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Endstation Ausnüchterungszelle: Der Kurzzeitknast in Coswig wird nur selten genutzt

Endstation Ausnüchterungszelle: Der Kurzzeitknast in Coswig wird nur selten genutzt

Zehn Quadratmeter, kein Gestank, alles blitzblank: Die Einzelzelle im Keller des Polizeireviers in Coswig ist unerwartet sauber.

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Im vergangenen halben Jahr wurde die Einzelzelle im Keller des Coswiger Reviers nur neun Mal zur Ausnüchterung benutzt. Revierleiter Stefan Dörner rechnet nicht damit, dass in den kommenden Wochen mehr Berauschte eingesperrt werden müssen.

Quelle: Martin Förster

Coswig/Radebeul. Von Stephan Klingbeil

"Bitte spülen nach Entlassung" steht in schwarzen Lettern auf dem pinken Schild im Kellerflur. Ein Hinweis für die Polizisten. Man kann ja nie wissen, ob das ebene WC aus Stahl nicht doch benutzt worden ist. Die Putzkolonne war auch schon dort. Sie kommt immer vorbei, wenn jemand die Nacht oder den Tag hinter Gittern verbracht hat.

Die Wandfliesen strahlen hier selbst im matten Tageslicht so weiß wie Schnee, die grauen Bodenplatten bilden keinen wirklichen Kontrast. Die massive Holzpritsche komplettiert das öde Bild. Wer hier eingebuchtet wird, will ohnehin schnell wieder weg, bei so viel Kargheit aber sicher noch schneller. Auf Dauer bleibt hier auch keiner. Diebe oder Einbrecher, die auf frischer Tat ertappt werden, hält man hier fest. Als Ausnüchterungszelle dient der vergitterte Raum aber auch. Schon bald könnte er wieder genutzt werden. In der Region stehen mehrere Weinfeste an. Manch einer wird dabei zu tief ins Glas schauen. Wer austickt, landet in der Zelle. Wer sich im Rausch auf die Straße legt auch.

Doch Stefan Dörner, Leiter des Reviers Coswig-Radebeul, rechnet eher nicht mit einer verstärkten Belegung in den kommenden Wochen. Bei größeren Ereignissen wie dem Coswiger Stadtfest oder dem Herbst- und Weinfest in Radebeul würde man zwar auf alles gefasst sein und mit mehr Einsatzkräften planen. Aber, dass man die Einzelzelle oder den benachbarten Gruppengewahrsam für bis zu fünf "Gäste" während der Weinfeste häufiger als sonst nutzen muss, glaubt er nicht.

Dafür reiche zum einen der Blick auf die Statistik. In den vergangenen sechs Monaten wurden 35 Leute in den Zellen untergebracht - Männer und Frauen, Jüngere und Ältere, Einheimische und Auswärtige. Nur neun davon kamen zur Ausnüchterung, manche mehrmals. Sie mussten kurzzeitig weggesperrt werden, weil sie im Rausch eine Gefahr für sich oder für andere dargestellt hätten. "Wie das im jeweiligen Fall ist, schätzen die Beamten vor Ort ein", erklärt Dörner.

Er verweist zudem auf einen weiteren Grund für die geringe Zellennutzung. Denn die Polizei darf nicht wegsperren wie sie will - auch keine Frustrierten im Vollrausch. Mindestens zwei Fälle von Alkoholmissbrauch pro Wochenende gebe es. Doch wer zu viel gebechert hat, muss nicht gleich hinter Gittern landen.

"Ausnüchtern als Selbstzweck gibt es hier nicht", betont Dörner. Der Gang in die Zelle sei "ultima ratio". Der letzte Ausweg also, wenn alles Reden und Mahnen der Beamten vor Ort nicht geholfen hat, wenn Platzverweise ignoriert wurden oder mit Gefahren zu rechnen sei. Erst dann wird man in eine der bewusst schlicht eingerichteten beiden Zellen des Reviers gebracht.

Das Klo ist dort etwa ebenerdig angelegt, damit sich keiner den Kopf einhaut, die Holzliege hat abgerundete Kanten. Eine Gegensprechanlage kann genutzt werden. Ein Beamter schaut alle 30 Minuten nach, ob es Insassen den Umständen entsprechend gut geht. Rastet jemand aus, redet er mit ihm. Hilft nichts mehr, klicken die Handschellen. Verletzt sich jemand trotzdem selbst, kommt er ins Krankenhaus Radebeul.

Dorthin bringt die Polizei Berauschte auch dann, wenn zum Beispiel jemand verletzt aufgefunden wird oder eine Alkoholvergiftung vermutet wird. Eine Statistik dazu führen jedoch weder die Polizei, noch die Elblandkliniken.

Ein Arzt muss zudem in der Regel vor der Inhaftierung prüfen, ob man überhaupt dafür tauglich ist. Geht die Zeit in der Zelle über ein paar Stunden hinaus, muss ein Richter den Arrest abnicken. Wer ein Glas Wasser will, bekommt es. Auch für Essen ist notfalls gesorgt. Für lau ist die Ausnüchterung nicht. "Es gibt Pauschalen", sagt Dörner. Für Transport, Aufenthalt und Verpflegung. Mit 100 Euro könne man rechen. Ein Rückfahrticket ist aber nicht inklusive. Taxi spiele die Polizei nicht. Am 29. Juli wurde die Einzelzelle das letzte Mal genutzt - zur Ausnüchterung.

Vielleicht wird sie aber morgen schon wieder belegt sein. Denn um 15 Uhr tritt Chemie Leipzig im Sachsenliga-Duell beim Radebeuler BC an. Die Polizei stockt dann ihr Personal auf, sie rechnet mit ein paar gewaltbereiten Chemie-Fans. Sollte es zu Verhaftungen kommen und in Coswig reicht der Platz nicht aus, gibt es eine Alternative: Im Radebeuler Standort des Reviers ist eine Zelle eingerichtet. Die Wache sei aber nicht rund um die Uhr besetzt, die Zelle werde daher so gut wie nie zur Ausnüchterung genutzt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.08.2012

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