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Dienstältester Landstallmeister Deutschlands geht in den Ruhestand

Matthias Görbert – Leiter des Landgestüts Moritzburg Dienstältester Landstallmeister Deutschlands geht in den Ruhestand

Auf dem Landgestüt Moritzburg geht eine Ära zu Ende. Über drei Jahrzehnte leitete Matthias Görbert die Geschicke des Gestüts. Jetzt geht der dienstälteste Landstallmeister Deutschlands in den Ruhestand.

Dr. Matthias Görbert mit Quando Unico, Prämienhengst bei der hannoverschen Körung 2016. Das Spitzendressurpferd ist im gemeinsamen Besitz der Sächsischen Gestütsverwaltung und dem Gestüt Sprehe.

Quelle: Peter Tendler

Moritzburg. Noch bis diesen Monat ist Matthias Görbert im Dient – eigentlich. Denn die restlichen Wochen bis zum Tag seines tatsächlichen Ausscheidens aus dem Landgestüt Moritzburg hat er Urlaub. Diesen verbringt er nicht etwa im sonnigen Süden, sondern nutzt ihn für seinen Umzug aus der Dienstwohnung im Landgestüt nach Dresden. „Wir haben eine schöne Wohnung in einem Zweifamilienhaus am Rande der Dresdner Heide gefunden“, erzählt er. Der räumliche Abstand zu seiner Wirkungsstätte, die mehr als drei Jahrzehnte sein Leben bestimmte, sei dabei durchaus gewollt. „Ich werde aber sicher ab und zu in Moritzburg zu Besuch sein“, betont er.

Schließlich war die Leidenschaft für Pferde der Grund, warum es den gebürtigen Altenburger nach Sachsen verschlug. Den ersten Kontakt zum Moritzburger Gestüt hatte er durch Friedrich Günther, der damals in der Deckstation in Penig arbeitete. Durch ihn lernte er auch die damalige Gestütsleiterin Dr. Hertha Steiner kennen. „Das war 1971 in Budapest zur Weltausstellung. Die Präsentation der internationalen Vierergespanne fand bei schönstem Herbstwetter statt und war ein Hochgenuss. So herrlich könnte das Leben sein, dachte ich“, erinnert er sich.

Unumstößlich stand für Matthias Görbert fest: „Ich bewerbe mich im Gestüt.“ Umso größer war seine Freude über die Zusage, von Mai 1973 bis zu Beginn seines Studiums als Gestütswärter zu arbeiten. „Die Pferde, die herrliche Landschaft und die Vorbereitung auf die Hengstparade – es war mit die schönste Zeit meines Lebens“, schätzt er rückblickend ein. Das Studium der Tierproduktion in Leipzig war es definitiv nicht. „Ich wollte hinschmeißen“, so Matthias Görbert. „Dr. Steiner hat mich motiviert, wenigstens das erste Jahr zu absolvieren. Den Rest habe ich im Fernstudium neben meiner Arbeit in der Zuchtleitung in Dresden geschafft. Fünf Jahre vor ihrem Ausscheiden bedrängte mich Dr. Steiner, ich solle ihr Nachfolger werden.“ Ihr Argument überzeugte, dass sich andernfalls jemand in Berlin dazu bereit erkläre. Doch ihre nächste Forderung ließ nicht lange auf sich warten: Matthias Görbert sollte promovieren. Auch dazu sagte er ja: „Mein Fazit heute: Ich habe die beste Ausbildung genossen.“

Das Ausscheiden aus dem Beruf, den er eher als Berufung verstand, ist Dr. Matthias Görbert nicht leicht gefallen. Dennoch hat er lange daraufhin gearbeitet, zweieinhalb Jahre. Während dieser Zeit hat er seine Nachfolgerin Dr. Kati Schöpke, die während dieser Zeit auch eine Babypause einlegte, intensiv eingearbeitet. Als Matthias Görbert 1985 die Leitung des Gestüts übernahm, war das ein Sprung ins kalte Wasser. Das wollte er der jungen Frau ersparen. Nicht zuletzt war es für ihn auch eine Herzensangelegenheit. Ein Wechsel in der Leitung des Gestüts, das sich unter seiner Leitung zu einem modernen und leistungsfähigen Dienstleistungsunternehmen der Landespferdezucht entwickelt hat, sollte so reibungslos wie möglich vonstatten gehen. „Ich habe Kati Schöpke während ihrer Assistenzzeit in alle Entscheidungen einbezogen, ja sogar meine Gedanken mit ihr geteilt und sie so gut wie möglich auf ihre Arbeit vorbereitet“, versichert er. Und so hat er sich aus der Revision der Hengste, die immer nach den Paraden ansteht, ganz bewusst raus gehalten: „Sie muss selbst entscheiden, welche Hengste im Bestand bleiben und welche gehen werden. Das ist ihr Entscheidung, ihre Verantwortung!“

Von der hohen Qualität der Moritzburger Hengste zeugen bedeutende turniersportliche Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene, wie der Weltmeistertitel der jungen Fahrpferde im vergangenen Jahr von dem Schweren Warmbluthengst Valenzio an den Leinen von Obersattelmeister Dirk Hofmann oder aber der dritte Platz zum diesjährigen Bundeschampionat der vierjährigen Reitpferdehengste von Freiherr von Stein unter Gestütshauptwärter Kay Pawloska. Ein besonderer Höhepunkt war auch 1988 der Verkauf von 14 Rappen an das englische Königshaus, ein Jahr vor der politischen Wende.

„Was wird nun? Das war damals unsere größte Sorge“, erinnert sich Matthias Görbert. „Wir haben uns eingehend darüber informiert, was es im Westen gab und was auch für uns möglich ist. Immerhin gab es dort Haupt- und Landgestüte.“ Das machte Hoffnung. Und so ignorierte er seine Abberufungsurkunde und stellte sich in einer geheimen Abstimmung seinen Mitarbeitern. „Mir wurde das Vertrauen ausgesprochen und ich wurde ganz demokratisch zum Direktor gewählt.“ Besonders stolz ist er darauf, sagen zu können, dass alle nicht einen Tag gearbeitet haben ohne Lohn zu bekommen. Zu verdanken ist das auch dem damals spektakulären Verkauf des Springpferdes Safran, der zum internationalen Weltcupfinale 1990 in Dortmund für Aufsehen sorgte, und einem Überbrückungskredit von der Treuhand.

„Nun war der Freistaat unser Ansprechpartner und wir hofften als eines von 110 Volksgütern in Sachsen auf Übernahme“, so Görbert. Spannend wurde es im Sommer 1991, als der damalige Finanzminister Georg Milbradt mit Landwirtschaftsminister Rolf Jähnichen und einer Expertengruppe aus dem Finanzministerium das Gestüt aufsuchten. „Die Anspannung während der Präsentation war kaum zu überbieten“, beschreibt er die Situation. „Beim anschließenden Arbeitsessen hat mich Milbradt regelrecht ‚examiniert‘. Tief beeindruckt hat mich dabei sein Detail- und Fachwissen.“ Als ich ihn fragte, warum er bei der Vorstellung keine Miene verzogen habe, antwortete er: „Weil wir das alles bezahlen müssen.“ Erst im Jahr darauf war klar, dass sowohl das Gestüt in Moritzburg als auch das in Graditz vom Freistaat übernommen werden.

Geld floss sowohl in den Hengstbestand als auch in verschiedene Baumaßnahmen. Von 1993 bis jetzt wurde und wird im Gestüt gebaut, allein sechs Jahre nahm die Sanierung des historischen Ensembles an der Schlossallee in Anspruch. „Das Schöne ist, dass die Baumaßnahmen uns immer wieder beflügelt haben“, freut sich Matthias Görbert.

Schließlich war die Leidenschaft für Pferde der Grund, warum es den gebürtigen Altenburger nach Sachsen verschlug. Den ersten Kontakt zum Moritzburger Gestüt hatte er durch Friedrich Günther, der damals in der Deckstation in Penig arbeitete. „Mein Wunsch, in Moritzburg zu arbeiten wurde immer größer.“ Durch ihn lernte er auch die damalige Gestütsleiterin Dr. Hertha Steiner kennen. „Das war 1971 in Budapest zur Weltausstellung. Die Präsentation der internationalen Vierergespanne fand bei schönstem Herbstwetter statt und war ein Hochgenuss. So herrlich könnte das Leben sein, dachte ich.“

Unumstößlich stand für Matthias Görbert fest: Ich bewerbe mich im Gestüt. Umso größer war seine Freude über die Zusage, von Mai 1973 bis zu Beginn seines Studiums als Gestütswärter zu arbeiten. „Die Pferde, die herrliche Landschaft und die Vorbereitung auf die Hengstparade – es war mit die schönste Zeit meines Lebens“, schätzt er rückblickend ein. Das Studium der Tierproduktion in Leipzig war es definitiv nicht. „Ich wollte hinschmeißen“, so Matthias Görbert. „Dr. Steiner hat mich motiviert, wenigstens das erste Jahr zu absolvieren. Den Rest habe ich im Fernstudium neben meiner Arbeit in der Zuchtleitung in Dresden geschafft. Fünf Jahre vor ihrem Ausscheiden bedrängte mich Dr. Steiner, ich solle ihr Nachfolger werden.“ Ihr Argument war, dass sich andernfalls jemand in Berlin dazu bereit erkläre, überzeugte. Doch ihre nächste Forderung ließ nicht lange auf sich warten: Matthias Görbert sollte promovieren. Auch dazu sagte er ja. „Mein Fazit heute: Ich habe die beste Ausbildung genossen.“

Das Ausscheiden aus dem Beruf, den er eher als Berufung verstand, ist Dr. Matthias Görbert nicht leicht gefallen. Dennoch hat er lange daraufhin gearbeitet, zweieinhalb Jahre. Während dieser Zeit hat er seine Nachfolgerin Dr. Kati Schöpke, die während dieser Zeit auch eine Babypause einlegte, intensiv eingearbeitet. Als Matthias Görbert 1985 die Leitung des Gestüts übernahm, war das ein Sprung ins kalte Wasser. Das wollte er der jungen Frau ersparen. Nicht zuletzt war es für ihn auch eine Herzensangelegenheit. Ein Wechsel in der Leitung des Gestüts, das sich unter seiner Leitung zu einem modernen und leistungsfähigen Dienstleistungsunternehmen der Landespferdezucht entwickelt hat, sollte so reibungslos wie möglich von statten gehen. „Ich habe Kati Schöpke während ihrer Assistenzzeit in alle Entscheidungen einbezogen, ja sogar meine Gedanken mit ihr geteilt und sie so gut wie möglich auf ihre Arbeit vorbereitet“, versichert er. Und so hat er sich aus der Revision der Hengste, die immer nach den Paraden ansteht, ganz bewusst raus gehalten: „Sie muss selbst entscheiden, welche Hengste im Bestand bleiben und welche gehen werden. Ihre Entscheidung, ihre Verantwortung.“ Von der hohen Qualität der Moritzburger Hengste zeugen bedeutende turniersportliche Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene, wie der Weltmeistertitel der jungen Fahrpferde im vergangenen Jahr von dem Schweren Warmbluthengst Valenzio an den Leinen von Obersattelmeister Dirk Hofmann oder aber der dritte Platz zum diesjährigen Bundeschampionat der vierjährigen Reitpferdehengste von Freiherr von Stein unter Gestütshauptwärter Kay Pawloska. Ein besonderer Höhepunkt war auch 1988 der Verkauf von 14 Rappen an das englische Königshaus, ein Jahr vor der politischen Wende.

„Was wird nun, war damals unsere größte Sorge“, erinnert sich Matthias Görbert. „Wir haben uns eingehend darüber informiert, was es im Westen gab und was auch für uns möglich ist. Immerhin gab es dort Haupt- und Landgestüte.“ Das machte Hoffnung. Und so ignorierte er seine Abberufungsurkunde und stellte sich in einer geheimen Abstimmung seinen Mitarbeitern. „Mir wurde das Vertrauen ausgesprochen und ich wurde ganz demokratisch zum Direktor gewählt.“ Besonders stolz ist er darauf sagen zu können, dass alle nicht einen Tag gearbeitet haben ohne Lohn zu bekommen. Zu verdanken ist das auch dem damals spektakulären Verkauf des Springpferdes Safran, der zum internationalen Weltcupfinale 1990 in Dortmund für Aufsehen sorgte, und einem Überbrückungskredit von der Treuhand.

„Nun war der Freistaat unser Ansprechpartner und wir hofften als eines von 110 Volksgütern in Sachsen auf Übernahme“, so Matthias Görbert. Spannend wurde es im Sommer 1991, als Finanzminister Milbradt mit Landwirtschaftsminister Jähnichen und einer Expertengruppe aus dem Finanzministerium das Gestüt aufsuchten. „Die Anspannung während der Präsentation war kaum zu überbieten“, beschreibt er die Situation. „Beim anschließenden Arbeitsessen hat mich Milbradt regelrecht ‚examiniert‘. Tief beeindruckt hat mich dabei sein Detail- und Fachwissen.“ Als ich ihn fragte, warum er bei der Vorstellung keine Miene verzogen habe, antwortete er: „Weil wir das alles bezahlen müssen.“ Erst im Jahr darauf war klar, dass sowohl das Gestüt in Moritzburg als auch das in Graditz vom Freistaat übernommen werden.

Geld floss sowohl in den Hengstbestand als auch in verschiedene Baumaßnahmen. Von 1993 bis heute wurde und wird im Gestüt gebaut, allein sechs Jahre nahm die Sanierung des historischen Ensembles an der Schlossallee in Anspruch. „Das Schöne ist, dass die Baumaßnahmen uns immer wieder beflügelt haben“, freut sich Matthias Görbert.

Von Hannelore Schuster

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