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Umland Dino-Knochen oder Wildschwein-Kiefer – was Waldpädagogen Kindern vermitteln
Region Umland Dino-Knochen oder Wildschwein-Kiefer – was Waldpädagogen Kindern vermitteln
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20:26 09.10.2016
Katja Kaupisch versteht es, die Kinder in ihren Bann zu ziehen. Quelle: Bernd Lichtenberger
Großharthau

Hochnebel liegt an diesem Vormittag über der Massenei. Doch es soll trocken bleiben, haben die Meteorologen versprochen. Ideales Wetter also für einen Waldbesuch. Allerdings will die 4. Klasse der Grundschule Großharthau nicht nur die frische Waldluft genießen, sie ist zum Lernen an das Waldhaus am Kleinen Stern gekommen. Genauer gesagt, Waldpädagogin Katja Kaupisch will die Viertklässler mit einigen Tieren des Waldes bekannt machen.

„Aber wir werden keine sehen“, ist sie überzeugt. Denn dazu müssten Max, Patrik, Tabea und die anderen mucksmäuschenstill durch den Wald ziehen. Und das ist mit ihnen nicht zu machen. Dafür ist diese Klasse viel zu lebhaft, weiß Klassenleiterin Christel Mühle. Katja Kaupisch bringt das nicht aus der Fassung. Sie ist bestens vorbereitet und hat für ihren Waldunterricht kleine Tierattrappen versteckt. Doch bevor sie die Klasse in Gruppen aufteilt, die sich dann mit den Wesensarten von Buntspecht, Eichhörnchen, Reh, Fuchs und Wildschwein vertraut machen, lädt sie die Kinder zu einer Spurensuche ein, bei der dann doch ein Tier entdeckt wird. „Wir haben einen Frosch!“ rufen Anton und Timon begeistert. „Und was für ein Frosch ist es?“, fragt die Waldpädagogin. „Ein Laubfrosch!“, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. „Nein, es ist ein Grasfrosch, obwohl er braun wie das Herbstlaub aussieht“, korrigiert sie. Dafür sehe aber der Laubfrosch grasgrün aus. Kaum ist das geklärt, ruft sie ein paar Meter weiter die Kinder erneut zusammen. Auf dem Waldboden liegt der Kieferknochen eines Tieres. Nein, von einem Dinosaurier stammt er nicht, wie ein paar Schüler gleich lautstark vermuten. Es ist der Kieferknochen eines Wildschweins, erläutert Katja Kaupisch.

Die drei Schulstunden im Wald vergehen wie im Fluge. „Und sie fügen sich wunderbar in den Sachkunde-Unterricht ein“, freut sich die Klassenlehrerin. Außerdem habe es Spaß gemacht, ist sie sich mit den drei Müttern einig, die sie zur Unterstützung mitgebracht hat. Ob Max und seine Mitschüler sich gemerkt haben, dass man die Füchsin Fähe und das männliche Wildschwein nicht Eber, sondern Keiler nennt, wird sich bei der Kontrollarbeit zeigen, die in den nächsten Tagen auf die Viertklässler zukommt. Katja Kaupisch hat das Wissen über die Tiere auf jeden Fall sehr anschaulich und einprägsam vermittelt. Die Kinder haben sich mit Hammer und Nagel eine Vorstellung von der Arbeit des Spechtes verschafft, haben wie die Eichhörnchen Haselnüsse erst versteckt und dann wieder gesucht, haben ausprobiert, ob sie so gut wie ein Fuchs hören können und ausgerechnet, dass mindestens drei von ihnen zusammen auf eine Waage klettern müssten, um so viel wie ein ausgewachsenes Wildschwein zu wiegen.

„Das alles habt ihr supertoll gemacht“, verabschiedet sich die Waldpädagogin von den Schülern. Auch ihr hat der Vormittag Spaß gemacht. „Es ist eine schöne Arbeit“, sagt die diplomierte Geografin, die sich schon kurz nach ihrem Studium der Umweltbildung zugewandt hat und das seit ihrem Umzug von Greifswald nach Dresden im Jahre 2011 freiberuflich tut. Heute als zertifizierte Waldpädaogin. Denn 2013 hatte sie einen anderthalbjähriger Kurs, organisiert vom Staatsbetrieb Sachsenforst und der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, begonnen. „Es war eine sehr schöne Ausbildung, halb drinnen, halb draußen“, urteilt Katja Kaupisch. Dabei sei die damit verbundene Vernetzung das größte Plus gewesen. Revierförster, Waldarbeiter, Pädagogen – jeder habe von jedem etwas gelernt. Dass daneben das autodidaktische Weiterlernen unerlässlich ist, ist für sie selbstverständlich. „Und man muss Kinder mögen“, setzt die zweifache Mutter noch schnell hinzu.

77 zertifizierte Waldpädagogen wurden seit 2011 in Sachsen ausgebildet. Doch der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in diesem Bereich bleibt weiterhin hoch. Deshalb sitzen inzwischen erneut 23 Frauen und Männer auf der Schulbank, um sich zum Waldpädagogen zu qualifizieren. Unter ihnen Sozialpädagogen, Forstingenieure und eine Bankkauffrau. Am 8. September begann der inzwischen sechste Lehrgang dieser Art.

„Nur wenn wir schon früh damit beginnen, Zusammenhänge zu vermitteln und den Wert des eigenen Engagements hervorzuheben, finden nachhaltiges Denken und Handeln einen Weg in alle Bereiche unserer Gesellschaft“, betont Dietmar Kammerschen, Stiftungsdirektor der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt. Besonders gut gelinge dies über die Arbeit mit Kindern in der Waldpädagogik. „Gerade wir Förster sind stolz auf die mehr als 300-jährige Geschichte der forstlichen Nachhaltigkeit in Deutschland. Mit der Waldpädagogik können wir diesen wertvollen Gedanken in die Breite der Gesellschaft tragen“, unterstreicht Landesforstpräsident Prof. Dr. Hubert Braun die Bedeutung dieses Konzeptes.

Viele der Absolventen arbeiten im Anschluss als freiberufliche Wald- und Umweltpädagogen, andere widmen sich der Umweltbildung in der sächsischen Forstverwaltung. Partner der Waldpädagogen sind häufig Schulen, gemeinnützige Vereine oder Kindertagesstätten mit „Waldgruppen“.

Bei der Umsetzung der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ im Freistaat bleibt die Waldpädagogik aber nicht die einzige Säule. „Ich freue mich, das wir parallel zu dieser Ausbildung auch ein Zertifikat als Natur- und Landschaftsführer, erworben für die eigene Region, anbieten können“, so Dietmar Kammerschen. „Zusätzlich zur Umweltbildung können wir somit im Bereich Tourismus regionale, zielgruppenorientierte Angebote unterbreiten“. Auch dieses Zertifikat hat Katja Kaupisch inzwischen erworben. Und zwar für das Biospärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.

Von Bernd Lichtenberger

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