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08:32 30.05.2018
Frank Richter Quelle: PR
Meissen

Sein kleines Büro in der Landeszentrale für politische Bildung in einer Villa am Wilden Mann war überladen mit Büchern. Im größeren Büro am Dresdner Neumarkt stapelten sich weniger Bücher. Jetzt sitzt Frank Richter in einem ehemaligen Ladenlokal am Rand der Meißner Innenstadt. Es ist noch nahezu leer. Stühle, Tische, ein Kühlschrank. Die Wände dekoriert mit großformatigen Postkartenmotiven von Meißen.

Richter sitzt in seiner Wahlkampfzentrale. Vom Nicolaisteg 8 aus an der Triebisch startet er seinen Angriff auf das Meißner Rathaus. Der 58-Jährige will Oberbürgermeister werden. Die Bürgerinitiative „Meißen kann mehr“ hat Richter angesprochen und der Theologe hat zugesagt. Nicht sofort. Zwei bis drei Monate habe er mit sich gerungen, bekennt Richter. „Meine Frau hat zugestimmt. Das war mir ganz wichtig.“

"Ich will etwas dazu beitragen, dass Meißen keine AfD-dominierte Stadt wird."

Der 31. Mai ist ein symbolträchtiger Tag für den OB-Kandidaten: Am Abend eröffnet er im ehemaligen Tanz- und Veranstaltungshaus „Aktivist“, von den Meißnern auch liebevoll „Akti“ genannt, seinen Wahlkampf. Es ist gleichzeitig sein letzter Arbeitstag für die Stiftung Frauenkirche in Dresden. „Ich hatte um eine unbezahlte Freistellung für den Wahlkampf gebeten. Die Stiftung hat sich anders entscheiden. Ich muss das sportlich nehmen“, sagt Richter.

Eine Enttäuschung sei schon vorhanden, aber jetzt zähle für ihn nur noch der Blick nach vorne. Im Hinterkopf trage er auch den einen oder anderen Gedanken mit sich, was er tun könne, wenn er nicht gewählt werden sollte. „Aber es gibt objektiv keinen Plan B.“ Eine Reißleine ist nicht eingebaut, Richter will OB werden, ohne Netz und doppelten Boden.

Ist für einen, der in bewegten Zeiten als Moderator und Vermittler landesweit für Furore sorgte, Meißen nicht ein bisschen klein? „Das sehe ich nicht so. Die Stadt hat alles, was man braucht“, meint Richter. Vor allem aber eine gespaltene Stadtgesellschaft – ein Betätigungsfeld für einen Mann des Dialogs. „Das Bundestagswahlergebnis hat mich aufgerüttelt. Die AfD hat noch besser abgeschnitten als im Landesdurchschnitt. Ich will etwas dazu beitragen, dass Meißen keine AfD-dominierte Stadt wird“, nennt er einen Beweggrund, sich elbabwärts von Dresden neu zu orientieren.

Meißen sei die Wiege Sachsens, am 3. Oktober 1990 wurde der Freistaat in Meißen wieder gegründet. „Das 25-jährige Jubiläum aber wurde nicht in Meißen gefeiert“, weiß Richter, genauso wenig wie die Stadt einen „Tag der Sachsen“ oder die Landesgartenschau ausgetragen habe. Das größte Volksfest im Freistaat noch nie am Ort seiner Wiege? Wie die Gartenschau, für die reichlich Fördermittel fließen und mit der sich Stadtentwicklung par excellence vorantreiben lässt.

„Glauben sie mir, von Bildung verstehe ich nun wirklich etwas“

Richter steht auf und zeigt im vorderen Bereich seiner Wahlkampfzentrale auf bunte Zeichnungen, die an die Wand geklebt sind. Ein Projekt von Landschaftsarchitekten, den Stadtteil Triebischtal aufzuwerten und besser vor Hochwasser zu schützen. „Es ist in der Schublade der Verwaltung gelandet.“

Er würde es hervorholen und darüber mit der Bürgerschaft diskutieren, wenn er denn nur könnte, verspricht Richter. Wie könnte Meißen seine Stärken als Bildungsstandort besser vermarkten? „Glauben sie mir, von Bildung verstehe ich nun wirklich etwas“, sagt Richter und verweist auf die Evangelische Akademie, das Landesgymnasium St. Afra und die Verwaltungshochschule des Freistaats Sachsen.

Die Lehrerfortbildung auf Schloss Siebeneichen im herrlichen Park hoch über der Elbe soll 2022 nach Kamenz ziehen. „Ich habe keinen Protest von der Stadtspitze gehört“, sagt Richter. Ute Czeschka von der Bürgerinitiative meint, dass dieser Umzug zeige, wie nötig ein Wechsel an der Rathausspitze sei. „Frank Richter ist mit den Landesbehörden vernetzt. Er hätte frühzeitig von den Plänen erfahren und Widerstand organisieren können.“ An die 10.000 Lehrerinnen und Lehrer kommen jedes Jahr zur Fortbildung nach Siebeneichen. Sie besuchen die Restaurants in der Innenstadt, gehen bummeln, geben Geld aus.

Es ist die Hoffnung auf einen OB, der in der Landesregierung Gehör findet, die die Bürgerinitiative mit Richter verbindet. „Uns fehlt der Blick über den Tellerrand“, meint Czeschka. Die Stadt verfüge über eine intakte Infrastruktur, aber sie habe nicht dieses gewisse Etwas. „Seelenleben“, beschreibt die Inhaberin eines Projektbüros für Marketing und Event, was Meißen brauche. „Wo gibt es in dieser Stadt Visionen?“, fragt sie.

Ein Dreikampf um die Rathausspitze

Bürgerbeteiligung sei ein großes Manko der Stadtspitze unter dem parteilosen OB Olaf Raschke, der 2011 mit Unterstützung der CDU mit 81,1 Prozent wiedergewählt wurde. Auch Richter ist parteilos, im vergangenen Jahr ist er geräuschvoll aus der CDU ausgetreten. Parteipolitik spielt aber auf kommunaler Ebene ohnehin keine Rolle, meinen Czeschka und Richter, in einer Stadt wie Meißen müssten Sachthemen bearbeitet werden.

Ein Dreikampf um die Rathausspitze deutet sich an, wenn die Meißner am 9. September ihr Stadtoberhaupt, neben Raschke und Richter wird wohl auch ein AfD-Bewerber antreten. Die Linken haben Richter ihre Unterstützung schon zugesichert, mit SPD und Grünen laufen Gespräche.

Die Bürgerinitiative selbst ist parteiübergreifend. „Wir haben durchaus Mitglieder von Parteien dabei, auch von der CDU“, sagt Czeschka, „was uns eint ist, dass wir Meißen voranbringen wollen.“ Hier findet sich die maximale Schnittmenge zu Richter. Sieben Jahre ist ein Oberbürgermeister im Amt. „Hier könnte ich meine Person in die Waagschale legen und eine Stadt gestalten“, sagt er. Als letzte Station eines bewegten Berufslebens gewissermaßen.

Wahlkampfauftakt: Donnerstag, 31. Mai, 19 Uhr, „Akti“, Elbgasse 1

Von Thomas Baumann-Hartwig

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