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Die Tanzcompagnie der Landesbühnen mit der Uraufführung einer "Momo"-Version

Die Tanzcompagnie der Landesbühnen mit der Uraufführung einer "Momo"-Version

Es ist kein leichtes Unterfangen, eine reichlich kompakte Geschichte mit vielen Verästelungen und Geschehnissen halbwegs schlüssig im Tanz erzählen zu wollen.

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Nina Plantefève-Castryck als Momo, Szene mit Till Geier.

Quelle: Hagen König

Radebeul. Quasi für ein dickes, ideenreiches Buch speziell in der Körpersprache Bilder zu finden, die nicht minder beredt sind wie das Original. Und wenn es dabei um "Momo" von Michael Ende geht, wo bald jeder seine eigenen Bilder im Kopf hat, ist das noch ganz besonders herausfordernd.

Dass sich die Tanzcompagnie der Landesbühnen Sachsen dieser Aufgabe gestellt hat, ist an sich schon bemerkenswert. Und offensichtlich bleibt bei der Nachmittags-Premiere am Wochenende in Radebeul das im Alter durchmischte Publikum mit erstaunlicher Konzentration bei der Sache, feiert Ensemble und Inszenierungsteam schlussendlich mit überaus herzlichem Beifall. Was sie absolut verdient haben, speziell diese Tänzer, die sich wacker ins Getümmel stürzen, diverse Verwandlungen vollziehen und letztlich überglücklich vor den applaudierenden Zuschauern stehen.

Wie es bei kleineren Ensembles so ist - kurzfristig hat Wencke Kriemer de Matos, die für Idee, Inszenierung und (gemeinsam mit Carlos Matos und den Tänzern) für Choreografie verantwortlich zeichnet, auch noch die Rolle einer erkrankten Tänzerin übernommen. Und ist nun alternierend zu Petra Zupancic in der Rolle der Fremdenführerin/Freundin Gigi mit dabei. Was sie deutlich mit Hingabe macht. In Hinblick auf die choreografischen Ideen wirkt die Aufführung zuweilen noch recht unausgewogen. Doch es gibt ebenso beredte Bilder, die stimmig und vielseitig mit Tanz erzählt sind.

Beispielsweise diese Körper-Uhren, bei denen sich bewegte "Abläufe" so miteinander verknüpfen, dass damit ein steter Zeitenlauf assoziiert ist. Oder jene fröhliche Gesellschaft, die Momo beim Einrichten ihrer Hütte hilft und wo mehr und mehr Leute auf einer immer länger werdenden Ziehharmonika-Bank Platz finden - ein gutes Bild für das ausgelassene Beieinandersein. Eingeprägt hat sich ebenso die Szene mit der Friseurin Fusi (Tatiana Urteva), die, schließlich selbst beeinflusst, ihren Kunden ultimativ Einheitsfrisuren verpasst, gemäß der Ausrichtung durch die "Grauen Herren".

Nicht minder stimmig ist auch, wie sich die belgische Tänzerin Nina Plantefève-Castryck als Momo in das Geschehen einbringt. Sie erzählt die Geschichte des Mädchens, das aufmerksam und liebenswert reagiert und ihren Freunden die gestohlene Zeit zurückbringt, ohne überflüssiges Beiwerk, glaubhaft, findet quasi in der Bewegung den richtigen "Ton". Und manchmal gibt es auch bei den "Grauen Herren" Szenen, die im Gedächtnis bleiben, zum Beispiel beim Ächten des ausgestoßenen "Versagers".

Wirklich problematisch bei dieser Aufführung ist hörbar die als Aufzeichnung vom Band eingespielte Komposition von Michio Woirgardt. Der auch als Gitarrist mit Tanz sehr verbunden ist und stilistisch mit sehr unterschiedlichen Mitteln arbeitet. Dennoch klingt da irgendwie alles gleich, dreht sich die Leier entnervend über anderthalb Stunden, und der Tanz bekommt dabei kaum Impulse von der Musik. Eher raubt sie wohl der Geschichte den Atem. Und verursacht einen Spannungsverlust, der auch trotz Bühnenwirbel nicht auszugleichen ist.

Überhaupt scheint da von allem zu viel zu sein. Selbst das Bühnenbild von Stefan Wiel, dessen Arbeiten doch sonst bestens ausbalanciert sind, wirkt hier eher überladen. Und rundum könnte weniger doch eben mehr und jegliches noch nuancierter sein. Zumal die notwendigerweise gestraffte Geschichte an sich schon erkennbar ist, Konturen hat. Nur allzu viele Schnörkel sind dabei schlichtweg verzichtbar. Und auch die Tanzsprache kann sich - im Sinne des Erzählten - in manchen Szenen noch deutlich verdichten.

Wäre da nicht das Problem mit dem musikalischen Part - doch offenbar lassen sich die jungen Besucher davon kaum beirren -, könnte man dennoch mit gutem Gewissen die ganze Familie dazu ins Theater einladen. Zumal sich speziell die sympathische Engagiertheit der Tänzer auch aufs Publikum überträgt. Sie wollen und schaffen es auch. Und wenn sie darüber nachdenken, dass eine Geschichte eben eine Geschichte, also mit Tanz zu erzählen ist, dann gelingt es ihnen gewiss, sich darauf zu konzentrieren. Was jedoch nicht heißen soll, dass dabei Pantomime herauskommt. Wofür es allerdings auch keine Anzeichen gibt.

nächste Aufführungen: morgen, 10.30 Uhr, Theater Meißen; 6.12., 17 Uhr, Theater Freiberg; 7.12., 10 Uhr, Stammhaus Radebeul

www.landesbuehnen-sachsen.de

Gabriele Gorgas

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