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Seidelsche Kamelien haben ein modernes Glashaus

Landschloss Zuschendorf Seidelsche Kamelien haben ein modernes Glashaus

Die Botanischen Sammlungen der TU Dresden haben im Landschloss Zuschendorf ein neues Schaugewächshaus eröffnet. Für den modernen Bau dienten historische Gewächshäuser als Vorbild.

Matthias Riedel steht auf dem Besuchergang im neuen Kameliengewächshaus. Aufgrund der Hanglage können die Besucher auf die Pflanzen von oben schauen.

Quelle: Silvio Kuhnert

Pirna. Nach vier Jahren Bauzeit sind die Botanischen Sammlungen der TU Dresden im Landschloss Zuschendorf um ein Kamelienhaus reicher. Das Glashaus vereint modernste Technik und dient als Heimstatt für Kamelien. Bei der Realisierung setzte Matthias Riedel, Leiter der Sammlungen, Erfahrungen der Altvorderen um. Am Freitag wurde das neue Schaugewächshaus durch Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) offiziell eröffnet.

Bevor es zum symbolischen Banddurchschnitt kam, führte Riedel den Minister und weitere Gäste durch das alte Schaugewächshaus. Es ist über 100 Jahre alt, stand ursprünglich in der einstigen Königlichen Hofgärtnerei in Pillnitz und wurde dort Mitte der 1990er Jahre ab- und im Pirnaer Ortsteil Zuschendorf aufgebaut. Der Abstecher hatte zwei Gründe. Der eine waren die Kamelien selbst. Im alten Haus befinden sich prächtige Exemplare der Seidelschen Sammlung. „Die Pflanzen im neuen Gewächshaus sind dagegen noch mickrig“, meinte Riedel. Rund zwanzig Jungpflanzen der unter Denkmalschutz stehenden Kameliensammlung wurden in den Boden gepflanzt, weitere rund 100 stehen in Töpfen.

Der zweite Grund ist das alte Glashaus selbst. „Es ist das klimatisch beste Haus von all unseren Gewächshäusern“, informierte Riedel. Daher diente es als Vorbild für den Neubau. Was zum guten Klima beiträgt, ist die Außenschattierung. An der Außenfront sind Holzlamellen angebracht, die, wenn die Sonne besonders warm scheint, geschlossen werden, um die Pflanzen vor zu großer Hitze zu schützen. Kamelien lieben es eher kühl.

Aus Kostengründen, weil es halt billiger ist, werden bei vielen Gewächshäusern die Schattenspender innen angebracht. Das sei aber physiklaischer Unsinn, so Riedel. Denn die Sonnenstrahlen knallen auf das Glasdach drauf und bringen die Hitze ins Haus hinein. Bei der Außenschattierung dagegen liegen die geschlossenen Lamellen wie ein Schutzschirm zwischen Sonne und Glas, und spenden so kühlen Schatten. Beim Neubau bestehen sie nicht mehr aus Holz, sondern aus Aluminium. Und zum Schließen müssen die Gärtner nicht mehr kurbeln, sondern dank moderner Computertechnik schließen sie sich automatisch.

Das neue Schaugewächshaus ist 24 Meter lang und an den Hang gebaut. Die Pflanzen stehen auf Treppentischen darin, etwas, was sich Riedel ebenfalls von historischen Gewächshäusern abgeschaut hat. Die Besucher gehen auf der kleinen Terrassenanlage auf der oberen Stufe entlang und können so auf die Kamelien schauen „Oben haben sie die meisten Blüten“, so Riedel.

Der Kamelienexperte und sein Team haben den Bau des neuen Hauses bis auf spezielle Gewerke wie Heizung und Elektrik in Eigenleistung gestemmt. Rund 130000 Euro gaben sie für Material und für Handwerksleistungen aus. Da es keine Förderung gab, konnten sie immer nur soweit bauen, wie gerade Geld etwa durch Spenden zur Verfügung stand. Das erklärt die lange Bauzeit von vier Jahren.

Von Silvio Kuhnert

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