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Umland 28 Kinder bilden den ersten Jahrgang an der Evangelischen Oberschule Radebeul
Region Umland 28 Kinder bilden den ersten Jahrgang an der Evangelischen Oberschule Radebeul
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18:53 13.04.2018
Schulleiterin Dorit Rosenthal zeigt auf das ehemalige Arbeitsamt an der Ludwig-Jahn-Straße, wo künftig ihre Oberschüler im Erdgeschoss lernen. Die Grundschule (Gebäude mit dem roten Dach im Hintergrund) befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Quelle: Foto: Silvio Kuhnert
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Radebeul

Bauarbeiter reißen den alten Parkettfußboden aus dem Erdgeschoss im ehemaligen Arbeitsamt in Radebeul-West. Die Räume bekommen einen neuen und größeren Zuschnitt. Vier Klassenzimmer sind am Entstehen. Zu Beginn des neuen Schuljahres nimmt dort die Evangelische Oberschule Radebeul ihren Betrieb auf.

„28 Kinder bilden den ersten Jahrgang“, berichtet Dorit Rosenthal. Sie ist die Schulleiterin und seit Februar dieses Jahres im Amt. Von einer „Lebensaufgabe“ spricht die 38-Jährige, die seit 2012 mit ihrem Ehemann und drei Kindern in der Lößnitzstadt lebt, in Bezug auf die Oberschulgründung. Als Teil der Gründungsinitiative gestaltet die gebürtige Chemnitzerin den Gründungsprozess seit drei Jahren im Evangelischen Schulverein aktiv mit. Und die Arbeit ist für Rosenthal längst noch nicht abgeschlossen. Denn es gilt, einerseits das erste und die folgenden Schuljahre pädagogisch vorzubereiten und andererseits die Pläne für den gemeinsamen Campus mit der Evangelischen Grundschule weiter voranzutreiben.

Die Erst- bis Viertklässler lernen im ehemaligen Amtsgerichtsgebäude an der Wilhelm-Eichler-Straße. In einem Seitenflügel befindet sich das Lehrerzimmer der künftigen Oberschule. „Hier rauchen oft die Köpfe“, sagt die Direktorin. Denn mit ihrem Kollegium, neun Lehrkräfte an der Zahl, entwickelt sie Lernmaterialien nach den Prinzipien der Reformpädagogin Maria Montessori. Zentraler Aspekt ist die Erziehung zum selbsttätigen Lernen. Und dies soll nicht jeder Schüler für sich allein, sondern in einem christlichen Miteinander und in altersgemischten Gruppen praktizieren. Nach Montessori-Prinzipien werden bereits die Grundschüler unterrichtet. „Das führen wir in der Oberschule fort“, berichtet Rosenthal.

Neben dem Fachunterricht, wie ihn jeder von staatlichen Schulen kennt, gibt es jeden Tag einen Unterrichtsblock für das freie Lernen. Ob Deutsch, Mathematikaufgaben oder ein Thema aus dem Sachkundeunterricht – die Schüler suchen selbst aus, womit sie sich in der Doppelstunde beschäftigen wollen – natürlich unter Aufsicht von zwei Pädagogen je Klasse. Anders als im Fachunterricht sind die Jahrgänge beim freien Lernen gemischt. In dieser besonderen Doppelstunde treffen in der Grundschule derzeit Erst- bis Viertklässler aufeinander.

Mit dem Start der Oberschule wird sich dies ändern. „Ab kommenden Schuljahr mischen wir nur noch die Erst- bis Drittklässler“, kündigt Rosenthal an. Die Viert- bilden dann mit den Fünftklässlern Lerngruppen. „Die jüngeren sollen von den älteren, die langsameren von den schnelleren Schülern lernen und alle sich gegenseitig inspirieren“, ist laut Rosenthal der Gedanke dahinter, um soziale Kompetenz wie Teamfähigkeit zu fördern. Jahrgangsübergreifende Schulstunden werden künftig bis zum Ende der neunten Klassenstufe angeboten. „Nur die Zehntklässler bleiben als Prüfungsjahrgang während des Unterrichts unter sich“, informiert Rosenthal.

An der Oberschule soll nicht nur das altersgemischte, sondern auch das fächerübergreifende Lernen besonders im naturwissenschaftlichen Bereich im Fokus stehen. „Physik, Biologie oder Chemie sind als Fächer selektiert“, so Rosenthal. Im Fachunterricht wird dies auch weiterhin der Fall bleiben. „Aber die Welt ist vernetzt“, führt sie weiter aus. Daher werden beim freien Lernen die verschiedenen Lerninhalte themenspezifisch verzahnt. Entsprechende Materialien – wie zum Beispiel zum Thema Wasser und seiner Bedeutung für die Entwicklung von Leben (Biologie), für Wetter und Klima (Geografie) sowie für die Entstehung der ersten menschlichen Hochkulturen im Zweistromland und am Nil (Geschichte) – entwickelt Rosenthal mit ihrem Team. Für den Besuch der freien Oberschule müssen Eltern für ihr Kind 130 Euro pro Monat zahlen.

Bislang trennt eine hohe Mauer die beiden benachbarten Standorte des Evangelischen Schulzentrums. Sie wird bis zum Beginn des kommenden Schuljahres durchbrochen, damit Grund- und Oberschule über den Hof fußläufig erreichbar sind. „Die vier Klassenzimmer im Erdgeschoss des ehemaligen Arbeitsamtes sind zunächst ausreichend“, berichtet Rosenthal. Da aber die Schülerzahl mit der Aufnahme jeweils einer neuen fünften Klasse pro Schuljahr wächst, wird es dort in zwei Jahren zu eng.

Die Traumlösung für das Platzproblem ist ein Anbau an das Grundschulgebäude. Klassenzimmer, vor allem Fachkabinette, sollen in dem dreigeschossigen Erweiterungsbau entstehen. Rosenthals Hoffnung ist, dass dieser bis zum Beginn des Schuljahres 2020/21 steht. Ob die Bauarbeiten im Laufe des nächsten Jahres beginnen können, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Alles hängt von der Finanzierung ab. Die konkrete Kostenberechnung ist noch in Arbeit, weshalb Rosenthal noch keine Investitionssumme nennen kann. Sollten die Anbaupläne scheitern, „bleiben wir im ehemaligen Arbeitsamt“, so Rosenthal. Dort können als Notlösung noch weitere Räume in Klassenzimmer umgebaut werden.

Von Silvio Kuhnert

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