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Einstige Gaststätte „Waldfrieden“ im Bahretal hat wertvolle Bewohner

Nach Jahren des Leerstandes Einstige Gaststätte „Waldfrieden“ im Bahretal hat wertvolle Bewohner

Seit Mitte der 1990er Jahre steht die einstige Gaststätte „Waldfrieden“ im Bahretal leer. Die Natur hat das Gebäude zurückerobert. Vor allem in den Sommermonaten hat das Haus einen bekannt gewordenen Bewohner – die Kleine Hufeisennase. Als Fledermausquartier soll der ehemalige Gasthof gesichert werden.

Das Land Sachsen hat den ehemaligen Gasthof über seine Landesstiftung für Natur und Umwelt zum langfristigen Schutz des Fledermausquartiers erworben.
 

Quelle: Silvio Kuhnert

Dohma.  Die ehemalige Gaststätte „Waldfrieden“ im Bahretal zwischen Dohma und Friedrichswalde-Ottendorf gibt ein trauriges Bild ab. Graffiti zieren die Außenwände. Fensterscheiben sind eingeschlagen, vor allem am Anbau aus DDR-Zeiten. Um das Objekt herum wuchert Wildwuchs. Seit Mitte der 1990er Jahre steht der einstige Gasthof mit Ferienheim leer. Das sieht man dem Gebäudeensemble auch an. Und dass hier wieder Leben einkehrt, ist bei dem maroden Zustand schwer vorstellbar. Der Gasthof gleicht mehr einem Fall für die Abrissbirne.

Dennoch hat die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt (Lanu) das verwahrloste Objekt erworben. Seit Anfang Februar 2017 ist sie der Eigentümer der ehemaligen Gaststätte „Waldfrieden“, wie aus einer Antwort des sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministers Thomas Schmidt (CDU) auf eine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Wolfram Günther hervorgeht.

An eine Wiederbelebung als Gasthof denkt der Freistaat nicht. Warum er über seine Naturschutzstiftung das Objekt erworben hat, wird am Mittelteil der Gaststätte deutlich. Das Fachwerkgebäude macht noch den besten Eindruck von dem gesamten Komplex. Ein Maschendrahtzaun mit Stacheldraht und ein verschlossenes Eisengittertor halten Unbefugte vom Betreten ab. Warum hier keiner rein soll, zeigt ein Bild an der Hauswand. Dort ist eine Fledermaus zu sehen.

In den Jahren des Leerstands hat die Kleine Hufeisennase vom dem Gasthaus Besitz genommen. „Bei dem Quartier handelt es sich um ein landesweit bedeutsames Wochenstuben- und Winterquartier. Ziel ist es, das Fledermausquartier der Kleinen Hufeisennase in diesem Objekt möglichst langfristig zu sichern“, teilt Minister Schmidt mit. Die Fledermausart ist in Deutschland vom Ausstreben bedroht und steht daher auf der „Roten Liste“. In Sachsen gilt „Rhinolophus hipposideros“, so der wissenschaftliche Name, als „stark gefährdet“. „Der Freistaat beherbergt etwa 40 Prozent des Bestandes der Kleinen Hufeisennase in der Bundesrepublik“, informiert Schmidt. Sachsen habe daher für die Erhaltung der Art deutschlandweit und für die Erhaltung der nördlichen Teile der Population auch EU-weit eine herausgehobene Verantwortung.

Das Quartier der Kleinen Hufeisennase in der ehemaligen Gaststätte „Waldfrieden“ ist laut Schmidt eines von 17 bekannten Wochenstubenquartieren der Art im Freistaat. „Es beherbergt entsprechend der Erfassungsdaten des Jahres 2016 circa fünf Prozent der sächsischen Wochenstubenpopulation an adulten Weibchen und hat Potenzial für einen noch höheren Anteil an der sächsischen Wochenstubenpopulation“, so Schmidt. Der Gesamtbestand in Sommerquartieren beträgt momentan etwa 550 Tiere.

Zum Schutz des Wochenstubenquartiers, wo die Kleine Hufeisennase ihren Nachwuchs aufzieht, hat die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in den vergangenen Jahren unter anderem eine Notabdichtung des Daches vorgenommen, Türen und Fenster verschlossen und den Zaun errichtet, damit niemand die Tierchen stört, in dem er in das Haus eindringt. Die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt wird laut Schmidt das Objekt weiterhin gegen unbefugtes Betreten sichern. Nicht als Quartier benötigte und damit nicht erhaltungswürdige Gebäudeteile, das betrifft vor allem die Anbauten aus DDR-Zeiten, sollen zurückgebaut werden, so der Minister.

Von Silvio Kuhnert

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