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Projektgegner zweifeln demokratische Legitimation der Umfrage im SBB an

Zwist um Johanniswacht hält an Projektgegner zweifeln demokratische Legitimation der Umfrage im SBB an

Das „Projekt Johanniswacht“ stößt weiterhin auf Kritik in der Kletterszene.In der Debatten um das Anbringen von 60 zusätzlichen Sicherungsringen an der Gipfelgruppe im Bielatal stehen sich Tradionalisten und Modernisierer des Sächsischen Bergsteigens gegenüber.

Die Kletterszene diskutiert, ob und wie viele zusätzliche Sicherungsringe nachträglich an die Gipfelgruppe der Johanniswacht angebracht werden dürfen.

Quelle: Mike Jäger

Bielatal. Das „Projekt Johanniswacht“ stößt weiterhin auf Kritik in der Kletterszene. 60 zusätzliche Sicherungsringe möchte der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) an der Gipfelgruppe im Bielatal anbringen. Bei einer Mitgliederbefragung hatten sich 73,1 Prozent derjenigen, die an der Umfrage teilgenommen haben, für die Umsetzung des Vorhabens ausgesprochen (DNN berichteten). An der Legitimation des Votums gibt es jedoch Zweifel.

Man könne kaum von einer demokratischen Entscheidung sprechen, meint Uwe Neumann. „Kletterer, die sich dem Sandsteinklettern an den wilden Türmen mit ganzem Herzen verbunden fühlen, aber nicht als Vollmitglieder im SBB organisiert sind, durften nicht abstimmen“, kritisiert der einstige Vorstand für Bergsteigen im SBB.

14 000 Mitglieder zählt der Bergsteigerbund derzeit. Bei der Abstimmung über das Johanniswacht-Projekt im Zeitraum vom 3. bis 30. April dieses Jahres waren 10 837 von ihnen stimmberechtigt. Es wurden 3001 gültige Stimmen abgegeben. Davon befürworteten 2194 Mitglieder das Vorhaben.

SBB-Geschäftsführer Christian Walter weist den Vorwurf der mangelnden demokratischen Legitimation des Mitgliederentscheids als haltlos zurück. Stimmberechtigt waren alle volljährigen Hauptmitglieder. Kein Stimmrecht hatten zum einen Gastmitglieder, die bei einer anderen Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) als Vollmitglieder geführt werden. Zum anderen „waren auch alle noch nicht volljährigen Mitglieder nicht stimmberechtigt, immerhin ein Fünftel aller Mitglieder“, so Walter.

Für ihn stellt dies einen völlig normalen Vorgang dar. Walter zieht eine Analogie zum Bürgerentscheid über den Bau der Waldschlösschenbrücke. Damals durften auch nur die volljährigen Dresdner mit Hauptwohnsitz in der Landeshauptstadt an der Abstimmung teilnehmen. „Diejenigen mit Nebenwohnsitz waren zwar genauso betroffen, sie durften aber nicht abstimmen. Vielleicht waren einzelne darüber sauer, aber würde jemand ernsthaft behaupten, die Abstimmung wäre deshalb nicht demokratisch legitimiert gewesen?“, fragt Walter in Richtung der Kritiker.

Er zeigt sich generell verwundert, dass über das Thema Gastmitgliedschaft versucht werde, die Legitimation der Abstimmung anzuzweifeln. 421 Gastmitglieder zählt der SBB in seinen Reihen. „Angesichts eines Stimmenvorsprungs von 1387 Stimmen für Ja ist es schon mathematisch unmöglich, dass das Ergebnis anders ausgefallen wäre, selbst wenn rein theoretisch alle Gastmietglieder sich an der Umfrage beteiligt und mit Nein gestimmt hätten“, rechnet Walter vor.

Das Johanniswacht-Projekt tangiert vor allem die Sächsischen Kletterregeln. Diese besagen, dass die Sicherung im Fels üblicherweise mit Seilschlingen erfolgen soll. Des Weiteren sei nur der Erstbegeher eines Kletterweges berechtigt, Sicherungsringe in den Fels zu schlagen. Jedes nachträgliche Anbringen von Ringen bedarf seiner Zustimmung. Bei der Auslegung des Regelwerks stehen sich Traditionalisten und diejenigen, die das Felsklettern in der Sächsischen Schweiz moderner gestalten wollen, gegenüber.

„Das methodische Anbringen von 60 zusätzlichen Ringhaken an den Johanniswachtfelsen widerspricht den Sächsischen Kletterregeln“, meint Hans-Joachim Scholz. Der 87-Jährige aus Dresden hat über 300 neue Wege im Elbsandstein begangen. Er verwehrt sich strikt dagegen, dass Ringe nachträglich in seine eigenen Wege kommen und spricht von einer „Vernagelung“ der Sandsteinwände. Kletterwege durch das Bohren zusätzlicher Sicherungsringe benutzerfreundlich zu gestalten, ist für ihn ein Irrweg.

Auch Neumann argumentiert gegen die Umsetzung des Johanniswacht-Projekts und beruft sich dabei auf die Sächsische Klettertradition: „Der Vereinsvorstand muss gar nicht das tun, was seine Mitglieder fordern.“ Der Verein sei grundsätzlich seiner Satzung verpflichtet. Der Vereinszweck beinhalte klar den Erhalt und die Pflege der sächsischen Klettertradition in seiner Einzigartigkeit. „Die Mitglieder erkennen bei ihrer Aufnahme die Sächsischen Kletterregeln an. Wenn nicht, sind sie fehl am Platze“, meint Neumann.

SBB-Geschäftsführer Walter empfiehlt ein genaueres Studium der Vereinssatzung. Neumanns Behauptung über den Vereinszweck lasse sich dort nur sehr eingeschränkt wiederfinden. „Vereinszweck nach Paragraf zwei ist die Förderung des Bergsteigens insbesondere für die Jugend und für Familien. Genau das wird hier gemacht“, teilt Walter mit.

Laut der jüngsten Mitgliedererhebung hat der SBB 3000 neue Mitglieder seit Januar 2015 gewonnen. Den größten Zuwachs hatte er unter Kindern und Jugendlichen. Auch der Frauenanteil im Verein wächst seit Jahren kontinuierlich. „Der SBB ist ein Verein mit klarer breitensportlicher Ausrichtung. Die große Mehrheit der Mitglieder betreibt den Bergsport zur eigenen Freude und ohne Leistungsgedanken. Bergsteigen ist Familiensport geworden“, so Walter.

Wie er weiter ausführt, stehe der SBB damit vor der immerwährenden Aufgabe, „seinen selbstformulierten Anspruch zur Bewahrung der Sächsischen Klettertradition mit den sich ändernden natürlichen, rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Einklang zu bringen. Die erfolgreiche Vereinsentwicklung gibt dabei denjenigen Recht, für die Bewahrung nicht Stillstand heißt“, führt Walter weiter aus. Ziel des Johanniswacht-Projektes ist es, vorhandene, aber aufgrund der derzeitigen Sicherungssituation selten gekletterte Wege im mittleren Schwierigkeitsgrad attraktiver zu machen. Anlass für das Projekt war eine Umfrage zum Klettern in der Sächsischen Schweiz aus dem Jahr 2013. Damals wurde von Bergsteigern der Wunsch nach einer besseren Absicherung der Wege im Bereich IV-VIIc geäußert.

„Das Anbringen von zusätzlichen Sicherungsringen – wir nennen sie nachträgliche Sicherungsringe – ist ein ganz normaler Vorgang im Sächsischen Klettern“, berichtet Walter. So gebe es derzeit 1065 nachträglich angebrachte Ringe, in jedem Jahr kämen weitere hinzu. „Angesichts dieser Zahl erscheint der Streit über die 60 Ringe an der Johanniswacht absurd“, findet Walter. Darüber hinaus kommen jedes Jahr neue Ringe durch Erstbegehungen hinzu. Im Schnitt seien es mehr als 60 pro Jahr. „Insgesamt stecken derzeit 18 000 Ringe in den Kletterwegen der Sächsischen Schweiz, durch die Umsetzung des Projektes Johanniswacht würde sich die Zahl um 0,3 Prozent erhöhen. Wie das eine Vernagelung der Sächsischen Schweiz sein soll, ist unverständlich“, meint Walter.

Von Mike Jäger und Silvio Kuhnert

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