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Arbeitslose holen Faust nach Pirna

Theater Arbeitslose holen Faust nach Pirna

Spielend zum neuen Job – im Rahmen des Theater- und Qualifizierungsprojekts „JobAct to Connect“ haben 13 Langzeitarbeitslose aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge das Stück „Die ästhetische Erziehung des Faust“ entwickelt und einstudiert. Am 16. März ist in Pirna Premiere.

Sechs Monate lang haben Langzeitarbeitslose ihre Version von Goethes Faust entwickelt und einstudiert. Ihr Stück bringen sie in der Mägdleinschule auf die Bühne.
 

Quelle: kuhnert

Pirna.  Spielend zum neuen Job – im Rahmen des Theater- und Qualifizierungsprojekts „JobAct to Connect“ haben 13 Langzeitarbeitslose aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge das Stück „Die ästhetische Erziehung des Faust“ entwickelt und einstudiert. Am 16. März ist in Pirna Premiere. Wie Theater auf dem Weg zurück in die Arbeitswelt helfen soll, berichtet Theaterpädagoge und Regisseur Lukas Rauchstein.

Frage: Was ist „JobAct to Connect“?

Lukas Rauchstein: JobAct ist eine Maßnahme, um Langzeitarbeitslose mit dem Mittel des Theaterspiels für den Arbeitsmarkt zu aktivieren und in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu bringen. Die Idee dazu stammt von der Projektfabrik gGmbH aus Witten.

Neun Monate dauert das Projekt insgesamt, das Theaterspiel findet in den ersten sechs Monaten statt. Was unternehmen Sie in dieser Projektphase mit den Teilnehmern?

Die Teilnehmer treffen sich vier Tage in der Woche mit mir, dem Theaterpädagogen und Regisseur des Projektes. Wir arbeiten an einem Impulsthema, das durch die Projektfabrik vorgegeben ist. Dieses Jahr lautet es Goethe und Schiller. Das Projekt gehen wir immer ganz locker an. Denn ich weiß vorher weder, wer die Teilnehmer sind, noch, wo ihre Talente, Stärken und Fähigkeiten liegen. Und genau diese wollen wir in den sechs Monaten gemeinsam suchen und hervorholen. Die große Mehrzahl hat noch nie vorher Theater gespielt. Daher beginnen wir ganz langsam mit Aufwärmübungen: Wie wirke ich im Raum? Wie wirkt der Raum auf mich? Was passiert, wenn ich mit meiner Stimme und Bewegung arbeite? Das ist Grundlagentraining fürs Schauspiel. Früh fange ich mit den Teilnehmern auch an, Texte zu lesen. Das ist das Schöne an den Impulsthemen, dass man sich mit einer Sache beschäftigt, die nicht unbedingt zu unserer Lebenswelt gehört. Goethe und Schiller haben wir nicht zwangsläufig auf dem Nachtisch liegen. Mit dem Lesen der Texte startet ein großer Bildungsprozess.

Wie kann dies bei der Jobsuche helfen?

Während des Projekts besucht die Gruppe am fünften Tag der Woche ein Bewerbungsmanagement. Die Erkenntnisse und Talente, die durch die theaterpädagogische Methoden hervorgeholt, sowie die Fähigkeiten, die man dadurch erlernt hat, bringen die Teilnehmer in die eigene Biografiearbeit und in die eigene Bewerbung ein. Das Schauspiel soll bei der Suche nach den eigenen Stärken, aber auch bei der Antwort auf die Frage, ob der bisherige Ausbildungs- und Berufsweg der eigentlich passende für einen ist, helfen.

Und nach den Schauspielwochen schließt sich eine Praktikumsphase an, oder?

Im Anschluss an die Premiere gibt es eine sogenannte Transferphase, in der wir uns in zwei Wochen noch einmal damit beschäftigen, was uns das künstlerische Projekt gebracht hat und wie wer es in unseren Alltag integrieren können. Danach beginnt ein Betriebspraktikum von drei Monaten. Diese Phase wird bis zum Projektende mit einer wöchentlich stattfindenden theater- und sozialpädagogischen Einheit begleitet.

Seit 2005 gibt es JobAct, zum ersten Mal jetzt in Pirna. Wie viele Teilnehmer haben danach einen Arbeitsplatz gefunden?

Das Projekt in Pirna hat die Nummer 288. Also fast 300 Mal wurde das Theater- und Qualifizierungsprojekt bereits auf die Beine gestellt. Ich bin das fünfte Mal dabei und im Schnitt hatte ich zehn bis 15 Teilnehmer, bei anderen sind es mit bis zu 20 Teilnehmern mehr. Laut einer Studie kommen 66 Prozent von ihnen danach in Arbeit.

Das Stück, was in den zurückliegenden sechs Monaten erarbeitet wurde, heißt „Die ästhetische Erziehung des Faust“. Was werden die Besucher bei den beiden Vorstellungen am 16. und 17. März erleben?

Der Titel klingt total krass. Er ist eine ironische Konklusion unserer Arbeit: Faust ist das Hauptwerk von Goethe, der sich sehr mit Fragen nach dem menschlichen Streben beschäftigt, und Schiller hat in „Die ästhetische Erziehung des Menschen“ seine Ideen und Vorstellung vom gesellschaftlichen Zusammenleben, von Religion und Staat abgehandelt. Wir bringen Faust zu Erkenntnissen mit Worten Schillers. Die Besucher verlassen mit ihm die Studierstube, in diesem Fall die Mägdleinschule, und begeben sich mit ihm auf eine Wanderung durch die Altstadt, auf eine Suche nach dem Leben.

Vorstellungen am 16. und 17. März, 19 Uhr; Mägdleinschule, Kirchplatz 10 in Pirna; Freikarten unter www.projektfabrik.org

Von Silvio Kuhnert

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