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Erster Stadtrat vor 700 Jahren

Älteste Urkunde im Meißener Archiv Erster Stadtrat vor 700 Jahren

“Das ist die älteste Urkunde, die wir hier haben“, präsentiert Stadtarchivar Tom Lauerwald stolz die Nummer 29 aus dem Meißner Stadtarchiv. In diesem wertvollen Dokument ist die erstmalige Erwähnung eines Rates der damaligen sächsischen Residenzstadt festgehalten.

Archivar Tom Lauerwald und Oberbürgermeister Olaf Raschke

Quelle: Lisa-Marie Leuteritz

Meissen. “Das ist die älteste Urkunde, die wir hier haben“, präsentiert Stadtarchivar Tom Lauerwald stolz die Nummer 29 aus dem Meißner Stadtarchiv. In diesem wertvollen Dokument ist die erstmalige Erwähnung eines Rates der damaligen sächsischen Residenzstadt festgehalten. Die Urkunde stammt aus dem Jahr 1316, ist also genau 700 Jahre alt. Dies nahm die Stadt zum Anlass, sich an die Anfänge der Stadtpolitik zu erinnern.

„Wir blicken hier wie durch ein Zeitfenster auf die Lebenswirklichkeit des ausgehenden Mittelalters“, erklärt Lauerwald. Der Verfasser des alten Pergaments ist unbekannt, es handele sich wohl um einen damaligen Stadtschreiber. Die lateinischen Worte sind in edlen gotischen Minuskeln niedergeschrieben. Der Inhalt ist weniger spektakulär. Die Entscheidung über die steuerliche Bevorteilung des Freiberger Dominikanerordens ist in der Urkunde festgehalten. Dieser Orden hatte nahe der Meißener Frauenkirche eine Niederlassung. „Die übliche Besteuerung wurde den Mönchen wohl im Interesse der Förderung des städtischen Lebens erlassen“, vermutet der Stadtarchivar. Die eigentliche Besonderheit dieses Dokumentes ist die namentliche Nennung der Ratsmitglieder. Auch die Berufe werden teilweise erwähnt. Darunter waren unter anderem Bäcker, Fleischer und Kirchner.

Der damalige Rat bestand aus zwölf Ratsherren und Schöffen, das sogenannte Zwölferkollegium. Zu dieser Zeit bildete der Rat die Exekutive. Er vollzog also die Rechtsakte und vertrat die Stadt nach außen. Dies galt allerdings nicht für das gesamte Meißener Stadtgebiet, welches damals 1 800 bis 2 000 Einwohner beherbergte. Der Zwölferrat war nur für die untere Altstadt zuständig. „Meißen war im Mittelalter in mehrere eigenständige Rechtsbezirke geteilt“, erklärt Historiker und Publizist Dr. Matthias Donath. Das bedeutet, Stadtrat und Bürgermeister waren nicht für den Bereich um den Dom und die St. Afrakirche zuständig. Diese wurden vom Hochstift und vom Augustiner-Chorherrenstift St. Afra verwaltet.

Die Vertreter des Rates übten ihr Amt allesamt ehrenamtlich aus und stammten aus einflussreichen Meißener Familien. Gewählt wurden sie nicht von der gesamten Gemeinde, sondern nur von privilegierten Bürgern. Diese hoben sich durch ihren Besitz, Stand und Einfluss von der restlichen Bürgerschaft ab.

Unterhalb der Urkunde befindet sich ein Siegel. Dieses gab den Historikern Aufschluss über die enge Bindung der Stadt Meißen an die Landesherrschaft. Darauf ist ein Ritter mit zwei Dreiecksschildern zu sehen. Die Schilder stellen zum einen den markmeißnischen Löwen – das Zeichen der Landesherren – und zum Anderen das Andreaskreuz als Zeichen des Burggrafen dar.

Der Oberbürgermeister Olaf Reschke betonte in diesem Zusammenhang die große Tradition der kommunalen Institutionen. „Der verantwortungsvolle Umgang mit diesem kostbaren Erbe bleibt daher eine wichtige Aufgabe“; erklärt er. Im kommenden Frühjahr zieht das Archiv in neue und modernere Räumlichkeiten um.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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