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Umland Behörden schmieden Notfallpläne für Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest
Region Umland Behörden schmieden Notfallpläne für Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest
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17:56 21.02.2018
Die Afrikanische Schweinepest breitet sich von Osteuropa weiter gegen Westen aus. Quelle: dpa
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Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich von Osteuropa weiter gegen Westen aus. In den sächsischen Nachbarländern Polen und Tschechien verendeten im vergangenen Jahr mehrere hundert Wildschweine an der Seuche. Fälle auf deutschem Boden sind nicht mehr unwahrscheinlich, gerade der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist aufgrund seiner Grenznähe gefährdet. Die Sächsischen Ministerien für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) sowie für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) schmieden derzeit Pläne für den Fall eines Ausbruchs.

8000 Hausschweine im Landkreis

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge werden rund 8000 Hausschweine gehalten. Auch diese sind empfänglich für den ASP-Erreger. Uwe Scheumann, Vorstand der Agrarproduktion Struppen, warnt jedoch vor Panikmache: „Wir sind aufmerksam, aber nicht hysterisch. Der Verbraucher sollte zwar für das Thema sensibilisiert werden, es wäre jedoch falsch, ein ’Worst-Case-Szenario’ zu proklamieren. Unnötige Verunsicherung führt nur dazu, dass die Schweinehaltung durch Übervorsicht in Misskredit gerät. Ein Verbrauchsrückgang oder der Totalverzicht beim Schweinefleischkonsum könnte einen empfindlichen Preisrückgang nach sich ziehen. Dann könnte es dazu kommen, dass auch die letzten Schweinehalter im Landkreis ihre Arbeit aufgeben müssen.“ Diese Sorge werde auch von Berufskollegen geteilt wie Scheumann berichtet.

Im 2013 erneuerten Struppener Schweinestall werden jährlich etwa 2 000 Schweine aufgemästet, geschlachtet und über die eigene Landfleischerei vermarktet. Die einzige Möglichkeit, den Schweinebestand vor ASP zu schützen, sieht Scheumann darin, Fremdkontakt zu vermeiden: „Es wäre unverantwortlich, wenn ein Wildschwein in den Stall gelangen würde. Wir verhindern den Kontakt mit dem Schwarzwild, indem wir das Gebäude und das Umfeld entsprechend abriegeln. Das ist der Garant für die Bestandserhaltung.“

Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete vorbereitet

Wird ASP bei Hausschweinen festgestellt, würden großflächige Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete eingerichtet, in denen das Verbringen von Tieren und deren Erzeugnissen in und aus den Betrieben untersagt ist. Alle Schweine der betroffenen Bestände müssten notgeschlachtet und unschädlich beseitigt werden. „Dies ist für die betroffenen Unternehmen eine extreme Härte“, findet Landrat Michael Geisler (CDU). „Tierbestände, die über Jahre gewachsen sind, die durch Zuchterfolge eine stabile Produktion sichern, müssen von einem zum anderen Tag getötet werden, um eine Weiterverbreitung des Virus zu verhindern. Ganz abgesehen vom finanziellen Schaden ist dies eine Situation, die kein Unternehmer oder Mitarbeiter erleben möchte.“

Die Tierseuchenkasse käme zwar für den gemeinen Wert der verendeten Tiere auf und erstattet grundsätzlich auch die Kosten der Notschlachtung, für die Schweinehalter wäre der Schaden jedoch nicht vollständig gedeckt, wie Uwe Scheumann erklärt: „Die Unterbrechung des Betriebes und die folgende Verzögerung bekommen die Tierhalter nicht zurückgezahlt. Wenn sie nicht zusätzlich versichert sind, bleiben viele Landwirte auf den Unkosten sitzen.“

Schwarzwildbestand wächst kontinuierlich

Der Schwarzwildbestand im Freistaat wuchs in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Wildbiologen gehen davon aus, dass der Landesbestand an Schwarzwild seit 2012 um etwa 40 000 Tiere auf über 130 000 Wildschweine angestiegen ist, im Landkreis stieg die Zahl um rund 3000 Tiere auf fast 15 000. Aufgrund dieses Wachstums wäre ASP leichter auf Artgenossen übertragbar. Da es keinen Impfstoff zur Bekämpfung von ASP gibt, kann die Gefahr nur durch hygienische Maßnahmen und die Regulierung der Schwarzwildpopulation eingedämmt werden. Dabei kommt den etwa 1000 Jagdscheininhabern des Landkreises eine bedeutende Rolle zu, wie SMUL-Sprecher Frank Meyer betont: „Durch eine Verringerung des Schwarzwildbestandes kann sowohl das Risiko des Eintrags der ASP in den Wildschweinbestand, als auch das Risiko der Verbreitung reduziert werden. Die Jägerschaft ist dazu aufgerufen, die Jagd mit dem Ziel einer deutlichen Bestandsabsenkung weiter zu intensivieren.“

Zum Jahreswechsel sind die Jäger daher entlastet worden (DNN berichteten): Zum einen übernimmt das SMS seit dem 1. Januar die Untersuchungskosten für die Untersuchung des erlegten Schwarzwildes auf krankheitsübertragende Trichinen. Darüber hinaus sind Änderungen im Sächsischen Jagdgesetz vorgesehen. So sollen Jäger künftig Schalldämpfer verwenden dürfen. Die Nutzung dieser Vorrichtung ist bislang untersagt worden. Im Fall eines ASP-Ausbruchs innerhalb Deutschlands soll das SMUL zudem ermächtigt werden, die Jagd auf Schwarzwild mit Fanggeräten zuzulassen. Des Weiteren könnte eine Abschussprämie für das Erlegen von Wildschweinen eingeführt werden. Die EU-Kommission hat Gelder für eine solche Prämienzahlung zur Verfügung gestellt. „Dies muss jetzt durch den Freistaat Sachsen durch entsprechende Programme kofinanziert werden“, meint Kerstin Körner, Amtsleiterin für Gesundheits- und Verbraucherschutz im Landratsamt Pirna.

Keine Gefahr für Menschen

Für den Menschen stellt ASP keine Gefahr dar, allerdings kann er unbewusst zur Verbreitung der Krankheit beitragen: „Unter ungünstigen Bedingungen können unachtsam entsorgte Reste von virushaltigem Reiseproviant und Fleischerzeugnissen ausreichen, um die Seuche einzuschleppen. Da das Virus außerordentlich lange ansteckungsfähig bleibt, kann es auch durch Werkzeuge, Schuhwerk oder Kleidung weiter verbreitet werden. Deshalb sollten Jäger, Reisende und Transporteure sich besonders vorsichtig verhalten und Hygienemaßregeln beachten“, fordert Frank Meyer.

Von Junes Semmoudi

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