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Chemiewerk in Pirna-Neundorf will explodierte Anlage wieder aufbauen

Erhebliche Bedenken Chemiewerk in Pirna-Neundorf will explodierte Anlage wieder aufbauen

Das Chemiewerk Schill und Seilacher möchte die bei der Explosion am 1. Dezember 2014 in Pirna-Neundorf zerstörte Anlage P1 zur Herstellung von organischen Chemikalien wieder aufbauen und in Betrieb nehmen. Die Stadtverwaltung Pirna äußert erhebliche Bedenken gegen das Vorhaben.

Die Explosion im Chemiewerk in Pirna-Neundorf vor über zwei Jahren forderte ein Todesopfer.

Quelle: Marko Förster

Pirna. Das Chemiewerk Schill und Seilacher möchte die bei der Explosion am 1. Dezember 2014 in Pirna-Neundorf zerstörte Anlage P1 zur Herstellung von organischen Chemikalien wieder aufbauen und das damals beschädigte Gebäude modernisieren und aufstocken. Die Stadtverwaltung hat nach dem Unfall mit einem Todesopfer „erhebliche Bedenken“ gegen das Vorhaben, wie es in einer Beschlussvorlage für den Stadtrat heißt. Sie empfiehlt dem Bauausschuss, das Einverständnis der Kommune zu verwehren. Neben einer vollständigen Umweltverträglichkeitsstudie durch einen externen Gutachter pocht die Stadt auf die Beteiligung der Öffentlichkeit an dem Genehmigungsverfahren.

Der Antrag des Chemiewerkes umfasst unter anderem die Modernisierung und Wiedererrichtung von drei Reaktoren sowie den dazu gehörigen Anlagen und Anschlüssen wie Pumpen, Wärmetauscher und Behältern, den Betrieb von Abfüllstationen sowie technische Änderungen in anderen Gebäuden. Prüfende Behörde ist das Landratsamt. „Von der Stadt ist unter anderem zu klären, ob gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse gesichert sind“, informiert die Verwaltung. Und deren Gewährleistung sei gegenwärtig nicht gegeben.

So mahnt die Stadtverwaltung den Nachweis eines externen Sachverständigen an, dass von der Anlage keine Gefahr für die Mitarbeiter und die Einwohner von Neundorf ausgeht. Ein unabhängiges Gutachten fehlt derzeit. Zwar gibt es eine „Sicherheitstechnische Stellungnahme zur Beurteilung von Gefährdungen durch Störungen/Havarien der Anlage P1“. Die wurde jedoch von dem Unternehmen erstellt, was auch die Bauantragsunterlagen erarbeitet hat. Die Stadtverwaltung stuft das Büro daher nicht mehr als „unabhängig“ ein.

Ein besonderes Interesse gilt zudem dem Explosionsschutzkonzept. Denn bei dem Störfall vor über zwei Jahren mit einem Toten und vier Schwerverletzten hat es sich um eine Explosion gehandelt. Durch falsche Mischung von Stoffen war die Herstellung eines neuen Flammschutzmittels außer Kontrolle geraten.

In dem Explosionsschutzkonzept wird laut Stadtverwaltung erwähnt, dass die als entzündbar eingestuften Stoffe Toluol und Tetramethyldislixoan Verwendung finden. Sollte es zu einem Stoffaustritt kommen, könne durch intensive Lüftung das Gasgemisch verdünnt werden, heißt es im Schutzkonzept. Die Stadt fragt, was passiert, wenn die Lüftungsanlagen, z.B. nach Stromausfall, ausfallen? Das wurde in der vorliegenden sicherheitstechnischen Stellungnahme nicht untersucht.

Ein Explosionsschutzdokument lag auch für die alte P1-Anlage vor. Es wurde durch den TÜV Süd geprüft und für mängelfrei befunden. „Dennoch kam es zum Störfall“, stellt die Verwaltung fest. Sie fordert daher eine unabhängige Begutachtung. Das Gutachten müsse wesentlich substanzieller sein, als die vorliegende sicherheitstechnische Stellungnahme. Und vor allem soll es darstellen, wie sich die Anlage im Falle des Versagens der beschriebenen Sicherungsinstrumente verhält.

Im Zuge des Genehmigungsverfahren wünscht die Stadt Pirna außerdem eine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung. Laut einer Vorprüfung seien von der Anlage für keines der im entsprechenden Gesetz aufgelisteten Schutzgüter, also Menschen, Tiere, Pflanzen, Boden, Wasser, Atmosphäre sowie Kultur- und Sachgüter, erhebliche nachteilige Auswirkungen zu erwarten. Diese Auffassung teilt die Stadt nicht: „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass derartige erhebliche nachteilige Auswirkungen durchaus eingetreten sind. Neben dem Störfall wurden zahlreiche Geruchsbelästigungen von der Bevölkerung kommuniziert.“ Das damit erkennbare Entweichen von Gasen gebe Anlass zur Sorge, „da die Entstehung explosionsfähiger Gemische zu befürchten ist.“ Auch hier wünscht die Verwaltung eine Prüfung durch externen Sachverstand und zudem die Beteiligung der Öffentlichkeit.

Von Silvio Kuhnert

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