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Ein Pirnaer Stadtrat will Schlossschänke verkaufen

Deutschland wohl ältester Biergarten Ein Pirnaer Stadtrat will Schlossschänke verkaufen

Wolfgang Heinrich von den Pirnaer Bürgerinitiativen hat den Verkauf der Schlossschänke beantragt. Die Sommerwirtschaft am Fuße des Schlosses Sonnenstein würde der Stadt nur Verluste einbringen, meint er. Die Verwaltung dagegen möchte den herrlichen Ausblick von dem wohl ältesten Biergarten Deutschlands der Öffentlichkeit erhalten.

Die Fassade trügt, die Innenräume der Schlossschänke am Fuß des Schlosses Sonnenstein in Pirna warten immer noch auf eine grundhafte Sanierung.

Quelle: Silvio Kuhnert

Pirna. Die Schlossschänke in Pirna blickt auf eine lange Geschichte zurück. Ihr Biergarten zählt zu den ältesten in Deutschland. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde zunächst ein hölzernes Schankgebäude errichtet, das zum Verkauf überschüssigen Bieres diente, welches im Schloss Sonnenstein gebraut wurde. Der Holzbau wurde später durch ein Steinhaus ersetzt. Seit 1678 steht die Schlossschänke auf dem Hornwerk und bietet eine fantastische Aussicht auf die Altstadt sowie das Elbtal mit Dresden bis hin zu den Hängen Radebeuls.

Diese Fakten sowie der einmalige Ausblick mag geschichtsbewusste und romantisch gestimmte Herzen erweichen. Derartige Sentimentalitäten sind nicht so das Ding von Stadtrat Wolfgang Heinrich. Der Fraktionschef der Pirnaer Bürgerinitiativen (PBI) ist bekanntlich ein Mann der Zahlen. Er stellt den Antrag, dass die Stadt die Schlossschänke verkaufen soll. Der Rat wird darüber auf seiner nächsten Sitzung entscheiden. „Die Schlossschänke wird für die Erfüllung von Aufgaben der Stadt nicht benötigt, sondern ist ein bedeutender Verlustbringer im Haushalt der Stadt“, nennt Heinrich als Begründung für seine Verkaufsabsichten.

In seinen weiteren Ausführungen rechnet Heinrich vor: „Die Einnahmen aus dem Mietvertrag betragen nur 3000 Euro im Jahr für 2016.“ Von 2012 bis jetzt habe die Stadt an Miete nur 7200 Euro eingenommen. „Dabei wurden allein für die Betreibersuche über 8500 Euro ausgegeben“, stellt Heinrich den bislang erzielten Erlösen gegenüber.

Heinrich ruft auch das ganze Hickhack um den Kauf und die Sanierung in Erinnerung. 2010 erwarb die Stadt die Schänke samt einigen Flächen am Schlossberghang für 516 000 Euro. In einem Gutachten war ein Verkehrswert von rund 300 000 Euro angeführt. Ursprünglich sollte das Gebäude im Zuge der Schlosssanierung mit restauriert und als Gasthaus verpachtet werden. Die Stadt fand trotz mehrerer Umplanungen keinen Betreiber. Das Schloss war schließlich Ende 2011 fertig saniert, die Schänke nicht. Die Sanierungspläne legte die Stadt auf Eis und ließ neben ein paar kleinen Reparaturen die Fassade streichen. Seither wird die Schlossschänke als Sommerwirtschaft vermietet, wobei wie in den Anfangsjahren ein Holzstand für den Ausschank genutzt wird. Im Steingebäude befindet sich mehr oder weniger nur die Toilettenanlage. „Der Kauf des Grundstückes zu einem überhöhten Preis und die danach erfolgten Planungen, die allein weit über 90 000 Euro gekostet haben, zeigen eklatant auf, wie in Pirna mit Steuermitteln umgegangen wird“, schimpft Heinrich.

Die Stadtverwaltung spricht sich gegen einen Verkauf aus. In ihrer Stellungnahme verweist sie darauf, dass die Schänke und das dazugehörende Grundstück unmittelbar mit Schloss und Bastionen verwoben sind. Durch den Erwerb wurde die Sanierung des Schlossberghanges und der Terrassengärten erst möglich gemacht. Der Kauf erfolgte mit Hilfe einer 80-prozentigen Förderung. Daraus ergibt sich eine Zweckbindung für eine öffentliche Nutzung von 15 Jahren. Aus Sicht der Stadtverwaltung geht diese „Pflicht“ jedoch über diese Frist weit hinaus. Schloss, Schlossberghang mit den Terrasse samt Ausblick müsste „auch zukünftigen Generationen von Pirnaern und Besuchern uneingeschränkt zugängig sein“, heißt es.

Von Silvio Kuhnert

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