Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Die WGP hat ihre Schulden heute im Griff

25 Jahre Städtische Wohnungsgesellschaft Pirna Die WGP hat ihre Schulden heute im Griff

Die Städtische Wohnungsgesellschaft Pirna, kurz: WGP, feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Im DNN-Interview berichtet Geschäftsführer Jürgen Scheible, wie es dem größten Vermieter in der Sandstein-Stadt wirtschaftlich geht und welche Zukunftspläne existieren.

Jürgen Scheible ist seit 14 Jahren Geschäftsführer der WGP.

Quelle: Marko Förster

Pirna. Die Städtische Wohnungsgesellschaft Pirna (WGP) wird 25 Jahre alt. Sie ist der größte Vermieter der Sandstein-Stadt. Wie es der WGP heute wirtschaftlich geht, ob sie die Schuldenkrise von Anfang der 2000er Jahre überwunden hat und welche Pläne sie für die Zukunft schmiedet, berichtet ihr Geschäftsführer Jürgen Scheible im DNN-Interview.

Frage: Die WGP feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen, seit 14 Jahren führen Sie die städtische Wohnungsgesellschaft an. Herr Scheible, wie geht es der WGP wirtschaftlich?

Jürgen Scheible: Der WGP geht es heute deutlich besser im Vergleich zu dem Zeitpunkt, als ich die Geschäftsführung am 1. April 2003 aufgenommen habe. Aufgrund vieler Fehlentscheidungen und überzogener Investitionen in den 1990er Jahren befand sich die Wohnungsgesellschaft damals in einer äußerst schweren Krise und sie war in ihrer Existenz gefährdet. Wir konnten uns aus diesen Problemen herausarbeiten. Das heißt nicht, dass wir heute keine Probleme mehr haben, aber wir haben alle im Griff.

Das größte Problem war damals die Verschuldung, oder?

Im Jahr 2002 lag die Verschuldung bei 192,8 Millionen Euro. Die Zahl allein ist nicht aussagekräftig. Sondern die Frage ist immer, ob man in der Lage ist, mit seinen Erträgen Zins und Tilgung bedienen zu können. Und die WGP konnte damals kaum noch ihre Verbindlichkeiten bei den Banken erfüllen. Seither haben wir rund 80 Millionen Euro an Schulden aus eigener Kraft abgebaut. Wir zahlen heute weniger als die Hälfte der Zinsen, die wir 2002 aufwenden mussten. Daher können wir optimistischer nach vorn schauen. Schuldenabbau ist aber weiter ein zentrales Thema, das uns beschäftigt. Pro Jahr müssen wir zwischen 4,5 und fünf Millionen Euro allein für die Tilgung aufbringen. Da sind die Zinsen noch nicht eingerechnet. Aber der entscheidende Punkt ist, dass wir heute in der Lage sind, Zins und Tilgung zu erwirtschaften.

Der Leerstand betrug vor 14 Jahren rund 24 Prozent. Wie hat sich die Situation zu heute verbessert?

Im Moment liegt unser Leerstand bei vermietbaren Flächen bei rund 10,8 Prozent. Das ist die Leerstandsquote für all unsere Liegenschaften im gesamten Stadtgebiet.

Und wie hat sich der Leerstand auf dem Sonnenstein entwickelt? Der Stadtteil war diesbezüglich immer das Sorgenkind.

Die Situation ist weiterhin schwierig. Der Leerstand liegt etwas unter 18 Prozent. Solange die Südumfahrung nicht fertiggestellt ist, bleibt es eine Herausforderung für uns, Mieter für leerstehende Wohnungen in dem Stadtteil begeistern zu können. Zudem hat der Sonnenstein mit einem Imageproblem zu kämpfen. Da wir die Hälfte unseres Wohnungsbestandes auf dem Sonnenstein haben, ist dies ein großes Thema für uns. Allerdings gibt es für den schlechten Ruf und die Ressentiments keinen sachlichen Grund.

Wie wollen Sie das Image des Sonnensteins verbessern?

Als Vermieter versuchen wir einfach sehr gut zu sein. Wir haben sehr unterschiedliche Bestände – vom kleinteiligen Wohnen bis zu Wohnungen im Hochhaus, verschiedenste Wohnungsgrößen, barrierearme Wohnungen und solche in Häusern mit Aufzügen. Ich kann nur jeden Pirnaer und Gast dieser Stadt empfehlen, auf den Sonnenstein zu fahren und einen Spaziergang zu machen, zum Beispiel in den „Sonnensteiner Höfen“. Viele werden staunen. Die größten Ressentiments kommen von Menschen, die seit mindestens 20 Jahren nicht mehr dort oben waren. Unsere Mieter auf dem Sonnenstein gehören zu den treuesten Kunden. Sie leben gern dort, schätzen die gute Infrastruktur und die grüne Umgebung. Einige wohnen zum Teil bereits 40 Jahre in dem Stadtteil, sie gehören zum Erstbezug oder sind, wenn sie doch einmal die Wohnung gewechselt haben, nur in dem Wohngebiet umgezogen. Das ist eine Qualitätsaussage.

Was sind die Herausforderungen der kommenden Jahre?

Dazu zählt auf jeden Fall weiterhin der Schuldenabbau. Des Weiteren haben wir einige Sanierungsprojekte in der Pipeline. Dazu wären wir vor einigen Jahren nicht in der Lage gewesen. Aktuell sanieren wir die Alte Post in Copitz. Die Fertigstellung naht. Weitere Projekte sind die Sanierung der Dohnaischen Straße 72, die Hauptstraße 17, die Albert-Barthel-Straße 3 und das „Rote Hochhaus“. Speziell im letztgenannten legen wir kleine Ein- zu Zwei-Raumwohnungen zusammen. Weitere Projekte dieser Art sollen in den 17 geschossigen Hochhäusern folgen. Die WGP will nicht wachsen, sondern in ihrem jetzigen Portfolio besser werden. Dazu zählen auch Grundrissänderungen von Wohnungen, altersgerechter Umbau und Wohnumfeldgestaltung. In drei bis fünf Jahren werden wir eventuell auch neue Objekte bauen. Wir haben geeignete Flächen. In Neubauten können wir Probleme lösen, die in Bestandsgebäuden nicht möglich sind. Dazu zählt beispielsweise barrierefreier Wohnraum. Man kann bestehende Wohnungen zwar barrierearm, aber aufgrund technischer Gegebenheiten nicht komplett barrierefrei gestalten.

Und ist Abriss noch ein Thema für die WGP?

Der Rückbau von Wohnungen war notwendig und aus heutiger Sicht auch richtig. Dies wurde damals von vielen bezweifelt. Aber der Leerstand auf dem Sonnenstein wäre heute dramatisch höher. Und die Kosten des Leerstandes würden uns die Hände binden und uns daran hindern, an anderer Stelle sinnvoll zu investieren. Der Abriss war damals richtig, ist aber für uns heute kein Thema mehr und wird in absehbarer Zeit auch kein Thema mehr für die WGP werden.

Pirna erlebt gegenwärtig Zuzug. Wie wird sich dies auf die Mieten auswirken?

Wir haben im Moment noch Leerstand. Eine große Preistreiberei ist daher nicht zu befürchten. Sicher sind die Mietpreise in der Altstadt höher als auf dem Sonnenstein. Dies ist jedoch eine relativ natürliche Entwicklung. In jeder Stadt sind auf den begehrten Lagen im Zentrum die Preise höher. Die Durchschnittskaltmiete liegt bei der WGP bei etwa fünf Euro pro Quadratmeter im Monat bei einer Bandbreite von 4,40 bis 6,50 Euro. Es wird leichte Steigerungen geben. Diese hängen aber von der Lage und der Ausstattung der Häuser ab. Wir sind zudem mit einem Problem konfrontiert: Das sind die Kosten für den Unterhalt der Immobilien. Diese steigen sehr massiv. Grund sind z.B. die energiepolitischen Auflagen wie Wärmedämmung usw. Dies ist vor allem beim Neubau dramatisch zu spüren. Wer ein neues Gebäude errichtet, kann wegen der hohen Baukosten kaum noch eine Kaltmiete unter neun Euro pro Quadratmeter anbieten. Aber für solche Mieten gibt es in Pirna keinen Markt. Und bei der WGP sind keine großen Mietsteigerungen zu erwarten. Wir freuen uns über den Zuzug.

Von Silvio Kuhnert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

12.12.2017 - 13:55 Uhr

Schwarz-gelber "dynamischer Dresscode" für eine spezielle Dynamo-Choreo.

mehr