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Umland Die Kirche in Königstein bekommt ein neues Dach
Region Umland Die Kirche in Königstein bekommt ein neues Dach
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10:00 16.09.2018
Das Dach der evangelischen Stadtkirche in Königstein bekommt neue Biberschwänze. Trotz dieser Arbeiten ist die Kirche für Besucher geöffnet. Quelle: Tomas Gärtner
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Königstein

In den Straßen rings um die evangelische Stadtkirche sieht Königstein wie im 19. Jahrhundert aus. Besonders morgens herrscht reger Betrieb. Nebenan steht die Grundschule. Und viele gehen auf dem Weg zur Innenstadt an der Kirche vorbei. Doch vor etwa zwei Jahren wurde das gefährlich. Schindeln lösten sich vom Dach und sausten in die Tiefe. „Ich habe selbst miterlebt, wie eine Schindel das Dach eines Autos durchschlagen hat“, berichtet Mechthild Hinz, seit 2015 Pfarrerin der Gemeinde.

„Die Ziegel stammen aus den Siebziger Jahren“, erläutert Andreas Reiche vom Bauausschuss der Kirchgemeinde. „Die Nasen, die sie halten, sind abgebrochen.“ Die Gemeinde hat die gefährdeten Flächen rings um die Kirche auf dem Schreiberberg abgesperrt. Dachdecker sind hinaufgestiegen, haben kaputte Stellen repariert und Bretter angebracht, die abrutschende Dachziegel auffangen sollten.

Was an Bauteilen noch funktioniert, soll wiederverwendet werden

Aber bei dieser Notreparatur konnte es auf Dauer nicht bleiben, waren sich die Verantwortlichen einig. „Der Dachdecker sagte uns, er könne nur noch für einen Winter Haftung übernehmen“, erzählt Mechthild Hinz. Doch seit den drei Elbefluten 2002, 2006 und 2013 hat die Kirchgemeinde schon viel Geld für Reparaturen ausgegeben. „Wir mussten immer nur Schulden abstottern und hatten keinerlei Spielraum.“

Zuletzt sind 2016 an der 1787 errichteten spätbarocken Kirche in Papstdorf, die zur Gemeinde gehört, Dach, Außenputz, Türen und Fenster erneuert worden. Einige Restarbeiten laufen noch. Insgesamt rund 385.000 Euro hat das gekostet. Davon übernahm zwar die sächsische Landeskirche einen großen Teil, auch 75.000 Euro Fördermittel flossen. Aber die Kirchgemeinde musste sehr tief in die Tasche greifen.

Dennoch waren die Arbeiten am Dach der Königsteiner Kirche unumgänglich. Experten untersuchten Holzteile des Dachstuhls. Im April haben die Handwerker begonnen, die alten Schindeln herunterzunehmen. Nun kommen neue Biberschwänze auf die Sparren. Auch die Schäden am Sandsteingesims der Traufe werden behoben. Was an Bauteilen noch funktioniert, soll wiederverwendet werden. An der Nordseite befinden sich historische Rinnenhalter. Sie werden nun auch an der anderen Seite des Daches angebracht. Voraussichtlich im November soll alles fertig sein.

Um die 500 000 Euro sind dafür veranschlagt. Ein großer Teil des Geldes kommt aus einem Förderprogramm der Europäischen Union. Etwa 11 000 Euro muss die Gemeinde aufbringen. Gemessen an den Gesamtkosten keine Riesensumme, aber für die gebeutelte Gemeinde bedeute das eine Last, sagt Andreas Reiche. „Weil wir vorher so viel gebaut haben, sind manche nun spendenmüde.“

Evangelische Kirche Königstein

Geschichte: zuerst stand eine Burg, die spätere Festung, sie gehörte dem böhmischen König, 1241 lateinisch als „in lapide regis“ (“auf dem Stein des Königs“) bezeichnet, daher der Ortsname

Kirche: wahrscheinlich existierte bereits im 13. Jh. eine Kirche in der Gegend um die heutige Gaststätte „Amtshof“ (Pirnaer Str. 30); um 1450 wurde eine neue Kirche an der heutigen Stelle auf dem Schreiberberg errichtet; 1704-1724 Neubau nach Brand durch die Baumeister Christian Fehre und George Dünnebier, auch George Bähr soll beteiligt gewesen sein, berichtete 1781 Pfarrer Johann Gottfried Klien; nach weiterem Brand wird Kirche innen klassizistisch ausgestattet, 1823 eingeweiht

Ausstattung: zweistöckige Emporen an den Längsseiten, klassizistischer Kanzelaltar; Altargemälde von Gunter Jacob (2000); Taufstein aus dunklem Zöblitzer Serpentinstein

Orgel: Johann Gotthold Jehmlich fertigte sie 1851; später wurden ihre Pfeifen mehrfach verändert; 2006-2007 baute die Orgelbaufirma Georg Wünning (Großolbersdorf/Erzgebirge) das Instrument neu

Gottesdienst: Sonntag, 10.30 Uhr

Offene Kirche: Königstein Mo.-Fr. 9-17 Uhr, Sa. 8-17 Uhr; Papstdorf täglich 10-17 Uhr; Cunnersdorf 10-17 Uhr, jeweils bis Ende Oktober

Gemeinde: seit 2008 sind Königstein und Papstdorf vereinigt, Cunnersdorf gehört dazu; etwa 900 Gemeindemitglieder; Bibelpflanzengarten seit 2005 an der Kreuzung Pirnaer / Dresdner Str. (B 172) kreisförmig mit sieben Beeten in Strahlenform angelegt

Dabei hat die Kirche als kulturelles Zentrum Bedeutung für die gesamte Stadt mit ihren rund 2100 Einwohnern. „Wir wollen kein separatistisches Hinterzimmer sein, sondern offen für alle“, betont Mechthild Hinz. Wegen der wunderbaren Akustik gibt es hier jedes Jahr Konzerte in der Reihe „Sandstein und Musik“, Schüler bekommen ihre Zeugnisse überreicht, unlängst versammelten sich Musikschullehrer aus der gesamten Bundesrepublik.

Die Geschichte des Sakralbaus reicht weit zurück ins Mittelalter. Als der böhmische König Wenzel II. 1284 seine Rechte am „Städtlein am Stein“ dem Deutschritterorden übertrug, muss es bereits eine Kirche gegeben haben, mutmaßen Historiker. Sie stand nur woanders. Um 1450 wurde sie auf dem Schreiberberg errichtet – hochwassersicher. Mehrfach ist sie abgebrannt und neu aufgebaut worden. 1724 erhielt sie ihre heutige Gestalt, von den Dresdner Baumeistern Christian Fehre und George Dünnebier, auch Frauenkirchen-Konstrukteur George Bähr soll mitgewirkt haben.

Rücktritte im Kirchenvorstand

Innen sind barocke Stilelemente zu erkennen, doch der Klassizismus überwiegt. Eine Besonderheit ist der Kanzelaltar. Ionische Säulen aus Sandstein lassen ihn wie den Eingang zu einem griechischen Tempel erscheinen. Das Dreieck, das darauf ruht, verkörpert die Dreieinigkeit aus Gott Vater, seinem Sohn Jesus Christus und dem Heiligen Geist. Das moderne Altarbild aus dem Jahr 2000 stammt von Gunter Jacob aus Dresden.Die Orgel, 1851 von Johann Gotthold Jehmlich mit 25 Registern geschaffen, ist später mehrfach umgebaut worden. 2007 versetzten Orgelbauer sie wieder zurück in den Originalzustand von 1851.

Zu allem Überfluss muss die Gemeinde mit ihren rund 900 Mitgliedern auch interne Konflikte lösen. Mechthild Hinz und Andreas Reiche mühen sich um eine diplomatische Formulierung, um nicht noch Öl ins Feuer zu gießen: „Es gab Meinungsverschiedenheiten über die Orientierung auf dem weiteren Weg der Kirchgemeinde, die zu Rücktritten im Kirchenvorstand führten.“

Seither hat das Regionalkirchenamt die Verwaltung übernommen. So lange, bis ein neuer Kirchenvorstand gewählt ist. Wann, sei noch nicht abzusehen, sagt Mechthild Hinz. „Wir suchen nach einer Lösung.“

Von Tomas Gärtner

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