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Rätselraten um tote Mutter in Weinböhla

Warum holte sie keine Hilfe? Rätselraten um tote Mutter in Weinböhla

Der Tod einer 38-Jährigen nahe des Funkenteiches lässt weiter viele Fragen offen. Die Frau war bereits am vergangenen Mittwoch von einem Spaziergänger tot in ihrem Auto auf einem Feldweg entdeckt worden, neben ihr ein neugeborener Junge, der glücklicherweise noch lebte (DNN berichteten).

Der Tod einer 38-Jährigen nahe des Funkenteiches lässt weiter viele Fragen offen.

Quelle: dpa

Weinböhla. Der Tod einer 38-Jährigen nahe des Funkenteiches lässt weiter viele Fragen offen. Die Frau war bereits am vergangenen Mittwoch von einem Spaziergänger tot in ihrem Auto auf einem Feldweg entdeckt worden, neben ihr ein neugeborener Junge, der glücklicherweise noch lebte (DNN berichteten). Nach unseren Informationen geht es dem Säugling derzeit gut. Wie es zu diesem Vorfall kam, bleibt aber weiter unklar.

„Es besteht nach wie vor kein Straftatverdacht, deshalb gibt es keine direkten Ermittlungen“ sagte Polizeisprecher Marko Laske gestern. Über zusätzliche Details oder Schilderungen werde man aus Pietät gegenüber den Angehörigen keine weiteren Angaben machen. Deshalb bleibt weiter im Dunkeln, warum die Frau ihr Kind alleine in dem Waldstück etwa 100 Meter entfernt von der Landstraße S 80 zur Welt brachte und warum ihr Mann erst am nächsten Morgen eine Vermisstenanzeige aufgab.

„Bei einsetzenden Wehen alleine in den Wald zu fahren, ist für mich nicht nachvollziehbar“, sagt Gabriele Kamin. Die Oberärztin ist seit 1977 am Uniklinikum Dresden für die Geburtshilfe in der Frauen- und Geburtsklinik zuständig. „Es ist sehr ungewöhnlich, dass sich eine Frau zu solch einem Schritt entscheidet“, erklärt die 66-Jährige weiter.

Generell seien sogenannte „Sturzgeburten“ – bei denen das Kind ohne Voranzeichen innerhalb einer Stunde zur Welt kommt – „sehr, sehr selten“. Warum die 38-Jährige selbst in so einem Fall nicht auf der Straße geblieben ist und Hilfe suchte, ist für die Oberärztin ein Rätsel. Laut Kamin können auch bei scheinbar ganz normal verlaufenden und vermeintlich risikolosen Schwangerschaften während der Geburt jederzeit tödliche Komplikationen auftreten. „Dazu gehören schwere Rissverletzungen und Nachblutungen, die innerhalb von Minuten zu Schock- und Notfallsituationen führen“, so die Ärztin.

Dass es sich bei der 38-Jährigen um einen äußert tragischen Fall gehandelt haben muss, belegen die Zahlen. Laut dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung starben 2015 deutschlandweit 24 Frauen in direktem Zusammenhang mit Schwangerschaften, Geburten oder dem Wochenbett. Das sind etwa drei Frauen pro 100 000 Geburten, in Sachsen ist es durchschnittlich eine Frau im Jahr. Seit 1929 hat sich dieser Wert um das 183-fache verringert. Laut den Geburtsexperten des Uniklinikums Dresden spielen Blutungskomplikationen während der Geburt dabei die größte Rolle. Durchschnittlich jede 30. Frau ist davon betroffen, benötigt also medizinische Hilfe.

Die 38-Jährige hat sich nach der Geburt vermutlich noch um ihren Säugling gekümmert und ihn in eine Decke oder etwas ähnliches eingewickelt. So konnte der Junge die Nacht überstehen. „Unterkühlung ist in so einem Fall das größte Problem. Ist das Neugeborene warm genug, kann es durchaus einige Stunden ohne Hilfe überleben“, sagt Kamin.

Deshalb rate sie jeder schwangeren Frau zu medizinischer Hilfe bei der Geburt, egal ob in der Klinik oder zu Hause. „Eine Geburt ist ein Risiko, es kann immer zu Komplikationen kommen.“ Zudem habe sich die Mütter- und Säuglingssterblichkeit in der westlichen Welt aufgrund der fortschrittlichen Medizin in den vergangenen Jahrzehnten in den unteren Promillebereich verschoben.

Wer unbemerkt oder anonym entbinden wolle, könne dies laut Kamin in jeder Klinik bei sogenannten „vertraulichen Geburten“ tun. Dort müsse man sich weder anmelden noch einen Namen angeben. „Jede tote Mutter ist eine zu viel“, so die Oberärztin.

Von Sebastian Burkhardt & Lousia Schmökel

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