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Interbrigaden-Ausstellung trägt OB Wendsche deftige Kritik ein

Streit im Radebeuler Stadtrat Interbrigaden-Ausstellung trägt OB Wendsche deftige Kritik ein

So perplex hat man Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) selten gesehen. Den Vorwurf der „Kriegsverherrlichung“ musste er sich auf der jüngsten Stadtratssitzung von Wolfgang Jacobi (CDU) gefallen lassen. Anlass ist eine Spanienkämpfer-Ausstellung im Kultur-Bahnhof Radebeul.

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Bert Wendsche

Quelle: Archiv/Martin Förster

Radebeul.  So perplex hat man Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) selten gesehen. Den Vorwurf der „Kriegsverherrlichung“ musste er sich auf der jüngsten Stadtratssitzung von Wolfgang Jacobi (CDU) gefallen lassen. Einen Verstoß gegen Radebeuler Gepflogenheiten, städtische Räume nicht für politische Veranstaltungen herzugeben von Sven Eppinger (CDU). Dass er einer vom Verfassungsschutz beobachteten radikalen Organisation Tür und Tor geöffnet habe von Jan Mücke (FDP). Der Anlass: Eine Ausstellung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) anlässlich der Bildung von Interbrigaden im Spanischen Bürgerkrieg vor 80 Jahren, die am Donnerstagabend mit einem Festakt im Kultur-Bahnhof Radebeul-Ost eröffnet wurde.

Die Vorwürfe sind ernst zu nehmen, zumal CDU und FDP, also die Fraktionen, aus denen sie kommen, gemeinsam mit den Freien Wählern im Stadtrat als Stützen von OB Wendsches Politik fungieren. Mit Bianca Erdmann-Reusch sitzt er gemeinsam in der CDU-Fraktion des Kreistags. Auch sie fand deutliche Kritik: „Mir hätte es genügt, wenn die Ausstellung das Schicksal der Kriegsvertriebenen behandelt hätte, gerade im Zusammenhang mit den gegenwärtigen Entwicklungen“, sagte sie. Die Heroisierung von Spanienkämpfern lehne sie dagegen ab. „Ich war völlig baff“, meinte OB Wendsche nach der Schelte aus dem bürgerlichen Lager. Sie mit einem Schulterzucken abzutun ist für ihn jedenfalls schon aus taktischen Gründen keine Option.

Nach einer Nacht intensiver Recherche hat sich der OB dennoch für ein Grußwort bei der Eröffnung entschieden und hält auch die Öffnung städtischer Räume für eine Ausstellung des Bundes der Antifaschisten für legitim. „Der VVN wird seit Jahren weder auf Bundesebene noch auf Landesebene vom Verfassungsschutz beobachtet“, begründet er. „Mit der Ausnahme von Bayern, und selbst dort läuft ein Verfahren zur Einstellung der Beobachtung“, fügt der OB an. Ihm sei an der Auseinandersetzung mit der Geschichte gelegen, auch der so schwierigen des Spanischen Bürgerkriegs, der in der deutschen Betrachtung meist hinter dem Zweiten Weltkrieg in den Hintergrund rücke, aber wichtige Einblicke in das so kriegerische 20. Jahrhundert geben könne. Etwa 5000 Deutsche sollen ab 1936 gegen den putschenden General Francisco Franco zu Felde gezogen sein, dessen Truppen vom Hitlerregime durch die Legion Condor unterstützt wurden. Im Anschluss an den Sieg Francos gingen viele seiner Gegner ins Exil, einige landeten nach dem Zweiten Weltkrieg auch in der damaligen DDR, wovon die Ausstellung berichtet.

Zu diesen allgemeinen Fakten kommen spezifisch Radebeuler Gründe, weshalb die Stadtverwaltung in einer Zusammenarbeit mit dem Antifaschistenbund kein Problem erkennt. „Ohne den VVN würde es kein gemeinsames Gedenken am 27. Januar für die Opfer des Nationalsozialismus geben – er hat sich den bürgerlichen Fraktionen geöffnet“, sagt Wendsche. Ohne die Antifaschisten wäre auch das Zeithain-Projekt des Lößnitzgymnasiums nicht zustande gekommen, aus dem zwei Tafeln für das stadtgeschichtliche Museum der Partnerstadt Obuchiw hervorgegangen sind. Mit Radikalen dürfe es keine gemeinsame Sache geben, sagt der OB, aber abgesehen davon wolle er mit Vertretern des gesamten politischen Spektrums im Gespräch bleiben.

Von Uwe Hofmann

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