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Der neue Geschäftsführer der Porzellan-Manufaktur Meissen: Unbefangen in den Neuanfang

Der neue Geschäftsführer der Porzellan-Manufaktur Meissen: Unbefangen in den Neuanfang

Seit knapp vier Wochen ist Tillmann Blaschke als Kaufmännischer Geschäftsführer bei der Porzellan-Manufaktur Meissen engagiert. Seinen Einstand gab er mit einem Paukenschlag: Kurz bevor der Meißner Stadtrat die Löschung der von der Manufaktur gehaltenen Wortmarke "Meissen" beantragen wollte, präsentierte Blaschke eine Einigung mit den Stadträten.

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Tillmann Blaschke, neuer Kaufmännischer Geschäftsführer der Porzellan-Manufaktur, will an der Produktpalette seines Hauses wenig ändern, am Gesprächsstil dagegen schon.

Quelle: Uwe HOfmann

Mit den DNN sprach er über weitere Ziele.

Frage: Der 22. November war ihr erster Arbeitstag in der Manufaktur...

Tillmann Blaschke: Na eigentlich der 23. November. Am 22. sollte ich nur vorgestellt werden, aber daraus wurde dann schon der erste Arbeitstag.

Fühlen Sie sich wohl hier?

Super!

Finanzminister Unland hat Sie als "Innenminister" der Manufaktur vorgestellt, und den bisher allein agierenden Geschäftsführer Christian Kurtzke als "Außenminister". Wie sind die Aufgabenbereiche unter Ihnen aufgeteilt?

Das kann man ruhig so sagen. Es gibt ein paar Dinge, um die ich mich jetzt zu kümmern habe: die Umsetzung der Strukturen, die Herr Unland schon vorgestellt hat, der Finanzierungsvertrag und was alles dazu gehört. Ebenfalls bringe ich mich in den Dialog mit der Stadt ein, um ein bisschen die Grundvoraussetzung dafür zu schaffen, dass wir wieder in Ruhe arbeiten können. Wenn diese Dinge abgearbeitet sind, werden wir uns sicher noch einmal über einen genauen Geschäftsverteilungsplan verständigen. Aber der Grundgedanke ist richtig. Herr Kurtzke hat maßgeblich die heutige Geschäftsstrategie entwickelt. Er kümmert sich um die Umsetzung in den Märkten und das hat viel mit Marketing und Vertrieb und Außenaktivität zu tun. Meine Schwerpunkte liegen eher in anderen Bereichen.

Der Markenstreit war sicher das dringlichste Problem, das sie mit der gemeinsamen Erklärung mit den Vorsitzenden der Ratsfraktionen vorerst geklärt haben.

Das ist ein ganz ganz wichtiges Thema für uns. Denn unsere Geschäftsstrategie beinhaltet, unsere Produkte mit dem Namen "Meissen" international zu vertreiben. Das soll zum Teil über Franchise-Nehmer erfolgen. Solch ein Store, meinetwegen in Shanghai, in dem neben unserem traditionellen Porzellan auch modernere und auch ganz neue Produkte geführt werden, lebt davon, dass "Meissen" über der Ladentür steht. Wenn ein Franchise-Nehmer liest, dass die Stadt die Marke "Meissen", die er über seinen Store schreiben soll, infrage stellt, dann sieht er seine Geschäftsgrundlage gefährdet.

Vor allem die Unternehmer, die mit der Manufaktur in Rechtsstreitigkeiten liegen, haben skeptisch auf die Erklärung reagiert. Für wie stabil halten Sie die gefundene Vereinbarung?

Ich gehe davon aus, dass das Thema vom Tisch ist. Das heißt aber nicht, dass wir nicht das leben müssen, was in der Vereinbarung steht. In der nächsten Zeit steht es an, auch mit den Unternehmen zu sprechen, mit denen wir in Auseinandersetzung stehen. Wir möchten niemandem etwas Böses. Es geht uns aber darum, dass die Art und Weise, wie der Name getragen wird, nicht dazu führt, dass es so auf uns ausstrahlt, dass vielleicht der chinesische oder ein beliebiger anderer Franchise-Nehmer ein Problem damit hat und das gesamte Geschäftsmodell darunter leidet.

Sie werden es mit sehr verschiedenen Unternehmer-Persönlichkeiten zu tun bekommen. Das werden schwierige Gespräche.

Ich kann auch nicht garantieren, dass wir bei jedem eine Lösung finden. Bei jedem Konflikt ist die Situation anders. Man muss sich zusammensetzen und sich einigen, wie zum Beispiel das Wort Meissen zu schreiben ist. Wenn jemand Meissen in nahezu derselben Schriftart und Größe wie wir verwendet, und dann noch Schwerter darunter schreibt, dann liegt auch der Verdacht nahe, dass derjenige sich den Ruf, den wir aufgebaut haben, zunutze machen will für seine eigenen Marketingzwecke. Ich kann ihn verstehen, aber ich habe als Geschäftsführer eine Pflicht, mich mit ihm zu verständigen, dass das korrigiert wird. Ich werde das zuerst in einem Gespräch tun. Vielleicht ist es in der Vergangenheit zu häufig der Fall gewesen, dass jeder aus berechtigten Ängsten heraus versucht hat, sich juristisch schadlos zu halten. Dadurch gerät aber der kaufmännische Kompromissbereich aus dem Blick.

Gibt es einen Zeitplan, wann diese klärenden Gespräche stattfinden sollen?

Es wird ja schon miteinander gesprochen. Es kann aber durchaus sein, dass diese Gespräche nicht sonderlich geglückt sind. Sonst wären wir ja nicht in dieser Situation. Ich möchte jetzt nochmals das Gespräch suchen, weil ich versuchen möchte zu erläutern, wo unser Störempfinden ist. Und vielleicht lässt sich ja einiges lösen, ohne dass man einander weh tut. Aber ausdrücklich möchte ich sagen, dass es nicht darum geht, den Unternehmern zu verbieten, mit dem Namen Meißen zu agieren.

Es gab in letzter Zeit Kritik, weil der Freistaat viel Geld in die Manufaktur gesteckt hat. Klar ist aber auch, dass sich ohne keine Marke aufbauen lässt. Gibt es einen Zeitpunkt, ab dem diese Investitionen tragen sollen?

Nachdem wir die atmosphärischen und wesentlichen strukturellen Dinge abgearbeitet haben, wird es meine Aufgabe sein, da noch tiefer einzusteigen. Daraus werden dann sicherlich auch weitere Erkenntnisse erwachsen. Es ist noch zu früh, den Termin zu benennen, an dem wir die erste schwarze Zahl schreiben oder einen bestimmten Umsatz erreichen. Ich sehe das so, dass Herr Kurtzke und ich zusammen mit dem Team noch einmal das, was an Strategie da ist, in eine aktualisierte Wirtschaftsplanung einbringen müssen und das wird dann der Fahrplan sein für die Navigation des Unternehmens in den nächsten Monaten und Jahren. Wichtig ist mir aber auch, dass wir an der Grundstrategie, dass das traditionelle Porzellan eine Modernisierung erfährt und dass dazu auch komplementäre Produkte in die Produktpalette aufgenommen werden, festhalten. In Nuancen ist vielleicht hier und da eine Neujustierung vorzunehmen.

Es ist interessant, dass Sie das so sagen. Finanzminister Unland betonte ja zuletzt vor allem das sächsische Porzellan als Kernbereich.

Die Aussagen widersprechen sich nicht. Porzellan wird weiterhin Kernprodukt bleiben. Dazu kommen aber andere Produkte, die dazu passen und potenziell dasselbe Käuferklientel ansprechen. Man findet auf diese Weise auch Käufer für unsere traditionellen Produkte, die man sonst nicht erreicht. Einfach weil die Marke beides verbindet.

Was ein interessanter Punkt in dieser Vereinbarung mit den Stadtratsfraktions-Chefs ist, ist die Zusammenarbeit im Tourismusmarketing. Das soll erst so richtig losgehen, wenn Meißen seine Stadtmarketing-Gesellschaft aufgestellt hat. Gibt es schon Ideen, was neben der angekündigten Aufnahme von Informationen zu Meißen auf der Manufaktur-Homepage passieren könnte?

Das müssen wir genau analysieren. Zunächst ist es so, dass in die Manufaktur knappe 250 000 Besucher im Jahr kommen. Jeder unserer Besucher ist potenzieller Besucher der Stadt. So viel ich weiß, kommen aber viele zu uns und fahren gleich wieder weg. Man muss für die Menschen interessante Besucherpakete schnüren, so dass sie auch den Weg in die Stadt finden. Da muss man jetzt die Köpfe zusammenstecken und etwas entwickeln.

Das mit der Internetseite würde ich im Übrigen nicht unterschätzen. Ich glaube, unserer Internetseite hat aufgrund der Markenbekanntheit sehr, sehr viele Klicks. Jeder Klick bei uns kann ein Wegweiser in die Stadt sein und nicht nur mit einem Link. Ich fände es sehr schön, wenn es uns gelingt, auf unserer Internetseite ein bisschen Stadtgeschichte, die zum Unternehmen passt, einzufügen, so dass ein authentisches Gesamtbild entsteht. Das bereichert unsere Seite und es ist gleichzeitig für die Stadt ein tolles Marketing.

Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) hat auch schon angedeutet, dass man die Wege durch die Gassen zwischen Manufaktur und Altstadt aufhübschen will. Die Porzellan-Manufaktur soll näher an die Stadt heranrücken.

Es gibt tatsächlich viele Anknüpfungspunkte. Aber das geht einfacher, wenn man sich als Freunde die Hand reicht, als wenn man zänkisch unterwegs ist.

Haben Sie da schon aus dem Rathaus etwas gehört? Herr Raschke hat sich ja von der Manufaktur distanziert, indem er aus dem Aufsichtsrat ausgetreten ist. Ist es wieder zu einer Annäherung gekommen?

Meines Wissens ist es so, dass Herr Raschke in verschiedenen Aufsichtsräten Mitglied ist. Und wenn es Auseinandersetzungen mit diesen Unternehmen und unserem Unternehmen gibt, dann ist er in einem Interessenskonflikt. Ich kann das nachvollziehen, dass er das für schwer miteinander vereinbar hält. Ich möchte niemandem einen Vorwurf machen, wie er sich verhalten hat. So kann ein Neuanfang nicht funktionieren. Wir müssen jetzt versuchen, unbefangen einen guten Dialog miteinander zu führen.

Denken Sie, dass mit dieser Dialogbereitschaft die Kritiker zum Schweigen gebracht werden können?

Es wird auch ganz lange noch den letzten Kritiker geben. Es ist ja nicht mit einem Mal alles gut. Aber ich hoffe, dass die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten mit der Zeit auch belegt, dass es so, wie es jetzt gekommen ist, richtig ist.

Interview: Uwe Hofmann

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.12.2014

Uwe Hofmann

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