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Umland Eine Mietexplosion wird es nicht geben
Region Umland Eine Mietexplosion wird es nicht geben
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17:19 19.07.2017
Rainer Seifert, Direktor des vdw Sachsen
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Freital

Auf ihrer Sommertour machten Vertreter der Wohnungswirtschaft Station in Freital. Unter ihnen war auch Rainer Seifert, Direktor des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen (vdw). Die DNN sprachen mit ihm über aktuelle Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Frage: Herr Seifert, vor zwei Jahren besuchten Sie während einer wohnungswirtschaftlichen Tour Pirna, am Mittwoch waren Sie in Freital zu Gast. Wie sind Ihre Verbandsmitglieder in beiden Städten im Vergleich zu anderen Wohnungsunternehmen im Freistaat wirtschaftlich aufgestellt? Sind sie für die Zukunft gewappnet?

Rainer Seifert: Unsere Mitgliedsunternehmen in Freital und Pirna – also die Wohnungsgesellschaft Freital, die Freitaler Wohnungsgenossenschaft und die Wohnungsgesellschaft Pirna – sind bestens aufgestellt. Der Leerstand sinkt bzw. bleibt stabil. In vielen anderen sächsischen Kommunen dagegen steigt er wieder. Sowohl in Freital als auch in Pirna haben die Unternehmen viel in Sanierung oder inzwischen sogar Neubau investiert und planen in den kommenden Jahren weiteres entsprechendes Engagement. Damit heben sie sich ebenfalls von vielen anderen Unternehmen im Freistaat ab, die nicht über entsprechendes Potenzial verfügen. Insofern sehen wir sie klar den Aufgaben der Zukunft gewachsen, zumal sie von ihren jeweiligen Stadtverwaltungen entsprechend unterstützt werden.

In Dresden hört man immer wieder von steigenden Mieten, weil die Bevölkerung durch Zuzug wächst. Auch in den Städte Freital, Pirna und Heidenau wächst die Zahl der Einwohner, weil Menschen zum einen aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und zum anderen aus der Landeshauptstadt zuziehen. Wird man bald auch in den drei Städten eine Mietexplosion erleben?

Eine Mietexplosion wird es nicht geben, die sehen wir übrigens auch in Dresden nicht. Garant dafür sind ja gerade unsere Mitglieder, also starke kommunale und genossenschaftliche Unternehmen, die nicht nach Gewinnmaximierung streben. Wir gehen von einem moderaten Anstieg der Mieten in unmittelbarer Nähe der Landeshauptstadt aus.

Ich stellte die vorhergehende Frage auch vor dem Hintergrund steigender Baupreise. Unter anderem plant die WVH in Heidenau große Neubauprojekte. Der barrierefreie und altersgerechte Umbau bestehender Wohnungen ist für die Wohnungsunternehmen in allen drei Städten ein Thema. Diese Wohnungen sind aber für eine Kaltmiete für unter 8,50 Euro den Quadratmeter nicht zu haben. Wie könnte ihrer Meinung nach der Entwicklung steigender Bau- und damit einhergehend höherer Mietpreise entgegengewirkt werden? Muss die Politik überhaupt handeln?

Sie sprechen da ein wichtiges Thema an. Bei den aktuellen Baupreisen lässt sich nach einem Neubau eine Kaltmiete unter 8,50 Euro pro Quadratmetern wirtschaftlich kaum abbilden, also ohne dass das Unternehmen langfristig mit Verlust kalkuliert. Auch der familiengerechte Umbau, etwa neue Fahrstühle oder die Beseitigung von Barrieren ist innerhalb des Bestands häufig sehr aufwendig und dadurch teuer. Die Politik hat hier zwei Möglichkeiten der Unterstützung. Zum einen kann sie den familiengerechten Um- und Neubau finanziell fördern. Es gibt hier zum Teil durchaus schon Bemühungen in die richtige Richtung, aber diese müssen nach unserer Auffassung noch wesentlich stärker ausgebaut und langfristig garantiert werden. Die Wohnungswirtschaft muss über viele Jahre planen, da braucht sie Sicherheit und Verlässlichkeit. Der zweite Punkt ist die Bürokratie, die leider immer mehr zu- statt abnimmt. Wir bezweifeln zum Beispiel, dass die extrem kostentreibenden Vorgaben der Energieeinsparverordnung EnEV zielführend sind. Die erhofften Werte lassen sich nur unter Laborbedingungen erreichen. Unsere Mieter sind aber selbstbestimmende Menschen und das sollen sie auch bleiben.

Im Freistaat und im Landkreis Sächsische Schweiz-Ostergebirge sieht man zwei entgegengesetzte Entwicklungen: der ländliche Raum blutet aus, die Einwohnerschaft in den Metropolregionen wächst; in Dörfern und Kleinstädten stehen Wohnungen leer, im Raum Dresden werden sie dagegen knapp. Wie kann diese Entwicklung gestoppt werden? Was sollte die Politik unternehmen, damit auch das Leben auf dem Lande attraktiv bleibt?

Den Begriff vom „ausbluten“ des ländlichen Raums tragen wir nicht mit, er ist populistisch und steht einer sachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema entgegen. Fakt ist aber, dass die Kommunen etwas tun müssen. Es existieren fast überall die Chancen und die Potenziale, den Trend zu bremsen oder gar umzukehren. Damit das gelingt, sind zum einen die Kommunen selbst gefragt, insbesondere bei der Stadtentwicklung. Es braucht generationenübergreifenden Wohnraum, man darf also nicht ausschließlich auf die ältere Bevölkerung setzen. Baulich ist das kaum ein Unterschied, denn die junge Mutter freut sich ebenso über barrierearme Zugänge. Dazu kommt aus unserer Sicht der hochwertige Neubau auch auf dem Land.

Sie sprechen von Neubau auf dem Lande? Dies widerspricht doch dem Trend, dass Wohnungen wegen Wegzugs leer stehen, oder?

Das ist kein Widerspruch, denn auch Rückbau wird es noch immer geben müssen. Aber um die Menschen zu halten und neue zu gewinnen, muss es attraktive Wohnungsangebote geben. Ein dritter Faktor ist, die Zuwanderung aktiv zu begleiten. Und da reden wir nicht nur von Flüchtlingen, sondern von Zuwanderung bzw. Rückkehr jeglicher Art. Das setzt das Vorhandensein von Arbeitsplätzen voraus. Noch gibt es genug. Wenn aber offene Stellen nicht besetzt werden, verstärkt das den negativen Strudel. Wichtig ist darüber hinaus natürlich auch eine gute soziale Infrastruktur und eine schnelle und häufige Verkehrsanbindung. Hierauf haben die Kommunen nicht immer selbst einen Einfluss, es braucht also die Mitwirkung aller Ebenen. So fordern wir einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung der Kinder in den Kitas und in der Grundschule. Wer das fördert, fördert doppelt sinnvoll, nämlich die Arbeitsplätze weiterer Erzieher und darüber hinaus die Arbeit der Eltern dieser Kinder. Die andere Option ist nicht attraktiv, dann nämlich muss man Transferleistungen zahlen an diejenigen Menschen, die wegen der fehlenden Betreuungsmöglichkeiten ihrer Kinder zumindest teilweise zu Hause bleiben müssen. Wenn es die von uns beschriebene Unterstützung gibt und die Kommunen ihre Hausaufgaben machen, dann gibt es aber eine Chance und eine Perspektive. Wir glauben daran.

Von Silvio Kuhnert

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