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Umland Aus Liebe zur Weißen: In Possendorf lagert die größte Weizenbierglas-Sammlung Sachsens
Region Umland Aus Liebe zur Weißen: In Possendorf lagert die größte Weizenbierglas-Sammlung Sachsens
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12:54 31.03.2018
Zur Sammlung von Hanns Saffer gehören auch Kronkorken und andere Weizenbier-Devotionalien. Quelle: Dietrich Flechtner
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Possendorf

Als Außenstehender könnte man meinen, Hanns Saffer hätte nicht alle Tassen im Schrank. „Sogar meine Frau hat mich für verrückt erklärt“, lacht der 74-Jährige. Dabei wäre im Wohnzimmerschrank seines Hauses in Possendorf gar kein Platz mehr für Tassen – die Regale sind nämlich bis auf das letzte freie Fleckchen mit Weißbiergläsern vollgestellt.

Prost! Hanns Saffer zeigt einen Teil seiner über 3000 Stücke umfassenden Weizenbierglas-Sammlung. Quelle: Dietrich Flechtner

3025 Exemplare zählt Saffers stattliche Sammlung, die sich im Keller fortsetzt. Die Gläser, alle verschieden bedruckt oder geformt, stammen von insgesamt 1835 Brauereien. Viele Aufdrucke zeigen Logos deutscher Brauereien, allerdings säumen auch Trinkgefäße aus China, Barbados, Kanada oder Australien die Ablagebretter. Saffer holt zwei ganz besondere Sammlerstücke aus dem Schrank und fährt die verstaubten Ränder liebevoll mit dem Finger ab.

Das Glas der Svalbard Bryggeri’ Quelle: Dietrich Flechtner

„Dieses Bierglas ist von der nördlichsten Brauerei der Welt, der ’Svalbard Bryggeri’ auf der norwegischen Insel Spitzbergen.“ Auch das zweite Glas stammt aus Norwegen. „Dieses Exemplar von der ’Arendals Bryggeri’ wollte ich unbedingt in meiner Sammlung haben“, erzählt er. „Ich habe einer norwegischen Zeitung geschrieben, ob sie nicht eine Annonce publizieren könnten. Und tatsächlich ist ein Herr hunderte Kilometer gefahren, um mir das Glas vorbeizubringen, einen Kaffee zu trinken und wieder den Heimweg anzutreten. Das sind Erlebnisse, die man in Erinnerung behält.“

Begonnen hat alles im Jahr 1990 mit einer Schnapsidee, erinnert sich Saffer: „Meine damaligen Arbeitskollegen in der Bundesbankfiliale Dresden haben mich immer aufgezogen, weil ich eine Vorliebe für Weißbier habe. ’Trübe Brühe’ haben sie das Hefeweizen immer genannt und gemeint, dass Radeberger das Nonplusultra sei. Das hat meinen Ehrgeiz natürlich angestachelt. Und so habe ich meinen 20 Weißbiergläser umfassenden Bestand immer mal durch neue Exemplare aufgehübscht.“

Titel gilt nur inoffiziell

Eins kam zum anderen: Saffer traf sich mit anderen Sammlern und besuchte Tauschbörsen. Auf einmal war das gläserne Potpourri ein Selbstläufer. Der gebürtige Fürther kaufte andere Glassammlungen auf und erhielt neue Gläser von Bekannten. „Im Urlaub in Kroatien habe ich zum Beispiel jemanden kennengelernt, der mir ein Glas aus Namibia geschenkt hat.“

Saffer lässt sich gerne als Inhaber der größten Weizenbierglas-Sammlung Sachsens bezeichnen. Auch wenn er diesen Titel nur inoffiziell trägt, vermag man bei dem großen Umfang der Kollektion nicht zu widersprechen. „Mittlerweile bewege ich mich viel in Sammlerkreisen. Mir wäre bekannt, wenn jemand einen größeren Glasbestand bei sich zu Hause rumstehen hätte. Falls es doch jemanden gibt, kann er sich gerne bei mir melden“, schmunzelt Saffer.

Ein Teil der Weizenbierglas-Sammlung. Quelle: Dietrich Flechtner

An sächsischen Stammtischen wird nicht nur gerne der Humpen gehoben, „es gibt hierzulande auch viele Sammler wie mich“, weiß Saffer. „Etiketten, Kronkorken oder Bierdeckel sind besonders beliebt. Leider sehe ich oft die selben Gesichter auf Tauschbörsen. Die Sammler werden leider immer älter – und der Nachwuchs fehlt“, meint der Pensionist betrübt und zuckt mit den Achseln.

Am 21. April findet in der Dresdner Sachsenwerk-Arena, Siemensstraße 9, das 32. Tauschtreffen für Brauereiwerbemittel statt. Von 9 bis 14 Uhr wird an den Tischen gefachsimpelt und umgetauscht. Hanns Saffer wird selbstverständlich anwesend sein. Und möglicherweise prostet er dort endlich mit einem jungen Sammler, der dem alten Hasen seinen Rang ablaufen will. Denn auch dem Routinier ist bewusst, dass er nicht jünger wird: „Im Mai werde ich 75 Jahre alt. Irgendwann ist Schluss. Im Keller ist auch kein Platz mehr, daher läuft Sammeltätigkeit mittlerweile auf Sparflamme.“

Das „1. Possendorfer Weißbier hat eine Zitrusnote

In seiner besten Zeit musste sich Hanns Saffer jährlich zwei bis drei neue Regale zulegen, um die Gläser unterzubringen. Jedes Jahr wuchs seine umfangreichen Palette der Gläser um etwa 200 neue Einzelstücke. So genau möchte der ehemalige Bankmitarbeiter gar nicht wissen, wie viel Geld er in seinem gläsernen Schatz investiert hat. „Insgesamt kommt da sicher ein Betrag zusammen, der erschrecken lässt“, meint er. „Vielleicht findet sich irgendwann eine Brauerei, die sich für meine Sammlung interessiert.“ Ansonsten landet sie wohl irgendwann im Glascontainer.

Dann hätte der Bierliebhaber mehr Zeit für sein zweites Hobby: Saffer hat nämlich hat nicht nur ein Faible für Gläser, sondern ist seit 2005 auch als Hobbybrauer tätig. Stolz gießt er den Inhalt einer kleinen Flasche in das Glas mit dem Logo seiner Privatbrauerei. „Der Brauvorgang dauert in der Regel vier bis fünf Stunden“, erläutert er. „Dann wird dem Sud noch Hefe zugesetzt. Nach einer knappen Woche ist der Gärprozess soweit fortgeschritten, dass Flaschen abgezogen werden können. Zwei Kästen Selbstgebrautes sind das Resultat. Nach einer Lagerzeit von vier bis fünf Wochen ist das Bier für den Verzehr geeignet.“

Das „1. Possendorfer Weißbier“ hat geschmacklich wenig von einem Industriebier, dafür weist es eine starke Zitrusnote vor. Bei Gelegenheit schenkt Saffer sein Hefeweizen auf Ortsfesten aus. Der größte Teil wird jedoch für private Feiern aufgehoben und im Kreis der engen Freunde genossen.

Von Junes Semmoudi

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