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Dirk Großer mit politischen Werken in der Fronfeste Pirna

Dirk Großer mit politischen Werken in der Fronfeste Pirna

Wer in diesen Tagen der Stadtgalerie in der Fronfeste einen Besuch abstattet, dem könnte sich die Frage aufdrängen: Ja, ist denn schon wieder Wahl? Seit Anfang Juli hat sich in den geduckten Räumen des ehemaligen Gefängnisses, in dem zu Zeiten des Nationalsozialismus Dissidenten inhaftiert wurden, der Dresdner Künstler Dirk Großer mit einer kleinen, aber umso eigenwilligeren Ausstellung eingerichtet.

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Dirk Großer: Sprengstoffentschärfung, Collage, Leuchtobjekt.Repro: PR

Pirna. Pirna. Wer in diesen Tagen der Stadtgalerie in der Fronfeste einen Besuch abstattet, dem könnte sich die Frage aufdrängen: Ja, ist denn schon wieder Wahl? Seit Anfang Juli hat sich in den geduckten Räumen des ehemaligen Gefängnisses, in dem zu Zeiten des Nationalsozialismus Dissidenten inhaftiert wurden, der Dresdner Künstler Dirk Großer mit einer kleinen, aber umso eigenwilligeren Ausstellung eingerichtet.

Politisch geht es in "Portfolio" - so der Titel - zu. Auch wenn Großer - Jahrgang 1970 - darauf besteht, dass ihm das Geschichtenerzählen näher sei als die bloße politische Parole. Davon allerdings gibt es in der Fronfeste viele. Von kleinen Fähnchen springen sie den Besucher förmlich an. Es sind Originalwahlplakate vom letzten Bundestagswahlkampf 2009. Katja Kipping von den Linken strahlt hier neben Christdemokrat Arnold Vaatz ebenso wie Neonazi Holger Apfel zuversichtsschwanger vom Papier. Großer hat sie seinerzeit von Laternenmasten abfotografiert und auf Fähnchengröße zurechtgestutzt. Mittels Schaschlikspießen wurden sie dann zu Laminat gebracht. Dort glänzen sie als Fähnchenwald auf einer Bühne, die in ihrem Grundriss dem einer verwinkelten Berliner Wohnküche nachempfunden ist.

"Parolen sind die Groteske einer jeden politischen Handlung", erklärt Dirk Großer seine Intention, die oft hochtrabenden Versprechungen der Politiker auf eine "reale Dimension" zu bringen. In besagter Küche habe er oft mit Freunden gesessen und diskutiert. Das Kunstobjekt sei Sinnbild der Küche als Raum für Begegnungen und Gespräche - unter anderem über Politik.

Künstlerisch lässt sich Dirk Großer, der an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studierte, nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen. Und so steht in der Fronfeste die Leucht- neben der Videoinstallation, Objektkunst neben Schriftbildern und figürlichen Ölgemälden. "Natürlich nehmen alle Exponate irgendwie aufeinander Bezug", so Großer. "Doch ich möchte dem Betrachter auch Raum für eigene Assoziationen lassen." Gelegenheit dazu bieten vor allem die Schriftbilder und -objekte, die der Künstler mal farbenprächtig mit Öl auf Leinwand, mal fast schon plastisch als übergroßes Poem in erhabenen Lettern in ein Rednerpult integriert hat.

2002 und 2003 reiste Großer in das von palästinensischen Aufständen gebeutelte Israel. Die Eindrücke von Terror, Flucht und politischer Krise flossen unübersehbar in die aktuell zu besichtigende Arbeit ein. So finden sich unter den Exponaten auch vier Wahlplakate aus Israel. Sie zeigen damalige Politiker der vier großen israelischen Parteien, darunter Ariel Sharon. Großer bearbeitete die Drucke zunächst mit Tusche und brachte anschließend durch Schleifprozeduren sphärische Muster auf. Die Werke sollen Symbol für Vergänglichkeit und Provokation gleichermaßen sein, so der Künstler.

An anderer Stelle empfindet eine Leuchtinstallation eine Sprengstoffentschärfung in Israel nach. Großer brachte dazu Fotos davon mit weiteren in einer Collage zusammen, die die Rolltreppe des Dresdner Karstadt zeigen. In einem 57-minütigen Video lässt er zudem die israelische Journalistin Ayelet Fishbaum über Zeichen gesellschaftlicher Konformität reden, passend zu einer eigenen Installation aus Kartons, die Großer im Stile von Achtungssignalen in schwarz-gelber Streifenoptik bemalt hat.

"Portfolio" von Dirk Großer ist noch bis 31.8. in der Fronfeste, Schmiedestraße 8, zu sehen. Geöffnet: Mo-Fr. 13-18 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.07.2012

Jane Jannke

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