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Sebnitzer Wärme und Energieanlagenbau erhält „vis-à-vis Award“ für Ausbildung von Tschechen

Sebnitzer Wärme und Energieanlagenbau erhält „vis-à-vis Award“ für Ausbildung von Tschechen

Die WEA Wärme und Energieanlagenbau GmbH in Sebnitz ist eines der größten Unternehmen der Stadt. Wohnungsgesellschaften, Energieversorger oder auch die Deutsche Bahn gehören zum Kundenkreis. „Wir sind die Außenelektriker“, erklärt Geschäftsführer Henner Jordan

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Quelle: Hauke Heuer

Sebnitz. Die WEA Wärme und Energieanlagenbau GmbH in Sebnitz ist eines der größten Unternehmen der Stadt. Wohnungsgesellschaften, Energieversorger oder auch die Deutsche Bahn gehören zum Kundenkreis. „Wir sind die Außenelektriker“, erklärt Geschäftsführer Henner Jordan den Tätigkeitsbereich seiner Firma, die er seit Mitte der 90er Jahre aufgebaut hat.
89 Mitarbeiter sind bei der WEA beschäftigt. Doch die kommen nicht nur aus der Seidenblumenstadt und Umgebung. Derzeit sind in dem Unternehmen zwölf Festangestellte  und Auszubildende aus Tschechien beschäftigt. Für die langjährigen Bemühungen, tschechische Arbeitnehmer zu integrieren, wurde die WEA nun mit dem zweiten Platz beim „vis-à-vis Award“, der vom Bildungswerk der sächsischen Wirtschaft und von der Handwerkskammer Dresden ausgerichtet wird, ausgezeichnet.

Das Engagement kommt nicht von ungefähr: Geschäftsführer Jordan musste auf den Lehrlingsmangel reagieren und machte die Not zur Tugend. „Wir haben einfach keine Leute mehr gefunden und 2012 begonnen, auch in Tschechien zu suchen. Seitdem haben in jedem Jahr zwei bis drei Tschechen die Ausbildung bei uns abgeschlossen“, erklärt Jordan.
Das Unternehmen ist damit eines der ersten in Sachsen, für das es – ganz im Sinne des Freizügigkeitsgedankens der Europäischen Union – im Arbeitsmarkt keine Grenzen gibt. Doch der innovative Ansatz bringt auch Probleme mit sich: „Das Ausbildungsmodell in Tschechien ist ein anderes als in Deutschland. Hierzulande wird die Theorie und die Praxis gleichberechtigt in einer dualen Ausbildung vermittelt, während auf der anderen Seite der Grenze in der Berufsschule nur die Theorie gelehrt wird. Die Praxis muss dann im Arbeitsleben erworben werden“, erklärt Jordan die Inkompatibilität der Systeme. Aus diesem Grund hätten die meisten tschechischen Auszubildenden bei der WEA bereits einen Abschluss in Tschechien erworben. In Deutschland gehen sie in die Lehre, um sich bessere Chancen am hiesigen Arbeitsmarkt zu sichern.

Martina Böhme, Mitarbeiterin und Lebensgefährtin von Jordan, stammt ebenfalls von der anderen Seite der Grenze und kümmert sich um die Integration der tschechischen Auszubildenden. „Die größten Probleme entstehen durch die unterschiedliche Sprache – gerade in der Berufsschule. Aber auch
bei ganz alltäglichen Dingen wie zum Beispiel beim Verstehen der Hausordnung und des Putzplanes in Mietwohnungen müssen wir unterstützen“, sagt die Angestellte. Finanziert aus dem Fördertopf des Bundes „MobiPro-EU“ erhält jeder Lehrling 600 Deutschstunden. „Während unsere deutschen Lehrlinge ein freies Wochenende haben, müssen die Auszubildenden aus Tschechien jeden Sonnabend sechs Stunden die Schulbank drücken. Das erfordert ein hohes Maß an Motivation“, betont Böhme. Jordan nickt und stimmt ihr zu: „Da die Tschechen meist bereits eine Ausbildung abgeschlossen haben, sind sie oft auch reifer und zuverlässiger“.

Die Tschechin Hana Gröslova hat bei der Sebnitzer WEA ihre Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert und ist mit ihrer Wahl zufrieden. „In Tschechien habe ich ein Lehramtsstudium abgeschlossen, aber den kaufmännische Beruf finde ich spannender“, sagte die 29-Jährige und fügt hinzu, „mein Lebensgefährte kommt aus Sebnitz, deshalb bin ich froh, hier Arbeit gefunden zu haben“. Unterschiede zwischen der deutschen und der tschechischen Arbeitswelt kann Gröslova kaum feststellen. „Die Deutschen sind vielleicht etwas exakter und pünktlicher“, sagt die junge Frau.
Nach der Ansicht von Jordan, der in Regensburg unweit der Grenze zu Tschechien studiert hat und deshalb Tschechisch spricht, gehört dem grenzübergreifenden Arbeitsmarkt die Zukunft. Gerade im bevölkerungsarmen Grenzgebiet gebe es keine Alternative: „Ohne Arbeitskräfte aus Tschechien hat eine Stadt wie Sebnitz keine Zukunft“, sagt der Geschäftsführer und fügt hinzu, „ich habe kein Verständnis für diejenigen, die sich gegen diese Entwicklung stellen“. Jordan ist sich sicher, dass er auch in den kommenden Jahren Tschechen ausbilden wird.

Hauke Heuer

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