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Rinderzüchter Dieter Schlunke erhält Tierzuchtpreis für sein Lebenswerk

„Eine Kuh ist keine Nummer“ Rinderzüchter Dieter Schlunke erhält Tierzuchtpreis für sein Lebenswerk

 Dieter Schlunke hat in seinem Leben als Rinderzüchter einiges auf die Beine gestellt. Dafür wurde er nun auf der Agrarmesse „Agra“ in Leipzig vom sächsischen Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) mit dem Tierzüchterpreis ausgezeichnet.

Dieter Schlunke sieht großes Potenzial in seinen Jersey Rindern.
 

Quelle: Tomke Giedigkeit

Meißen.  Dieter Schlunke hat in seinem Leben als Rinderzüchter einiges auf die Beine gestellt. Dafür wurde er nun auf der Agrarmesse „Agra“ in Leipzig vom sächsischen Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) mit dem Tierzüchterpreis ausgezeichnet. Schmidt lobte besonders Schlunkes Verdienste um die Entwicklung der organisierten Rinderzucht im Freistaat und das Engagement des Milchhofs für den Ort Diera.

Am Rande der Ortschaft hält der passionierte Rinderzüchter Schlunke zusammen mit seiner Familie und der Familie Rühle 1500 Milchkühe und Mastrinder, die durch aufwendige Züchtung seit den 90er Jahren 50 000 Liter Milch pro Tag produzieren. „Das Modellieren am lebendigen Leib hat mich schon immer fasziniert“ blickt Schlunke zurück in seine Kindheit. Auf dem großelterlichen Hof aufgewachsen, galt sein Interesse zunächst der Züchtung mit den dortigen Hühnern.

Während der DDR arbeitete der Diplom-Agraringenieur Schlunke, der gebürtig aus Sachsen-Anhalt stammt, in einer LPG auf dem Gelände des heutigen Milchhof Diera. „Die Züchtung wurde in den LPGs vernachlässigt“ beschreibt Schlunke die damalige landwirtschaftliche Realität. Dabei sei das Züchten in der Produktion von tiereischen Gütern das geeignetste Mittel, um eine Bindung zwischen Kuh und Mensch aufzubauen. Für die Auszubildenden sind Tierschauen, wie auf der Agra immer ein großes Highlight im landwirtschaftlichen Alltag. Für Schlunke ist es wichtig, dass die Mitarbeiter die Kühe nicht als Nummern sehen, sondern als Lebewesen mit Charakter. Deshalb haben auch die meisten Vierbeiner auf dem Hof einen Namen. Das Preisgeld, das Schlunke von Landwirtschaftsminister Schmidt erhielt, hat der dem sächsischen Verband der Jungzüchter gespendet.

Nach dem Fall der DDR beschlossen Schlunke und seine Frau gemeinsam mit der Familie Rüale die ursprüngliche LPG zu übernehmen und in einen Milchhof umzufunktionieren. „Das Ziel ist immer eine wirtschaftliche Kuh“ sagt der pensionierte Landwirt. In das schwarz-bunte Niederungsrind der Landesproduktionsgenossenschaft kreuzten Schlunke und sein Team das dänische Jerseyrind sowie Holsteinische Rinder. Die Holsteinrinder vom Milchhof Diera zeichnen sich durch ihr großes Euter und wenig Fleisch aus – deshalb sind die Erbanlagen der sächsischen Kühe weltweit gefragt. Um die Züchtung der Holstein Rinder zu fördern, war Schlunke 10 Jahre im Vorstand der sächsischen Rinderzüchter und Aufsichtsradmitglied von Masterrind, das die Vermarktung von Zuchtbullen fördert.

Mit 66 Jahren übergibt Schlunke seinen Anteil am Milchhof Diera nun an seine zwei Söhne, die das Leben auf dem Hof von Kindesbeinen an kennen. „Das Highlight meiner landwirtschaftlichen Laufbahn waren stets die Tierschauen“ resümiert der Züchter. Dafür reiste er mit seinen Kühen sogar bis nach Italien. Die zahlreichen Auszeichnungen für seine Wiederkäuer zieren die Wände des Bürohauses. Viele Kühe aus der eigenen Züchtung haben die magische 100 000 Liter Marke geknackt. In den 1990er Jahren war es noch seltener, dass eine Milchkuh in ihrem Leben mehr als die besagten 100 000 produziert. „Die Milchleistung ist durch Zucht, verbessertes Futter und Haltung von 5000 Litern pro Jahr um die Wendezeit, auf heute 11 000 Liter pro Euter gestiegen“ erklärt Schlunke den Grund.

Wer eine solche „Hochleistungssportlerin“ aus dem kleinen sächsischen Ort erwerben will, muss tief in die Tasche greifen. „Unsere Kälber erzielen Verkaufserlöse von bis zu 25 000 Euro“ sagt Schlunke. Eine gewöhnliche Jungkuh gibt es dagegen schon für 1300 Euro. Trotz des Erfolgs des Milchhof Diera, der 25 Angestellte beschäftigt, beschreibt Schlunke die Züchterszene des Freistaats als „mager“.

Das ist die Milch der Jerseyrinder auf jeden Fall nicht, in der Schlunke großes Zukunftspotenzial für den Hof sieht. Ihr Fettgehalt liegt bei rund 7 Prozent. Sie geben nicht ganz so viel Milch, wie die Holsteinrinder, haben für Schlunke aber noch einen entscheidenden Pluspunkt: Der Niedlichkeitsfaktor der braunen Kühe mit den großen Augen zieht Hofbesucher immer in den Bann. Seit einiger Zeit verkauft der Milchhof Diera unbehandelte Frischmilch der Wiederkäuer mit dem treuen Blick aus einer Milchtankstelle für die Kunden in der Umgebung. Die Milch kostet deutlich mehr als im Supermarkt, dafür sehen die Menschen wo sie herkommt. Für Schlunke ist der große Zuspruch für die Frischmilch ein deutliches Zeichen, dass die Konsumenten durchaus bereit sind, einen angemessenen Preis für Lebensmittel zu zahlen.

Leider haben das Politik und Handel noch nicht erkannt. „Die großen Handelsketten drücken die Preise auf unmoralische Art und die Politik schaut zu“, ärgert sich Schlunke. Er würde gerne auf die EU-Prämien verzichten, die der landwirtschaftliche Fördertopf pro Hektar auszahlt, doch so lange die Politik der Preispolitik der Supermärkte keine Grenzen setzt, ist der Hof auf das zusätzliche Geld angewiesen. „Wir haben unseren Kindern einen gepflegten, modernen Betrieb übergeben – mit dem sie Miese machen“ fasst Schlunke das Dilemma zusammen. Trotzdem glaubt er an die Zukunft der modernen Landwirtschaft in Sachsen.

Um das zu zeigen, bietet der Hof bis zu 40 Führungen pro Jahr. Der Weg zur Milchtankstelle führt an zig neugieren Kuhaugen vorbei, so dass die Kunden einen Einblick in die moderne Massentierhaltung gewinnen. Zudem ist das Unternehmen auch auf Facebook unterwegs, um besondere Veranstaltungen zu kommunizieren. “Wir unterstützen die örtlichen Vereine, Radlergruppen und sogar eine Oldtimer-Rallye wird im Sommer vor den Toren der Ställe einen Boxentop einlegen“ erzählt Schlunke. Auch Landwirtschaftminister Schmidt lobte das Engagement der Eigentümerfamilien, die zu einem harmonischen Miteinander des Großbetriebs mit den Anwohner führen.

Für die Zukunft plant der Hof langfristig eine Umstellung auf Bio, denn die nächste Biomolkerei für die Dresdner Region befindet sich nördlich von Berlin. Auch wenn momentan schon vollautomatische Melkroboter auf dem Markt sind, setzt der Hof mit selbst den selbst gezüchteten Milchkühen noch auf die menschlichen Fähigkeiten während dem Melken. In einem riesigen Karussell stecken die Mitarbeiter des Hofes die Melkschläuche an die Zitzen der Tiere. Rund Fünf Minuten dauert die Fahrt im Kreis, dann spazieren die gefleckten Wiederkäuer zurück in den Stall. Für jeden Liter bekommt der Betrieb momentan rund 33 Cent. Ans Aufgeben dachte Schlunke jedoch nie, die Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern und Tieren ist einfach zu groß.

Von Tomke Giedigkeit

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