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Umland DDR-Museum „Zeitreise“ denkt laut über Wegzug aus Radebeul nach
Region Umland DDR-Museum „Zeitreise“ denkt laut über Wegzug aus Radebeul nach
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09:00 12.08.2016
19 Mitglieder hat der neuen Museums-Verein, elf von ihnen wurden in den Vorstand um Frank Stritzke und Hans Joachim Stephan gewählt.  Quelle: Uwe Hofmann
Radebeul

 Im seit Anfang April insolventen DDR-Museum „Zeitreise“ schöpft man neue Hoffnung. Grund dafür ist der Verein DDR-Zeitreise Radebeul e.V., der sich Mittwochabend konstituiert hat. Gebraucht wird der Verein zunächst, um eine Spendenkonto einrichten zu können, damit die Spendenwilligen und Sponsoren, die sich in den letzten Wochen bei Museums-Chef Hans Joachim Stephan gemeldet hätten, ihr Geld überweisen können. Zu den finanzkräftigen Unterstützern soll auch Radebeul zählen. Jedenfalls habe OB Bert Wendsche (parteilos) einen jährlichen Zuschuss in Aussicht gestellt, wenn erst ein ordentlicher Träger gefunden sei, wie Stephan sagt.

Die weiteren Aufgaben des Vereins hängen vom Ausgang des Insolvenzverfahrens ab. Es könne ein Förderkreis werden, der Fördermittel beantrag und Veranstaltungen organisiere, sagt Frank Strizke, Chef der Volksolidarität Elbtalkreis-Meißen und 1. Stellvertreter des Vorsitzenden Stephan im neuen Museums-Verein. „Eventuell wird es aber auch ein Trägerverein fürs Museum“, sagt er.

Die Oldtimerfreunde Stephan und Stritzke verbindet eine Männerfreundschaft, seit sie vor etwa einem Jahr über die gemeinsame Veranstaltungsreihe „Benzingespräche“ zueinander fanden. Beide sind die treibende Kraft hinter der Museumsrettung, die zunächst über eine gemeinnützige Träger-GmbH, nach deren Scheitern nun über den Verein vorangetrieben wird. Ein Ziel haben beide schon erreicht: Die Berichterstattung der letzten Monate über die Schwierigkeiten des Museums nach einem Besucherschwund um 14 000 auf nur noch 40 000 Gäste hat eine Welle der Sympathie und zahlreiche Investorengespräche mit sich gebracht. Die Folge: Der frisch gegründete Verein tritt durchaus selbstbewusst auf.

Das gilt zuallererst im Umgang mit dem Vermieter, einer spanische Gesellschaft. Die Mietkosten werden von Stephan als Hauptursache für die schwierige Lage angesehen, die rund 226 000 Euro für die vier Etagen im Jahr seien in guten Jahren gerade so, in schlechten wie 2015 nicht zu berappen. Folgerichtig hat der Insolvenzverwalter am 1. Juli den Mietvertrag zum 31. Oktober gekündigt. Inzwischen hat der Vermieter darauf reagiert und einen deutschen Korrespondenzanwalt benannt. „Bisher konnten wir nur auf spanisch oder englisch mehr schlecht als recht kommunizieren“, sagt Stephan. Erste Handlung des Anwalts: Die Kündigung anfechten. „Jetzt beginnt ein juristisches Tauziehen, dessen Tragweite ich nicht abschätzen kann“, sagt Stephan. Viel wichtiger für ihn: Die Gegenseite hat sich in Bewegung versetzt und Interesse am Verbleib des Museums gezeigt. Außerdem wackelt der Auszugs- oder Schließungstermin Ende Oktober, womit Zeit für Rettungsmaßnahmen gewonnen wird.

In der neuen Lage kann man es sich sogar erlauben, eigene Forderungen zu stellen. „Die Immobilie ist unabhängig von der jetzigen Situation ein Problem, weil das Gebäude so sanierungsbedürftig ist“, sagt Stritzke. Bedeutet: Man erwartet ein deutliches Entgegenkommen des Vermieters, sonst geht man eben.

Dafür gibt es offenbar realistische Angebote. Während Stritzke schon im Vorfeld der Vereinsgründung in Radebeul einräumt, dass es gut sein könne, dass das Museum in eine ander Gegend Sachsens abwandert, hat Stephan schon die Kosten für einen Umzug parat. 400 000 bis 500 000 Euro sollen es sein. „Es gibt Investoren, die sagen, dass sich das dennoch lohnen würde“, sagt er. „Wir wissen einiges, das wir nicht sagen dürfen, das uns aber wirklich optimistisch stimmt“, fügt Stritzke vieldeutig an.

Weiterer Grund für den Stimmungswandel ist, dass Stephan durch den Verein kein Einzelkämpfer mehr ist. Vor allem konzeptuell soll der Zusammenschluss das Museum voranbringen, etwa in Sachen Museumspädagogik, der Einbindung von Zeitzeugen, Behindertenfreundlichkeit oder verstärkten Engagement in Sachen „Oldtimerei“, wie Stephan sagt. Von der Einbindung Prominenter mit DDR-Vergangenheit ist zudem seit längerem die Rede. Zunächst soll der Verein aber Veranstaltungen organisieren, „damit wir hier Leute ins Haus kriegen“, wie Stephan fordert. Zwar hätten sich die Besucher- und Umsatzzahlen in diesem Jahr besser als zuletzt entwickelt, das Potential sieht er inzwischen aber ganz woanders. Wenn die neuen Konzepte greifen, „können wir auch über 70 000 oder 80 000 Besucher reden“, sagt er.

Von Uwe Hofmann

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