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Karl-May-Festtage werden zum 25. Mal in Radebeul gefeiert

Himmelfahrtswochenende Karl-May-Festtage werden zum 25. Mal in Radebeul gefeiert

Die Karl-May-Festtage werden am Himmelfahrtswochenende zum 25. Mal im Radebeuler Lößnitzgrund gefeiert. Es gibt die gewohnte Mischung aus Wildwest-Trubel, Kinderspaß und Völkerverständigung. Für Wirbel wird aber vor allem ein Mann sorgen.

Ed E. Bryant trommelt vor dem Wandgemälde am Hohen Stein, das der kanadische Indianer derzeit für die Karl-May-Festtage malt.

Quelle: Uwe Hofmann

Radebeul. Die Idee war so einfach wie durchschlagend: Zum 150. Geburtstag Karl Mays wollten die Schauspieler der ost- und westdeutschen Karl-May-Bühnen einen Sternenritt zum Wohn- und Begräbnisort des großen Abenteuererzählers unternehmen. 1992 war das, Deutschland war frisch vereint und in Radebeul sprühte man vor Ideen und Tatendrang. Jedenfalls wurden aus der schlichten Bitte, vorgetragen von Schauspieler Herbert Graedtke im städtischen Kulturamt, die Karl-May-Festtage, die in diesem Jahr in ihrer 25. Ausgabe gefeiert werden. Sie sind eines der größten Feste, die im Dresdner Umland gefeiert werden, treffen im wildromantischen Lößnitzgrund doch 500 Mitwirkende auf um die 30 000 Besucher.

Für Radebeul ist es die Gelegenheit für touristisches Marketing und eine Selbstvergewisserung gleichermaßen, ist Karl May doch nach wie vor wichtig für die Identität der Gartenstadt, die in Sachen Wild-West eine feste Größe ist. Nicht umsonst feiert man bei den Indianern der Oneida Nation inzwischen einen Radebeul-Tag, dessen Datum nur zufällig mit dem Geburtstag von Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) zusammenfällt. Das ist nur eine der mit dem Fest verbundenen Anekdoten, dessen diesjähriges Motto „Geschichten, Märchen und Legenden“ durchaus nicht nur auf den Ideenreichtum Mays bezogen bleiben muss. Welcher der langjährigen Besucher erinnert sich schließlich noch an die aztekischen Gäste mit ihrem raumgreifenden Sonnenbaumritual? Wer an die tanzenden Derwische und Sufis? Oder an den Schirmherrn Pierre Briece, der bei seinem Auftritt in der Western-Stadt „Little Tombstone“ bis ans Ende seiner Kräfte ging? Alles Stoff für Erzählungen und Anekdoten. Nahrung für Legenden.

25 Jahre Festgeschehen bedeuten allerdings auch, dass es eine gewisse Routine im Festgeschehen gibt. Die Sternreiter treffen sich wie alle Jahre zu verschiedenen Reitwettbewerben in Wahnsdorf und werden am Sonntag zur Sternreiterparade aufbrechen. Das Leben im Wilden Westen wird von verschiedenen Freizeitgruppen in neun Westerncamps nachgestellt. Außerdem wandelt sich die Lößnitzgrundbahn wieder zum Santa-Fé-Express und durchquert das Festgelände insgesamt 55 Mal, wobei vier Mal mit Überfällen Gesetzloser zu rechnen ist. In Little Tombstone gibt es zudem neben allerhand Trubel auch regelmäßig musikalische Darbietungen. Und natürlich gibt es gerade für Kinder zwischen Ponyreiten, Bogenschießen und Nuggetschürfen allerhand zu erleben. Das sind alles Standards der Karl-May-Festtage.

Anlass für Legenbildung zur 2016er Ausgabe des Fests dürfte zum einen der Schirmherr geben: Gojko Mitic, der bereits 2008 in dieser Rolle auftrat und gerade unter ostdeutschen Wild-West-Freunden als ehemaliger DEFA-Chef-Indianer nach wie vor einen Ruf wie Donnerhall genießt. Er ist unter anderem bei der großen Gesprächsrunde am Hohen Stein am Sonnabend in Aktion. Außerdem vertiefen die Radebeuler ihre Beziehung zu den Oneida, die wieder am Hohen Stein Einblick in ihre Kultur geben. Diese Freundschaft hat sich inzwischen derart verfestigt, dass im vergangenen Jahr erstmals eine Radebeuler Gesandtschaft die Oneida in deren Reservat im US-Staat New York besucht hat. „Wieviel Geld sie im Casino dort gelassen haben, ist nicht überliefert“, scherzt Programmchef Helmut Raeder. Noch eine dieser Geschichten.

Ed Bryant trommelt vor dem Wandgemälde am Hohen Stein, das der kanadische Tsimshian-Indianer derzeit für die Karl-May-Festtage an den Fels malt

Ed Bryant trommelt vor dem Wandgemälde am Hohen Stein, das der kanadische Tsimshian-Indianer derzeit für die Karl-May-Festtage an den Fels malt.

Quelle: Uwe Hofmann

Der im vorigen Jahr mit Bravour gestartete Geschichtenbasar ist erneut eine der insgesamt 15 Veranstaltungszentren. Dort werden mit großem Enthusiasmus Geschichten, Tänze und Gesänge aus dem Orient und dem Balkan von verschiednen Gruppen aufgeführt. Für die Festmacher ist das die Gelegenheit, einerseits die vom Morgenland faszinierte Facette Karl Mays zu zeigen, andererseits seine politische Seite. Der Autor war doch schließlich „dank seiner Fantasie zu einer Art Weltbürger geworden“, wie Raeder sagt. Weltbürgersein, das werde „ob wir es wollen oder nicht“ heute von allen gefordert, meint Raeder. Ein Fingerzeig darauf, wie aktuell vor allem Mays Spätwerk in Zeiten von Globalisierung und Flüchtlingsdebatte ist.

Wenn man so will, lässt sich auch von der Rückkehr einer Legende sprechen: Nach Jahren der Pause gibt es wieder ein großes Felsgemälde am Hohen Stein. Gestaltet wird es von Ed Bryant, einem 55-jährigen Tsimshian-Indianer von der Nordwestküste Kanadas. 37 Jahre habe er dort im Reservat in einer Gegend ohne Straßen gelebt, bis er sich nach Europa aufmachte, sagt er. Dort lebt der inzwischen in Österreich beheimatete Bryant von seinen indianischen Kunstwerken und der Präsentation von Tänzen, Gesängen und Geschichten. Ein so großes Werk wie in Radebeul hat er aber noch nicht geschaffen. Er sei zwar schwindelfrei, habe aber doch einen Tag Überwindung gebraucht, um sich hängend an einem Seil an die Arbeit an der Steilwand zu machen, sagt er. Das von ihm gewählte Motiv symbolisiert den Lebenskreis und darin eine Symbolik, die die Oneidas im besonderen ehrt, aber auch das menschliche Miteinander thematisiert.

Von Uwe Hofmann

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