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Claudia Kaulfuß muss das Radebeuler Karl-May-Museum für die Zukunft bereit machen

Claudia Kaulfuß muss das Radebeuler Karl-May-Museum für die Zukunft bereit machen

Das Karl-May-Museum sorgt seit mehr als einem halben Jahren für Schlagzeilen. Erst die hitzige Diskussion um den geschassten langjährigen Museumsleiter René Wagner und den ebenfalls gekündigten Marketing-Chef André Köhler, dann die nicht minder brisante Debatte um Original-Skalpe, die in der Ausstellung zu sehen waren und von indianischen Nachfahren zurückgefordert werden.

Radebeul.

Keine einfache Zeit also für die inzwischen alleinige Geschäftsführerin Claudia Kaulfuß. DNN-Mitarbeiter Uwe Hofmann sprach mit ihr über die Ereignisse und die großen Pläne zur Umgestaltung des Museums.

Frau Kaulfuß, Sie sind seit Ende 2013 alleinige Geschäftsführerin im Karl-May-Museum. René Wagner und André Köhler sind gekündigt, Kustos Hans Grunert scheidet in diesem Jahr aus. Da lässt sich doch schon von einem Generationenwechsel sprechen, oder?

Claudia Kaulfuß: Generationenwechsel trifft es. Das hat aber auch mit der gesamten Neugestaltung des Museums zu tun. Wir haben unsere Schwachstellen analysiert und und festgestellt, dass diese nicht nur baulicher und technischer Natur sind, sondern auch personeller. Deswegen mussten uns zwei Mitarbeiter verlassen. Beim Kustos ist der Wechsel altersbedingt. Wir sind sehr froh, dass wir Robin Leipold als Nachfolger gefunden haben. Er hat Volkskunde studiert und hat schon in den letzten Jahren hier seine Bachelor- und Masterarbeit geschrieben. Er hat auch ganz entscheidend am Konzept für die Indianerausstellung mitgearbeitet.

Und als eine der ersten Amtshandlungen die Auseinandersetzung um originale Skalpe zu meistern. Jetzt wollen Sie die Herkunft der Kopfhäute untersuchen. Wie läuft das ab?

Man muss kritisch sagen, dass wir der bisherigen Überlieferung geglaubt haben, ohne sie zu hinterfragen. Keiner weiß jedoch, wo diese Überlieferung herkommt. Wir forschen hier bis hin zur Isotopenanalyse, unsere indianischen Partner überprüfen die Häuptlingsrollen in Nordamerika. Es geht auch um die Frage, ob das überhaupt ein indianischer Skalp ist.

Gibt es denn Fälschungen?

Ja. Die Attrappen, die wir jetzt in der Ausstellung zeigen, sind in der damaligen Zeit entstanden.

Wie viel Zeit wollen Sie sich für Ihre Untersuchungen nehmen?

Wir benötigen noch Fördermittel und müssen den Ablaufplan festsetzen. Bis Oktober wollen wir uns über das jeweils gefundene Archivmaterial mit unseren Partnern in Nordamerika austauschen.

Herrn Wagner, der das Museum seit den 80er Jahren leitete, wurden insbesondere sinkende Besucherzahlen vorgeworfen. Wie wollen Sie den Trend umkehren?

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Umgestaltung des Museums, die im Ergebnis mehr Aufmerksamkeit wecken soll. Dazu gehören auch zusätzliche Veranstaltungen, die besser beworben werden müssen. Zur Erarbeitung eines Marketingkonzepts entsteht derzeit eine Masterarbeit.

Das geht an die Adresse des bisherigen Marketing-Chefs André Köhler.

Herr Köhler hat sehr viel gemacht. Vieles ist aber leider auch eingeschlafen. Da geht es um Sonderveranstaltungen wie Familiennachmittage mit Yakari, aber auch Standardveranstaltungen wie Kindergeburtstage. Dazu findet man nichts auf unserer Webseite. Und auch Facebook muss aktiver genutzt werden. Außerdem hat es bei der Kooperation mit anderen touristischen Anbietern und Verbänden gehapert. Damit es funktioniert, muss aber jeder in seinem Aufgabenbereich alles geben. Für mich ist wichtig, dass wir drei, Leiterin, PR-Chef und Kustos, ein starkes Team sind und Entscheidungen für das Museum gemeinsam treffen.

Wichtige Entscheidungen stehen zum Museumsumbau an. Als nächstes müsste eigentlich die Ausstellung zu den nordamerikanischen Ureinwohnern in der Villa Bärenfett überholt werden, dann das neue Empfangsgebäude an der Meißner Straße gebaut werden. Wie ist denn da der Stand?

Das Ausstellungskonzept für die Indianerausstellung ist fertig. Die Planung für den Museumsumbau müssen wir aber noch einmal überarbeiten, weil wir aller Voraussicht nach in das Sanierungsgebiet Radebeul-Ost aufgenommen werden.

In welche Richtung gehen die Überlegungen?

Es geht um die Indianerausstellung. Bisher wollten wir die in der Villa Bärenfett belassen, wo sie 1928 auch erstmals eröffnet wurde. Dafür müssten wir das Blockhaus allerdings aufstocken und anbauen, um etwa moderne Klimatechnik hereinzubringen. Da durch das Städtebauprogramm jedoch die Tankstelle an der Meißner Straße wegkommen soll, gibt es die Überlegung, dort ein neues Gebäude für die Indianerausstellung zu errichten. Das könnte dann um das Empfangsgebäude erweitert werden. Die Villa Bärenfett, an die schon mehrfach angebaut wurde, könnte dann auf ihre eigentliche Gestalt zurückgebaut werden. Dort könnte dann eine Ausstellung zur Geschichte des Museums und zu Museumsgründer Patty Frank untergebracht werden. Parallel dazu wollen wir die Villa Shatterhand barrierefrei machen. Dazu laufen Gespräche mit dem Kuratorium und dem Stadtrat.

Allzu viel Zeit zum Überlegen haben sie aber nicht.

Das stimmt. Das Städtebauprogramm läuft nur bis 2019. Insofern ist dieses Jahr das entscheidende Jahr, indem die Konzeption stehen und wir die Fördermittel beantragen müssen.

Die Eigenmittel wollen sie über Spenden aufbringen. Wie ist da der Stand?

Ende 2010 sind wir mit unseren Plänen an die Öffentlichkeit gegangen. Seither haben wir ein Spendenaufkommen von etwa 100 000 Euro, wovon zu großen Teilen die Villa Nscho-Tschi finanziert wurde. Aber wenn die Pläne umgearbeitet sind, wollen wir erneut an die Öffentlichkeit gehen und demonstrieren, dass hier nichts still geworden ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.06.2014

Uwe Hofmann

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