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Erstmals drehen Südkoreaner Film in Altkötzschenbroda und Dresden

Erstmals drehen Südkoreaner Film in Altkötzschenbroda und Dresden

Kunstlicht flutet den Anger in Altkötzschenbroda. Eine Filmkamera surrt. Zuschauer stoppen und staunen am Straßenrand über diesen jungen Asiaten, der wieder und wieder über den Anger rennt und seine Freude in den Radebeuler Abendhimmel schreit.

Radebeul.

Der Regisseur, ebenfalls ein Koreaner, reibt sich die Stirn, verzieht den Mund, schließt die Augen. Er ist konzentriert: "Noch mal". Alles auf Anfang.

Sein Star, ein schlaksiger und für einen Asiaten großer Mann mit feinen Gesichtszügen, ist gerade um ein Haar über den deutschen Kameramann gestolpert. Zum Glück nichts passiert. Dann gibt der Regisseur ein Zeichen. Nach 45 Minuten Dauerlauf ist Schluss.

Obwohl das koreanisch-deutsche Filmteam ausgelaugt wirkt, ist der Drehtag noch nicht zu Ende. Seit zwölf Stunden sind die 30 Frauen und Männer auf den Beinen. Am Montagvormittag haben die Dreharbeiten begonnen. Bis Donnerstag müssen alle Aufnahmen im Kasten sein. Der Kameramann muss dann woanders hin, erklärt der deutsche Produktionsleiter, René Plaul. Er muss sich beeilen. Den Labrador aus der Hundeschule Dresden, den er für den Dreh organisiert hat, ist dem Regisseur nicht knuffig genug. Ersatz fand sich gestern. Die Produktion ist gerettet.

"Wir brauchen eher einen Welpen", sagt Yanghee Kim, die Film-Koordinatorin. Die Koreanerin hat sich eine rote Decke über die Schultern gelegt, spricht über die Aufnahmen, über das wunderschöne Dresden und hält sich pausenlos den Knopf in ihrem Ohr. "Moment bitte, geht gleich weiter", flüstert die Frau.

Zum ersten Mal überhaupt drehe ein koreanisches Filmteam in Radebeul und Dresden, erklärt Yanghee Kim. Sie sollte sich um die Kulisse für die neue Produktion kümmern. Der rund 30 Minuten lange Kurzfilm soll weder in den Kinos, noch im Internet zu sehen sein. Der Streifen werde auf DVD gebannt und in Fernost den Anhängern des Hauptdarstellers bei einem Fantreffen verkauft. Dessen Namen will sie nicht nennen. Auch wie der bekannte Regisseur heißt, soll geheim bleiben.

Ein großes Tamtam will und muss das Filmteam laut Vorgaben unbedingt vermeiden. Es fürchtet vor allem die zahlreichen Fans des Hauptdarstellers. Dieser sei beliebt in Korea, Japan und China. Ein Auflauf sei vielleicht zu erwarten, wenn publik wird, wer hier an der Elbe dreht. Und bis morgen müsse alles im Kasten sein.

Die Handlung des rund 30-minütigen Kurzfilms ist rasch erzählt: Ein junger Mann will gerne in London studieren, was ihm zunächst verwehrt bleibt. So zieht es ihn nach Dresden. Dort lernt er einen wuscheligen Hund kennen. Eine Freundschaft entsteht zwischen beiden.

Dann bekommt der Mann eine Zusage, doch in London studieren zu dürfen. Er steht vor der Wahl: Bei dem Labrador in Dresden bleiben. Oder ein Abschied für immer - warum der Hund nicht mit auf die Insel darf, konnte oder wollte am Set keiner sagen. Der Mann geht dann aber nach London, kann das inzwischen zum Blindenhund ausgebildete Tier am Ende bei Bedürftigen unterbringen.

Doch warum gerade Elbflorenz als Kulisse für so einen Film? Zwar wird die Crew in der Landeshauptstadt von der 350 Mitglieder starken koreanischen Gemeinde unterstützt, mit typischen Speisen aus der fernen Heimat bekocht. Doch das sei nicht ausschlaggebend für die Drehortwahl gewesen. Der Charme von Dresden und Altkötzschenbroda hätten den Regisseur überzeugt, der erst keine Ahnung von Kims anvisierten Drehorten hatte. Die Koreanerin reist etwa einmal im Jahr hierher. Ihr Mann und Plaul kennen sich. "Wien, Prag und Budapest sind bei uns sehr bekannt als Drehorte, Dresden hingegen nicht", sagt sie. Das werde sich jedoch bald ändern.

"In Korea lief einmal ein Drama, das in Prag spielt und gedreht wurde, danach reisten sehr viele Touristen aus unserem Land dorthin", betont sie. "Das kann mit der Region hier ebenfalls passieren, nachdem der Film veröffentlicht wird." Deshalb gab es kaum Einwände gegen den Dreh von Seiten des Ordnungsamts, heißt es aus dem Produktionsteam. Zieht der Tourismus an, füllt sich das Stadtsäckel auch in Radebeul schneller.

In der Lößnitzstadt sind Elbwiesen, Anger und Friedenskirche Drehorte. In Dresden war das Team bisher unter anderem in der Heinrichstraße und am Japanischen Palais unterwegs. Bei der einen koreanischen Produktion an der Elbe soll es aber nicht bleiben, hofft Yanghee Kim: "Es wäre schön, wenn wir bald wieder hier drehen könnten."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.05.2013

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