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Umland Coswiger Aronia-Obstbauer erwartet mit rund 300 Tonnen eine Durchschnittsernte
Region Umland Coswiger Aronia-Obstbauer erwartet mit rund 300 Tonnen eine Durchschnittsernte
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17:09 03.08.2017
Blütenkönigin Laura Kirschner hat sich zum Ernteauftakt in Brockwitz ein Glas frisch gepressten Aroniasaft schmecken lassen. Quelle: dpa/Arno Burgi
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Coswig

So schnell ändern sich die Zeiten: Mehr als 300 Tonnen Aroniabeeren konnte die Coswiger Bioobst Görnitz GmbH und Co.KG vergangenes Jahr in Coswig ernten. Geschäftsführer Michael Görnitz sprach von einer Jahrhunderternte. In diesem Jahr hofft er zwar auch auf etwa 300 Tonnen Aroniabeeren, spricht aber von einer durchschnittlichen Ernte. Schließlich stehen in diesem Jahr mehr als 20 Hektar weitere Aroniaflächen in Sörnewitz und Zaschendorf in Ertrag. Sachsens größter Aroniananbauer bewirtschaftet inzwischen reichlich 64 Hektar – und das das erste Mal im Demeterstandard.

Dabei handelt es sich um ein Bio-Zertifikat, dass deutlich strengeren Auflagen als das EU-Biosiegel unterliegt, in das sich Görnitz’ Aroniabeeren bisher eingeordnet haben. „Bis zu Demeter war es ein langer Weg, der vier Jahre gedauert hat“, sagt Görnitz. Allein in neue Technik für Kühlanlagen, Komposter, Spritzapperate und Hebemaschinen habe der Betrieb einen sechsstellige Summe ausgegeben. Bewirtschaftet werden alle Aroniafelder und weitere 120 Hektar, auf denen andere Obstsorten wachsen, auf biologisch-dynamische Weise nach anthroposophischen Vorstellungen Rudolf Steiners. So verwendet Görnitz Rindermist auf der Aronia-Plantage, den er von einem anderen Demeter-Betrieb erhält. Ausgebracht wird der Naturdünger nach einer bestimmten Sonne-, Mond- und Planetenkonstellation. Zudem setzt Görnitz sogenannte energetisierende Präparate auf der Plantage ein, etwa Kristallpräparate vor der Blüte, die das Wachstum und die Widerstandskraft der Pflanze kräftigen, sowie Kamillenpräparate während der Fruchtreife, die die Erde beleben und Stickstoffdepots fördern sollen. Statt herkömmlicher Pflanzenschutzmittel setzt er auf Nutzinsekten, hat etwa im Brockwitz mit Absicht eine wilde Wiese neben der Plantage stehen lassen, um Nützlinge anzuziehen.

„Das alles bedeutet einen hohen Aufwand“, sagt Jörg Holzmüller. Der Geschäftsführer der Dresdner Firma Aronia Original nimmt Görnitz’ gesamte Ernte ab und lässt sie zu mehr als 30 Produkten verarbeiten. „Ein gutes Produkt erhält man nur, wenn es dem Boden, der Pflanze und der Beere gut geht“, sagt er. Deshalb sei die Demter-Zertifizierung der richtige Weg. Die mit dem Siegel versehenen Produkte werden in den nächsten Wochen und Monaten in Reform- und Bioläden Einzug halten. Das meiste ist für den deutschen Markt vorgesehen, aber auch in Korea, China, „überhaupt in Asien“ sind Aronia-Produkte gefragt, wie Holzmüller sagt. Dort habe gesunde Ernährung einen ganz andern Stellenwert als in Deutschland, fügt er an. Die neuen Aronia-Original-Produkte erhalten eine neues, an die vor drei Jahren ausgemusterte Gestaltung angelehntes Layout und werden wohl auch etwas teurer. Man müsse dem gestiegenen Aufwand Rechnung tragen, begründet Holzmüller.

Wie hoch der Zuschlag ausfällt, ist noch nicht abzusehen. Das hängt auch vom Verlauf der Ernte ab, für die Görnitz mit zwei Wochen kalkuliert. Dafür braucht es allerdings ein paar sonnige, trockene Tage am Stück, in denen der Oechsle-Gehalt der Früchte auf Werte über 72, besser noch über 80 Grad Oechsle steigen kann. Der Regen zum Ernteauftakt am Donnerstag verhieß da nichts Gutes.

Dennoch ist Görnitz zuversichtlich, was vor allem den Blick auf andere, konventionell bewirtschaftete Aronia-Plantagen geschuldet ist. „Dort gibt es große Ernteverluste, bis zum Totalausfall“, sagt Görnitz. Dass das in Coswig nicht so ist, hält er für eine Bestätigung des eingeschlagenen Wegs. „Unsere Pflanzen sind widerstandskräftiger, weil sie gesund sind“, sagt er. Außerdem „haben wir im Jahr vieles richtig gemacht“, betont Görnitz. Von den Feuern, die den Frost aus der Aroniablüte vertrieben haben bis zu Mulchaktionen oder der Wässerung im trockenheißen Juli.

Risiken gibt es aber dennoch. Vor allem die Kirchessigfliege bereitet Sorgen. „Sie ist da und kann anders als im Juni, als es zu heiß war, bei der derzeitigen Witterung eine Population aufbauen. Ein paar Fressfeinde leben zwar in der Plantage, da ist Görnitz sicher, dennoch kann das kleine Insekt an den reifen Früchten in kürzester Zeit großen Schaden anrichten. „Wir wollen so schnell wie möglich ernten“, sagt Görnitz.

Von Uwe Hofmann

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