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Umland DNN-Gewinner reist im Sonderzug
Region Umland DNN-Gewinner reist im Sonderzug
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18:21 02.04.2017
Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Franzensbad? Quelle: Lars Müller
Dresden,

Es ist kurz vor 6 Uhr am Sonnabendmorgen und noch dunkel, als die zwei Dampfloks 35 1097 und 01 509 mit ihrem Reisezug aus dem Dresdner Hauptbahnhof rollen. Den Fahrgästen steht ein gut 13-stündiger Ausflug einmal ums Erzgebirge herum bevor - rund 500 Kilometer. Als Fahrziel hat der Veranstalter, die Glauchauer Interessengemeinschaft IG Traditionslok 58 3047, Františkovy Lázně (Franzensbad) ausgegeben. Tatsächlich ist für die meisten Reisenden aber der Weg das Ziel: eine beschauliche Fahrt in historischen Reichsbahnwagen und ehemaligen Silberlingen der Bundesbahn. Ein Speisewagen und ein im „langen Halberstädter“ Gepäckwagen improvisiertes Bistro garantieren die kulinarische Versorgung.

Wer allerdings in einem solchen Zug zum stolzen Fahrpreis von 125 Euro nur eingefleischte „Pufferknutscher“ und „Nieterzähler“ vermutet, die sowieso jede Schwelle persönlich kennen, liegt daneben. Feuerwehrvereine, Ehepaare im gesetzten Alter, Opas mit ihren Enkeln machen die Mehrzahl der Fahrgäste aus. Natürlich sind auch Eisenbahnfans dabei, die professionell mit Schutzbrille gegen die Rußpartikel, Videokameras und Fotoapparaten ausgerüstet die meiste Zeit ihren Kopf aus den geöffneten Fenstern st(r)ecken. Etliche freiwillige Hobby- und Berufseisenbahner kümmern sich um das Wohl der Fahrgäste, beantworten Fragen und setzten Reisende um, die sich mit ihrem reservierten Sitzplatz so gar nicht anfreunden können. Der Morgen graut schon als, die beiden Dampfrösser mit voller Kraft ihren 350 Tonnen schweren Zug die Tharandter Rampe hinauf schleppen. Über Chemnitz geht es nach Glauchau, wo die Loks im Bahnwerk das erste Mal Wasser nehmen. Das dauert eine knappe Stunde. Die Ausflügler stehen fröstelnd auf dem Bahnsteig, einige gönnen sich ein erstes Frühstücksbier in geselliger Runde. Nach weiteren Stopps in Zwickau und Plauen rollt der Zug auf den Spuren des legendären „Karlex“-Triebwagens nach Tschechien. Markante Schienenstöße verraten den Reisenden, das Nachbarland ist erreicht und damit auch bald das schmucke Städtchen Franzensbad. Die Loks nehmen im nahen Cheb (Eger) Wasser, die meisten Fahrgäste ein Mittagessen in einer der vielen Gaststätten. DNN-Gewinner Tobias Harder hat die Kurstadt zum ersten Mal besucht. „Es war eine echte Entdeckung für mich“, sagt er. Der Tagesausflug habe sich in jedem Fall gelohnt, die Stimmung im Zug und das nostalgische Ambiente bekomme man schließlich nicht alle Tage geboten.

Am frühen Nachmittag beginnt die Rückfahrt. Wie schon auf deutscher Seite stehen auch entlang der Strecke in Tschechien etliche Bahnfans und filmen und fotografieren den Dampfzug. Die meisten Ausflügler im Zug lassen sich derweil in ihre Sitze sinken und genießen es bei einem Bierchen oder einem Kaffee, wie die Landschaft „an den Fenstern vorbeigefahren“ wird – unterbrochen von kurzen Rauchschwaden der Loks. Hin und wieder wabern auch kleine Rußwolken durch die geöffneten Fenster in die Abteile. Es geht durchs Eger-Tal nun immer am Fuße des steil abfallenden Südrands des Erzgebirges entlang und zwischen Braunkohle-Tagebauen des Bömischen Beckens hindurch. Im Chomotov (Komotau) wartet die örtliche Feuerwehr auf den Sonderzug aus Sachsen, um die beiden Dampfloks nochmals mit Wasser zu versorgen. Über Ústí nad Labem (Aussig) und Děčín (Tetschen-Bodenbach) rollt der Zug gemächlich durchs Elbtal nach Dresden, überholt von einem EuroCity nach Berlin, der es deutlich eiliger hat und wieder einmal seinem Fahrplan hinterherfährt. Es wird noch bis 23:30 Uhr dauern, bis die letzten Ausflügler schließlich wieder zurück nach Plauen im Vogtland gebracht sind. Manche von ihnen haben da schon ihre nächste Ausfahrt gebucht, Ende Mai zum Reformationsjubiläum nach Wittenberg. Die Glauchauer Vereinslok 35 1097 ist unter dessen fürs Dampfloktreffen am kommenden Wochenende gleich in Dresden geblieben. Was als Fazit bleibt: Wer eine Reise mit Eisenbahn genießen kann, ist auf einem Tagesausflug im Nostalgiezug genau richtig. Für wen allerdings jede kurze Zugfahrt schon eine Tortur darstellt, der wird nach Stunden im Reichsbahnabteil eher sprichwörtlich gerädert aussteigen.

Von Lars Müller

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