Meißen wohnen und nicht in Riesa", zog Tim Leibert ein doch recht flapsiges Resümee. Der beim Leipziger Leibniz-Institut für Länderkunde beschäftigte Forscher war am Montagabend beim ersten Meißner Zukunftskongress zu Gast, zu dem die Stadt in den Großen Ratssaal geladen hatte.

Knapp 100 Menschen waren gekommen, um sich die Bedeutung des demografischen Wandels in Meißen erklären zu lassen. Das ist zunächst mit allerhand statistischen Angaben verbunden, wie Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) eingangs verdeutlichte. "Meißen hat aktuell 27 700 Einwohner und wächst leicht, was vor allem am Zuzug liegt", sagte er. Das sei eine erfreuliche Entwicklung, fand auch Leibert, ehe er Wasser in den Wein kippte: Ein großer Teil der Meißner sei zu den älteren Semestern zu zählen. 2013 waren etwa 28 Prozent der Meißner 65 Jahre alt oder älter. Mehr als ein Viertel also, aber immer noch weniger als im schrumpfenden Riesa, wo es etwa ein Drittel ist. Ein so hoher Anteil an älteren Bevölkerungsgruppen sei Anzeichen eines bevorstehenden Einwohnerschwunds. "Sie müssen sich darauf einstellen, dass Meißen schrumpft," sagte Leibert.

Chancen, diese Entwicklung zu dämpfen oder umzukehren, sieht Leibert aber auch. Sie liegen zum Beispiel in der sächsischen Verwaltungshochschule im Stadtteil Cölln. Die sorgt dafür, dass Meißen anders als viele Kommunen im ländlichen Raum in der Altersgruppe der 18- bis 25-jährigen kaum Einwohner verliert. Es fehle in der Stadt jedenfalls nicht so sehr an Frauen im gebärfähigen Alter wie anderswo im Landkreis, meinte Leibert. Andererseits handelt es sich dabei eher um einen statistischen Effekt: Von den Studenten merke man in der Stadt kaum etwas, monierten viele Meißner in ihren Diskussionsbeiträgen. "Ich sehe das schon so, dass Studenten sich mehr in die Stadt einbringen können", räumte auch Rektor Frank Nolden ein. Wie, das blieb freilich offen. Zumal es in Meißen an Treffs für junge Leute mangele, wie ebenso häufig kritisiert wurde. Ein Problem, das hausgemacht ist. "Wir hatten das Jugendcafé Klimbim, das musste wegen Beschwerden der Anwohner schließen", gab OB Raschke ein Beispiel. Es sei schwer, Betreiber für eine Kneipe mit junger Klientel zu finden. Man müsse hinnehmen, dass die jungen Menschen in der Freizeit nach Dresden fahren. Von der Landeshauptstadt hängt nicht nur in diesem Punkt ab, wie sich Meißen entwickeln wird. Nach Leiberts Einschätzung könnte die Situation im Dresdner Wohnungsmarkt in den nächsten Jahren kippen, so dass mehr Menschen für bezahlbare Wohnungen ins Umland ziehen.

Weitere Zukunftskongresse, die unter anderen auch der Stadtpolitik Argumente für oder gegen bestimmte Projekte liefern soll, sind in drei Monatsabständen geplant. Sie werden sich mit Themen wie beispielsweise Wohnen und Leben, Arbeit und Wirtschaft oder Verkehr befassen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.04.2015

Uwe Hofmann

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