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Umland Bergsteiger überprüfen und dokumentieren Zustand der Barbarine
Region Umland Bergsteiger überprüfen und dokumentieren Zustand der Barbarine
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07:53 20.10.2017
Dieter Krebs (roter Helm) und Matthias Krell (lila Helm) suchen nach Schäden an der Barbarine, die eine wasserabweisende Kappe aus Epoxydharz trägt.   Quelle: Foto: Mike Jäger
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Pfaffendorf

 Die Barbarine bei Pfaffendorf ist eines der Wahrzeichen des Elbsandsteingebirges. Der Sage nach handelt es sich um eine zu Stein verwandelte Jungfrau – von der Mutter verwünscht wegen ihrer Ungehorsamkeit. Tag für Tag bestaunen viele Touristen die imposante, schlanke, 45 Meter hohe Felssäule vom Plateau am Tafelberg Pfaffenstein aus.

Doch an diesem sonnigen Oktobertag gibt es hier etwas Besonderes zu sehen. Der Wind trägt leise Hammerschläge zur Aussicht gegenüber am Plateau. Zwei Bergsteiger klopfen den Gipfelkopf der Barbarine ab und fotografieren. Ein älterer Wandersmann weiß Bescheid: „Die machen eine Wartung“, sagt er zu seiner Frau. Diese versteht ihn nicht richtig und fragt: „Auf was warten die denn?“

Rainer Reichstein von der Schutzgemeinschaft Sächsische Schweiz, die Eigentümer des Pfaffensteinplateaus ist, klärt auf. Es handle sich um eine turnusmäßige Kontrollbesteigung. Denn schon seit 1975 darf die Barbarine nicht mehr bestiegen werden. Das Kletterverbot war notwendig geworden, weil die Standfestigkeit, besonders die des oberen Gipfelkopfes, nicht mehr gegeben war. Eine Folge der natürlichen Verwitterung, von Blitzeinschlägen und Fehlern bei früheren Reparaturen, aber auch der Kletterei.

Denn seit der ersten Besteigung 1905 sei es ein Muss für jeden sächsischen Bergsteiger gewesen, die Barbarine zu erklimmen, äußert Reichstein. Die Kletterei habe jedoch enorme Abnutzungserscheinungen verursacht. „Wir reparieren jetzt die Schäden, die damals angerichtet wurden“, sagt der Geologe, früher selbst aktiver Kletterer.

„Die Barbarine ist eigentlich ein Naturdenkmal, aber wir behandeln sie als Baudenkmal“, sagt Reichstein. Ab 1979 erfolgten umfassende Sanierungsarbeiten. Der Gipfelkopf wurde untermauert und bekam eine wasserabweisende Kappe aus Epoxydkunstharz. Der poröse Sandstein wurde mit einem chemischen Bindemittel behandelt und verfestigt. Jetzt überprüfen die Bergsteiger Dieter Krebs aus Radebeul und Matthias Krell aus Dresden, ob es seit der letzten Kontrolle vor drei Jahren Veränderungen am Gipfelkopf gab und dokumentieren den Zustand des Felsens.

Der Geophysiker Daniel Flügge organisiert und leitet seit 2004 diese Arbeiten. Er ist Mitarbeiter der KTA (Klettertechnische Abteilung). Die Arbeitsgruppe im Sächsischen Bergsteigerbund ist mit der Wartung der Sicherungseinrichtungen an den Kletterfelsen im Sandsteingebirge vertraut. Flügges Aufgabe ist die Beantragung der Besteigung bei der Landesdirektion Sachsen. Die Kontrollbegehungen müssen sach- und fachgerecht und unter Einhaltung der Sächsischen Kletterregeln erfolgen. Das bedeutet unter anderem, dass die Besteigungen nicht an feuchtem Fels erfolgen dürfen.

Die Seilschaft Krebs/Krell klettert und arbeitet routiniert in schwindelerregender Höhe. „Wir haben keine gravierenden Veränderungen festgestellt. Geringe Verschleißerscheinungen gibt es jedoch bei der Dichtfuge am Kappenrand“, so das Fazit von Dieter Krebs nach dem Abseilen.

Kletterpartner Krell ist überglücklich, weil er den Gipfel der Barbarine erklettern durfte: „Bereits als kleiner Steppke bewunderte ich die Bergsteiger. Für mich ist heute ein Traum in Erfüllung gegangen.“

Von Mike Jäger

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