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Umland Die Festungsbahn Königstein kommt ins Rollen
Region Umland Die Festungsbahn Königstein kommt ins Rollen
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07:30 04.09.2018
Seilbahn-Idee, Königstein, Sächsische Schweiz, Festung, Montage, Vorbild Salzburger Festungsbahn Quelle: Pleil, Ingolf
Königstein

Hinter der Stadtkirche in Königstein führt ein gepflasterter Wanderweg steil hinauf zur Festung. Noch muss eine Dreiviertestunde für den Aufstieg eingeplant werden. Aber nicht mehr lange, wenn es nach Sven-Erik Hitzer geht. Spätestens 2022, hofft der Unternehmer, soll eine Standseilbahn von der Kirche zum Festungsvorplatz hinaufrollen. Fahrtzeit: drei Minuten.

„Auf der Festung sind jährlich etwa 600 000 Besucher zu Gast. Bislang hat die Stadt Königstein aber nur wenig von den hohen Besucherzahlen, weil es an einer schnellen und attraktiven Verkehrsanbindung fehlt. Stattdessen versinkt die Stadt zunehmend in touristischer Bedeutungslosigkeit. Eine Festungsbahn könnte diesen Trend stoppen“, ist Hitzer überzeugt. Der 55-Jährige setzt sich seit fast 20 Jahren treibend für das Verkehrsprojekt ein.

Erstmals Geld für die Festungsbahn

Weil die nötigen Mittel fehlten, blieb der sogenannte Festungsexpress jahrelang nichts weiter als ein Luftschloss. Nun rückt die Umsetzung erstmals in greifbare Nähe: Bis zu eine Million Euro können zunächst in das Vorhaben fließen. Vor wenigen Tagen hat die Stadt Königstein den entsprechenden Zuschlag für die zweckgebundenen Mittel erhalten. Das Geld stammt aus dem ehemaligen DDR-Parteivermögen, mit dem der Freistaat verschiedene Projekte aus den Bereichen Wirtschaft, Soziales und Kultur fördern will.

Ausreichen wird die Summe allerdings vorn und hinten nicht – in einer von der Stadt Königstein in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie wurden schon 2007 satte zehn Millionen Euro für den Bau der Trasse veranschlagt. „Die SED-Gelder sollten aber genügen, um nun endlich die Planung der Festungsbahn zu ermöglichen und die Talstation zu realisieren“, so Königsteins Bürgermeister Tobias Kummer (CDU), der die Stadträte in der Angelegenheit hinter sich hat.

Bergaufwärts auf dem Achterbahn-Gleis

Auf der brachliegenden Fläche oberhalb der Kirche soll laut Machbarkeitsstudie eine gläserne Talstation entstehen. Von dort aus fährt die in vier Metern Höhe aufgeständerte Festungsbahn mit Elektroantrieb gut 1,2 Kilometer zur Bergstation. Die Aufständerung soll dazu dienen, dass Tiere unter der Schiene hindurchwandern können und Absperrzäune vermieden werden.

Während sich eine Bahn nach oben bewegt, rollt ein zweiter Wagen vom Festungsvorplatz auf der selben Schiene hinunter ins Tal. In der Mitte treffen sich die beiden Waggons. Sie fahren auf einer sogenannten Abtschen Weiche aneinander vorbei und setzen anschließend ihre Fahrt auf dem Gleis fort. „Das Gleis soll aussehen wie bei einer modernen Achterbahn, nur soll es sehr minimalistisch konstruiert sein. Eine echte Herausforderung der Ingenieurskunst und sehr unauffällig in der Natur“, erklärt Hitzer, der unter anderem auch die Gastronomie auf dem Königstein betreibt.

Der Unternehmer Sven-Erik Hitzer setzt sich schon seit fast 20 Jahren für den Bau der Standseilbahn ein. Doch erst jetzt nimmt sein Projekt allmählich Fahrt auf. Quelle: Junes Semmoudi

Auf ein bestimmtes Bahnmodell will man sich bislang noch nicht festlegen, zum engeren Favoritenkreis der Befürworter gehört aber unter anderem die Festungsbahn Salzburg. Ein Waggon sollte 100 Insassen Platz bieten und fünf Meter pro Sekunde zurücklegen. So könnten bis zu 1 000 Personen in der Stunde von der Stadt auf den Festungsberg befördert werden. Laut Machbarkeitsstudie benötigt die Bahn ein solches Leistungspotential, weil es bei bestimmten Veranstaltungen schon jetzt zu großen Besuchermengen kommt.

Die Stadt Königstein gibt derzeit eine Realisierungsstudie für das Bahnprojekt in Auftrag. Mithilfe der Studie will Bürgermeister Kummer einen konkreten Leitfaden in die Hand bekommen. Frühestens Ende dieses Jahres ist mit einem Ergebnis zu rechnen. „Fällt dieses positiv aus, wird sich die Stadt Königstein sofort nach Fördermöglichkeiten umsehen und das Planungsverfahren einleiten“, so Kummer.

Dabei läuft die Planung schon seit geraumer Zeit, wie der CDU-Landtagsabgeordnete und Verfechter des Bahnprojekts, Jens Michel, verrät: „Unterm Radar wurden schon Konzepte für die unterirdische Bergstation am Rand des Festungsvorplatzes erarbeitet. Das geschah alles ohne großes Tamtam, weil der Bau einer Festungsbahn bislang noch nicht feststand.“

Auf dieser Grünfläche hinter der Stadtkirche Königstein ist laut Machbarkeitsstudie die gläserne Talstation der Standseilbahn geplant. Quelle: Junes Semmoudi

Landrat Michael Geisler (CDU) hat das Vorhaben zwar schon 2007 zur Chefsache erklärt, aber erst unter Kummer und seinem Stadtrat nimmt das Projekt nun Fahrt auf. Initiator Hitzer hofft, dass 2020 der erste Spatenstich am Fuß des Königsteins gesetzt wird. Zuvor aber müssen umfangreiche Planungen unter Beteiligung der betroffenen Verbände realisiert werden, betont er. In drei Jahren würde Hitzer den Festungsexpress gern fahren sehen. „Das ist ein ambitioniertes, aber nicht unrealistisches Ziel. In vier Jahren sollte die Bahn aber spätestens rollen“, meint der Ideengeber.

Bahn soll in ÖPNV eingegliedert werden

Es gibt zwar bereits die Möglichkeit, mit Doppeldeckerbussen von Königstein auf den Festungsvorplatz zu gelangen. „Die Busse fahren allerdings nur nach Bedarf und sind nicht behindertengerecht, außerdem reihen sie sich in den ohnehin überlasteten Individualverkehr auf der Bundesstraße am Festungberg ein und belasten die Umwelt mit ihren Dieselmotoren“, so Hitzer. „Die moderne Bahn hingegen soll barrierefrei und altersgerecht gebaut werden. Jeder Senior mit Rollator kann dann mit der S-Bahn nach Königstein fahren und problemlos auf die Festung gelangen – und das ganz ohne Fahrdienst oder Betreuer.“

Im Raum steht auch eine Einbindung der Festungsbahn in das Tarifsystem des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). „Die Standseilbahn wäre eine gelungene Ergänzung für das öffentliche Verkehrsnetz der Stadt. So könnten etwa Schiffe der Sächsischen Dampfschifffahrt in Königstein anlegen und die Fahrgäste von Bord lassen. Die könnten dann mittels Standseilbahn bequem zur Festung kommen und eine Besichtigungstour machen“, sagt CDU-Politiker Michel.

Mehrere Verkehrsbetriebe aus der näheren Umgebung haben schon Interesse am Betrieb der Standseilbahn bekundet. Eine Eingliederung in den ÖPNV würde bedeuten, dass die Waggons nach Fahrplan und bestimmter Taktung starten. Wie dies genau auszusehen hat, soll die Realisierungsstudie zeigen.

Selbstfahrende Busse bis Leupoldishain

Doch Hitzer denkt schon weiter: Ist der Festungs-Express erst einmal fertig geplant, geht es an die Konzeption eines zweiten Streckenabschnitts. Dieser ist soll die Festung mit dem Auffangparkplatz in Leupoldishain verbinden.

Von Königstein soll ab 2022 eine Standseilbahn zum Festungsvorplatz fahren. Von dort aus könnten künftig autonom fahrende Minibusse in Richtung Leupoldishain starten. Quelle: DNN / Google Maps

Der Parkplatz ist angedacht, um das Verkehrsaufkommen in der Sächsischen Schweiz entlasten. „Wenn die Pirnaer Südumfahrung fertig ist, können Tagesausflügler aus Chemnitz, Leipzig oder Halle schneller in die Sächsische Schweiz gelangen. Das macht die Region noch attraktiver, drückt aber auch den Verkehr hierher“, erklärt Hitzer.

Am Auffangparkplatz sollen Tagestouristen ihre Autos stehen lassen und auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. „Wir können uns gegenwärtig vorstellen, die Strecke von der Festung bis nach Leupoldishain mit autonom fahrenden Minibussen zu bedienen“, so Hitzer. „Dafür könnte die für den öffentlichen Verkehr gesperrte Festungsstraße sowie eine befestigte Route entlang von Waldwegen bis ins ehemalige Wismutgelände genutzt werden, auf denen diese kleinen Buskabinen bedarfsgerecht dahinrollen. Das wäre für Sachsen höchst innovativ, aber ebengegenwärtig auch noch reine Zukunftsmusik.“

Der Freistaat erhofft sich durch das gesamte Verkehrskonzept mehr Besucher auf der Festung, Kummer verspricht sich höhrer Gästezahlen in Königstein. „Wenn wir mal ehrlich sind“, meint Michel, „gibt es bei dem Projekt doch eigentlich nur Gewinner.“ Sogar historisch gesehen sei das Vorhaben zweckdienlich. Denn so könnte endlich zusammengeführt werden, was eigentlich schon immer zusammengehört: die Stadt am Fuße und die Festung hoch oben auf dem Königstein.

Von Junes Semmoudi

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