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Umland Evelyn Krause ist Radebeuls dienstälteste Tagesmutter
Region Umland Evelyn Krause ist Radebeuls dienstälteste Tagesmutter
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10:14 27.09.2017
Evelyn Krause mit ihren Tageskindern. Die Radebeulerin ist die dienstälteste Tagesmutter der Lößnitzstadt. Und wohl auch die einzige Tagesoma. Quelle: PR

Tialda hat Evelyn Krause zur Tagesoma gemacht. Seit Februar betreut die 59-Jährige das kleine Mädchen in ihrer Tagespflege an der Hoflößnitzstraße. Das Besondere: Tialda ist die Tochter von Sarah, die vor mehr als 20 Jahren selbst ein Zögling von Krause war. Sie sei sehr gerührt gewesen, als da plötzlich die erwachsene Sarah vor ihr stand und fragte, ob sie ihr Kind bei ihr in die Tagespflege geben könne, erinnert sich Krause. „Natürlich“, lautete die prompte Antwort. Dennoch ein besonderer Moment für Krause, die als die dienstälteste Tagesmutter Radebeuls im September geehrt werden soll. Sachsenweit wird derzeit 25 Jahre Tagespflege gefeiert, Krause betreut seit dagegen seit fast 26 Jahren Kinder in ihrem Wohnhaus unweit der Hoflößnitz.

„Als Kindergärtnerin wollte mich Anfang der 1990er Jahre keiner haben“, begründet die Radebeulerin, warum sie kurz nach der Wende auf die Idee kam, eine Tagespflege zu eröffnen. Die Vorstellung, Vorschulkinder bei einer Tagesmutter in die Betreuung war damals im noch jungen Freistaat nicht sehr verbreitet, weshalb Krause nach eigener Schätzung etwa ein Jahr benötigte, ihre Tagespflege lief. Eine Anzeige in der Tagespresse, ein Aushang beim Kinderarzt und auch ein Türschild hätten anfangs nicht viel gebracht – zu unbekannt war die Betreuungsart hierzulande. Eine aus dem Westen zugezogene Funktionärsfrau gab als erste ihr Kind in Krauses Hände. Durch Mundpropaganda kamen die nächsten Zöglinge dazu. „Das läuft bis heute so“, sagt die Tagesmutter-Veteranin. Probleme, einen Pflegeplatz zu besetzen, kennt sie seit Jahrzehnten nicht.

An die 50 Kinder hat Krause in ihrer familienähnlichen Kleingruppenbetreuung aufwachsen sehen, schätzt Krause. „Da waren Kinder von Ärzten, Pharmareferentinnen, Journalisten, Schauspielern und Studenten dabei“, sagt sie. Das jüngste Kind kam mit zarten acht Monaten zu ihr. Anfangs nahm sie noch fünf Kinder auf und betreutet sie bis zu Schulalter, heute sind es zumeist vier, die im Krippenalter sind. Inzwischen bekommt jede Tagesmutter für einen Pflegeplatz so viel Geld, wie für einen Betreuungsplatz in einer Kinderkrippe fällig wird, früher musste Krause sich mit eigener Kalkulation auf dem sich langsam aufbauenden Markt behaupten. Krause spricht von einen hohen bürokratischen Aufwand, der viel Ärger eingebracht hat. Hinzu kamen: Die zwei Söhne, die auch groß gezogen werden wollten und größere Umbauarbeiten am Haus, die bei vollem Betrieb der Kindertagespflege erledigt wurden. „Ohne die Unterstützung von meiner Familie, vor allem von meinem Mann, wäre es nicht gegangen“, sagt die Tagesmutter.

Der Kontakt mit einer Gleichgesinnten, der Dresdner Tagesmutter Martina Kirsche, habe ihr seit Mitte der 1990er Jahre viel Kraft gegeben. Beide Frauen haben den „Sonnenaue e.V.“ aus der Taufe gehoben – eine Zusammenkunft von Tagesmüttern der Region, die für den Austausch und die Vermittlung von Plätzen dient. „Von da an war ich nicht mehr so der Einzelkämpfer und vieles ging leichter“, sagt Krause. Seit ein paar Jahren herrschen gemessen an der Anfangszeit paradiesische Zustände: Die Vermittlungsstelle im Familienzentrum bringt Eltern und Tagesmütter zusammen, kümmert sich um Beratung und hilft bei Problemen. Selbst die erfahrene Tagesmutter Krause schätzt dieses Angebot. Einmal, als es Streit mit einer Mutter gab, hat sie in der Beratungsstelle einen Vermittlungstermin gemacht. „Wie sich herausstelle, beruhten die meisten Probleme auf Missverständnissen“, sagt Krause. Obwohl sie als Tagesmutter sehr auf ein funktionierendes Zusammenspiel mit den Eltern angewiesen ist, gab es in ihrer Laufbahn aber nur selten Konflikte, wie sie sagt.

Geschichten dagegen allerhand. Etwa die von der weinenden Mutter, die über Hausbau und Arbeitsstress doch tatsächlich ihr Kind vergessen hatte. Verheult stand sie zu später Stunde bei Krauses auf der Matte, während sich ihr Kleines das Abendbrot schmecken lies. Ein Kind blieb sogar mehrere Male über Nacht, weil die alleinerziehende Mutter aus beruflichen Gründen in der Ferne weilte. „Wir haben das einmal ausprobiert und dann ging das relativ problemlos“, erinnert sich Krause. Es habe sich jedoch um eine absolute Ausnahme gehandelt.

Das war wohl auch die Beziehung zu einem ihrer Zöglinge. Als kleines Mädchen hatte sie sie betreut, als Schülerin kam sie in jeden Schulferien zurück, half bei der Betreuung, schwelgte mit „der Evi“ in Erinnerungen. „Weißt Du noch, unsere Wanderungen in den Lößnitzgrund? Die Fahrten mit dem Lößnitzdackel? Oder wie schön wir gekocht haben? – jeden Sommer meldete sie sich bei mir“, sagt Krause. Noch als 18-Jährige. Für Krause mach das die Qualität der Tagespflege aus. Die Kinder laufen im Alltag mit, helfen bei der Wäsche oder beim Einkauchen, kochen gemeinsam. Teilweise entsteht eine Bindung wie zu Familienmitgliedern. „Als Kindergärtnerin musste ich 22 Kinder betreuen, heute sind es vier“, sagt Krause. Und denkt sie nach fast 26 Jahren ans Aufhören? „Ich weiß gar nicht, warum ich das jetzt häufiger gefragt werde. Muss wohl das Alter sein“, sagt sie und lacht. „Ich denke da keinen Augenblick daran. Ich will noch ein paar Jahre weiter machen“, fügt sie an.

Von Uwe Hofmann

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