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Umland Dr. Boris Böhm erzählt von den Bastionen auf dem Sonnenstein
Region Umland Dr. Boris Böhm erzählt von den Bastionen auf dem Sonnenstein
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11:00 21.04.2016
Dr. Boris Böhm hält das neueste Heft der Schriftenreihe „Pirnaer Miniaturen“ in der Hand. Quelle: Silvio Kuhnert

In der Schriftenreihe „Pirnaer Miniaturen ist das sechste Heft erschienen. Dieses ist den Bastionen auf dem Sonnenstein gewidmet. Was den Autor und Herausgeber, Dr. Boris Böhm, an den Festungswerken fasziniert, berichtet er im DNN-Interview.

Frage: Herr Dr. Böhm, Sie haben das sechste Heft der „Pirnaer Miniaturen“ herausgebracht. Thema sind die Bastionen der Festung Sonnenstein. Was fasziniert Sie an dem Bauwerk?

Dr. Boris Böhm: Die Bastionen sind ein Komplex von drei Festungswerken, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstanden sind. Sie haben ein stolzes Alter erreicht und diese Zeit trotz mancher Widrigkeit bis heute in einem relativ guten Bauzustand überstanden. Über ein Jahrhundert thronte das Bauwerk fast ungenutzt über der Stadt. Und jetzt gibt es das Faszinosum, dass es in den Sommermonaten eine intensive kulturelle Nutzung erfährt. Heutzutage fasziniert die Dimension dieser Werke, die im Durchschnitt 20 Meter hoch sind und sehr markant die Stadtsilhouette von Pirna mit prägen. Bemerkenswert ist auch, dass sich durch den langjährigen Leerstand ganz neue Bastionsbewohner – verschiedene Fledermausarten – eingenistet haben, was die touristisch-kulturelle Nutzung zwar einschränkt, aber den Ort doch zu etwas Besonderem macht. Dies waren für mich einige Gründe, den Bastionen ein eigenes Heftchen in der Schriftenreihe zu widmen.

Gibt es denn so viel „Stoff“ zu den Bastionen, dass man über 60 Seiten füllen kann?

Der Stoff liegt quasi in der Geschichte. So wurden die Bastionen einst aus militärstrategischen Gründen errichtet. Die militärische Nutzung dauerte allerdings nur ein reichliches Jahrhundert an. Und Kanonenschüsse fielen weniger bei Kämpfen, als viel mehr zur Huldigung der neuen Herrscher. Eine intensive militärische Auseinandersetzung gab es nur zweimal um die Werke, 1758 und 1813.

Wenn die Zeit der militärischen Nutzung und Bedeutung doch recht überschaubar ist. Warum wurden die Bastionen einst gebaut?

Die Sonnensteiner Festungsbastionen entstanden aus militärstrategischen Überlegungen und Reaktionen in der Regierungszeit des sächsischen Kurfürsten Johann Georg II., der Kursachsen von 1656 bis 1680 regierte. Während seiner Herrschaft verschlechterte sich das traditionell gute Verhältnis zwischen den Wettinern und den Habsburgern. Aber auch die das Habsburgerreich bedrohende Gefahr durch die Türken spielte eine große Rolle, das Grenzgebiet nach Böhmen und den an einer wichtigen Fernverbindung liegenden besonders bedeutsamen Sonnenstein wehrhafter zu gestalten. Die Errichtung der Werke begann 1668 und nach neunjähriger Bauzeit wurde das Projekt im Jahre 1676 vollendet. Der Sonnenstein war damals eine der modernsten Festungen in Mitteldeutschland.

Und die Bastionen waren nur rund 100 Jahre im militärischen Gebrauch.

1764 wurde die Festung außer Dienst gestellt und diente nur noch als Alterswohnsitz von Soldaten- und Offiziersfamilien. Interessanterweise wurde sie 1813 – zu einem Zeitpunkt, als die gesamte Anlage militärisch veraltet war - noch einmal auf Anordnung Napoleons in Funktion genommen. Die französische Besatzung konnte während der Kämpfe in unserer Region nicht geschlagen werden, obwohl die Festung mit ihren Bastionen nicht mehr dem Stand der Zeit entsprach.

Und wie ging es nach der Militärzeit weiter?

Nach der Festungszeit wurden die Bastionen zunächst einmal als Lager und Depot durch die Stadt Pirna genutzt. Den einstigen Zwinger eroberten sich Pirnaer Bürger und legten Gärten an. Diese wurden aber 1813 während der nochmaligen militärischen Nutzung zerstört. In der anschließenden Zeit der Heil- und Pflegeanstalt wurden die Bastionen kaum genutzt. Das Hohe Werk ist zu einer Anstaltskirche umfunktioniert worden. Dies war schon etwas Einmaliges. Rund 100 Jahre fanden dort Gottesdienste statt. Die Kirche wurde durch den Aussichtspavillon ersetzt, den es wiederum bereits 100 Jahre gibt und der jetzt als Lesesaal des Kreis- und Stadtarchivs dient. In den Werken passierte rund zwei Jahrhunderte fast nichts. Aber auf dem Hornwerk hat sich mit der Schloßschänke ein erfolgreiches Ausflugslokal etabliert. Die erste Pirnaer Freiluftgaststätte fand in den Sommermonaten regen Zuspruch bei den Einwohnern der Stadt.

Es ist nun das sechste Heft der Schriftenreihe „Pirnaer Miniaturen“ erschienen. Und zum sechsten Mal liegt der Fokus auf dem Sonnenstein. Wird es eine Fortsetzung über diesen Stadtteil geben?

Sicherlich wird es immer wieder Themen über den Sonnenstein geben, die man in den Mittelpunkt stellen kann. Die Schriftenreihe heißt aber „Pirnaer Miniaturen“ und nicht „Sonnensteiner Miniaturen“. Deshalb möchte ich den Fokus nun auf andere Stadtteile richten. Die nächsten beiden Hefte werden sich den Ortsteilen Copitz und Posta widmen.

Von SIlvio Kuhnert

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