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Die tierischen Experten von der Diensthundeschule Naustadt

Besuch bei der Sächsischen Bereitschaftspolizei Die tierischen Experten von der Diensthundeschule Naustadt

Hoch spezialisierte Vierbeiner werden immer dann zum Einsatz gerufen, wenn Polizeibeamte mit ihren fünf Sinnen nicht mehr weiter kommen. Vermisste Personen, erloschene Brandherde und Leichen aufspüren gehören unter anderem zu den Aufgaben der Polizeihunde. In Naustadt werden sie ausgebildet.

Jährlich werden über 100 Diensthunde in Naustadt ausgebildet.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden, .  Vier Beine flitzen schnell und wild über das Gelände eines Werkshofes. Immer wieder bleiben die Gliedmaßen stehen, dann fährt eine feuchte Nase über den Boden. Plötzlich Schockstarre: Felina deutet mit der Schnauze auf einen Stein, ihr Körper friert dabei förmlich ein. Die Brandmittelspürhündin, von ihrer Hundeführerin auch liebevoll „Fee“ genannt, hat angeschlagen – und das trotz Minusgraden. Mehr als 24 Stunden zuvor hatte ein Hundeausbilder wenige Tropfen eines Brandmittelbeschleuniger an jener Stelle platziert.

Brandmittelspürhundin Felina wird von ihrer Hundefürherin auch liebevoll „Fee“ genannt. Obwohl sie nach sieben Dienstjahren kurz vor der Rente steht, nimmt sie hier gerade Fährte wie noch am ersten Tag auf.

Brandmittelspürhundin Felina wird von ihrer Hundefürherin auch liebevoll „Fee“ genannt. Obwohl sie nach sieben Dienstjahren kurz vor der Rente steht, nimmt sie hier gerade Fährte wie noch am ersten Tag auf.

Quelle: Anja Schneider

Obwohl sie nach mehr als sieben Dienstjahren kurz vor der „Rente“ steht, gehört die klein gewachsene Schäferhündin Fee noch zu den besten Brandmittelspürhunden. „Unsere Ausbildung hier kann man schon als Maß der Dinge bezeichnen“, sagt Steffen Lohs, Leiter der Diensthundeschule in Naustadt bei Klipphausen. Er ist verantwortlich für den Einsatz und die Ausbildung von „Fee“ und derzeit neun weiteren Polizeihunden samt ihrer Hundeführer, die der Hundestaffel der Sächsischen Bereitschaftspolizei angehören.

Die hoch spezialisierten Vierbeiner werden immer dann zum Einsatz gerufen, wenn Polizeibeamte mit ihren fünf Sinnen nicht mehr weiter kommen. Vermisste Personen, erloschene Brandherde und Leichen aufspüren gehört genauso zu den Aufgaben der Hunde wie das Finden von Drogen und Sprengstoff. Sechs Hundeführer arbeiten in Naustadt und betreuen jeweils zwei Diensthunde. Durchschnittlich zehn mal pro Monat werden sie zum Einsatz gerufen, sachsenweit.

Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier geht in der Hundestaffel der Polizei weit über das Dienstliche hinaus. Vom ersten Tag der Ausbildung beschreiten sie einen gemeinsamen Weg, auch nach Feierabend ist der Beamte für seinen Hund zuständig. Soll ein neuer Polizeihund ausgebildet werden, sucht der Hundeführer gemeinsam mit Steffen Lohs bei bekannten Züchtern oder im Internet geeignete Tiere im Alter ab zehn Monaten und unterziehen sie einem Test.

„Die Tiere benötigen einen sehr hohen Spieltrieb, müssen problemlos über Gitter und Metalltreppen laufen und sollten sehr unanfällig für laute und plötzliche Geräusche sein“, so Steffen Lohs. Die Bevorzugung von bestimmten Hunderassen für bestimmte Aufgaben hält er dagegen für wenig sinnvoll. „Wir vertreten da eine ganz klare Linie. Es kommt nicht auf die Rasse, sondern auf die Eigenschaften des Tieres und die anschließende Ausbildung an.“ Prinzipiell sei jeder Hund als Diensthund geeignet. „Natürlich ist ein Chihuahua kein Schutzhund, doch die Auffassung das bestimmte Rassen wesentlich bessere Eigenschaften als andere besitzen, teile ich nicht.“

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In Naustadt bei Klipphausen werden jährlich über 100 Polizeihunde für die Hundestaffel der Bereitschaftspolizei und die einzelnen Polizeidirektionen ausgebildet. Die DNN waren vor Ort.

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Die Diensthunde werden allesamt dual ausgebildet. Neben der Grundausbildung zum Schutzhund, der bei Großeinsätzen oder schwierigen Situationen seinen Hundeführer mit seinem Leben verteidigt, werden die Tiere dann auf jeweils eine zusätzliche Eigenschaft spezialisiert. Nach wie vor gilt der Schäferhund als besonders beliebt bei den Polizisten, da er wegen seiner Statur und Robustheit sehr gut als Schutzbegleitung geeignet ist.

Sind die Hunde auf einem Spazieleinsatz, arbeiten die Hundeführer mit dessen Lieblingsspielzeug. Damit werden Suchaktionen „getriggert“, also ausgelöst. „Sieht der Hund sein Spielzeug, weiss er, was er zu tun hat“, erklärt Cathleen Göbel. Verbunden ist das oft mit einem Befehl wie etwa „Such Brand“ . Wenn das Tier seine Aufgabe erledigt hat, darf es mit seinem Gegenstand spielen. Dieses Prozedere ist auch wesentlicher Bestandteil der Ausbildung. Bei Rauschgift- oder Personenspürhunden wird oftmals ein bestimmter Geruch am Spielzeug platziert, dem der Hund dann nachgeht. Leichenspürhunde werden so beispielsweise über verschiedene Verwesungsgrade menschlichen Blutes angelernt.

Das Tier ist ein Einsatzmittel und kann jederzeit sterben

Während der Ausbildung trainieren die Tiere nicht nur mehrmals am Tag verschiedene Szenarien in der Hundeschule in Naustadt, sondern erproben sich auch im offenen Gelände in Wald oder Städten, um spätere Alltagssituationen zu simulieren. „Hunde denken in Bildern, müssen also regelmäßig andere Einsatzgebiete sehen“, erklärt Lohs.

Spürhunde werden während der Ausbildung deshalb auch zusätzlich an echte Einsatz- und Tatorte gebracht, um einen fließenden Übergang zur Praxis zu ermöglichen. „Das ist sehr wichtig, da sonst die Gefahr besteht, dass der Hund auf dem Trainingsgelände beste Ergebnisse bringt, aber bei Einsätzen nicht weiß, was er tun soll“, so Cathleen Göbel.

Nach der Ausbildung sind die Hunde etwa 18 Monate alt und dann durchschnittlich sieben Jahre im Einsatz. Meist bleiben die Tiere auch nach der Pensionierung beim Polizisten. So wird es auch „Fee“ ergehen, die Anfang 2017 ihren Dienst beendet. Bei einem Alter von neun Jahren wird sie noch einige Zeit an der Seite von Cathleen Göbel verbringen, die ebenso noch einen Vermisstenspürhund, einen privaten Hund und bald auch wieder einen neuen Brandmittelspürhund zuhause haben wird.

„Man muss für den Beruf schon Hundeliebhaber sein und auch privat mit den Tieren Spaß haben“, erklärt Daniela Behrens von der Polizeidirektion Dresden. Sie ist seit 20 Jahren Hundeführerin und mit ihren Vierbeinern regelmäßig in Naustadt für Fortbildungen zu Gast. Neben der Arbeit der Diensthundeführer schulen dort sechs Ausbilder ganzjährig knapp 100 Polizeihunde für die einzelnen Dienstellen in Sachsen. Je nach Hundetyp dauert die Ausbildung zwischen neun und 14 Wochen, dann kann der Vierbeiner in den Direktionen eingesetzt werden. Fortbildungen stehen jährlich an.

„Wir schulen sowohl die Hunde als auch die Beamten“, erklärt Ausbilder Carsten Böhm. Wichtig sei dabei vor allem Konsequenz und eine ausgewogene Zuneigung für den Vierbeiner. „Die Hundeführer müssen auch verstehen, dass das Tier ein Einsatzmittel ist und jederzeit sterben kann.“ Es müsse zudem garantiert werden, dass der Hund in jeder Situation funktioniere. Laut Böhm sei die Ausbildung deshalb auch nicht generalisiert, sondern auf jeden einzelnen Hund zugeschnitten.

Cathleen Göbel ist derweil auf der Suche nach einem geeigneten Ersatz für ihre „Fee“. Ist dieser gefunden und ausgebildet, darf die betagte Hündin endlich ihren wohlverdienten Ruhestand antreten. Bis dahin werde “Fee“ mit Sicherheit noch die ein oder andere Brandursache aufklären, ist sich Cathleen Göbel sicher.

Von Sebastian Burkhardt

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