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„In der Sächsischen Schweiz unterwegs zu sein, ist mein Yoga“

Interview mit Sandsteinblogger Hartmut Landgraf „In der Sächsischen Schweiz unterwegs zu sein, ist mein Yoga“

Abenteuer und Geschichten spürt Hartmut Landgraf in der Felsenwelt auf. Als Sandsteinblogger setzt er seine Erlebnisse in Wort und Bild online und bringt sie in einem Jahresheft zu Papier. Wie die Idee zum ersten Outdoor-Magazin für die Sächsische Schweiz entstanden ist, berichtet Landgraf im DNN-Interview.

Hartmut Landgraf sucht Motive und Geschichten in der Sächsischen Schweiz. Ihm können weder Frost noch Schnee vor einem Aufstieg auf den Winterstein schrecken.

Quelle: Silvio Kuhnert

Pirna. Ein Outdoor-Magazin für die Sächsische Schweiz – das ist der Sandsteinblogger von Hartmut Landgraf. Sowohl online als auch gedruckt schildert der Dresdner Abenteuergeschichten aus der Felsenwelt. Wie die Idee zu dem Blog entstand, was ihn am Barfußwandern reizt und wo Europas letzter Goldsucher lebt, verrät Landgraf im DNN-Interview.

Frage: Sie haben das Internet-Blog, Sandsteinblogger, ins Leben gerufen und bringen einmal im Jahr im Selbstverlag das gleichnamige Outdoor-Magazin für die Sächsische Schweiz in Printform heraus. Wie ist die Idee entstanden?

Hartmut Landgraf: Das Projekt hat eine lange Vorgeschichte. Zehn Jahre habe ich als Lokaljournalist gearbeitet und mir nebenbei ein Feld erschlossen, das vom Bergsteigen über Naturerlebnis bis hin zum Aktivsein in der Natur handelt. Das sind Themen, die sich in der Region Sächsische Schweiz einfach anbieten. Allerdings hatte ich in meinem damals festen Job immer das Gefühl, mehr um das Gebirge drumherum zu fahren, als wirklich hinein zu gehen. Die Sächsische Schweiz liefert viele spannende Geschichten. Die aber sind aus dem Blickwinkel einer Tageszeitung sehr speziell – und finden daher oft nur am Rande statt.

Den Geschichten von Klettern, Wandern und Naturerlebnis wollten Sie vor gut zwei Jahren eine eigene Plattform geben?

Ich lese gern Outdoor-Magazine. Allerdings erscheinen sie allesamt im Westen Deutschlands und haben den Alpenraum und andere Bergwelten im Blick. Die ostdeutschen Mittelgebirge kommen im Prinzip nicht vor. Nach München ist Dresden aber die Bergsport- und Wanderstadt Nummer zwei in Deutschland. Im Großraum Dresden gibt es allein an die 20 000 organisierte Kletterer, da sind die zigtausend Wanderer noch nicht mitgezählt, die sich für derartige Themen und speziell für die Sächsische Schweiz interessieren. Allerdings gab es für sie bis vor zwei Jahren kein Journal. Diese Lücke möchte ich mit dem regionalen Outdoor-Magazin Sandsteinblogger schließen – online und gedruckt.

Ihre Faszination für die Felsenwelt – wie wurde sie geweckt?

Ich stamme nicht aus der Region, ich komme von der Ostseeküste aus Greifwald. Als ich Teenager war, ist meine Familie nach Dresden gezogen, und schon vorher sind wir im Urlaub in die Sächsische Schweiz gefahren. Seit meinem fünften Lebensjahr gehe ich klettern. Mein erster Gipfel war die Bielazinne. Das Elbsandsteingebirge sehe ich neben der Ostseeküste als meine zweite Heimat an. Darüber hinaus ist es eine fantastische Landschaft – ein Stück Wildnis mitten im Kulturraum. Es ist zwar ein kleines Gebirge, aber je mehr man hinein wandert, umso größer und wilder wird das Ganze. In den Schluchten kann man einen ganzen Tag verschwinden, um Abenteuer zu erleben und ohne eine Menschenseele zu sehen. Und wenn man eine Felsschlucht wieder verlässt und quasi einfach nur um die Ecke geht, steht man plötzlich vor einem gemütlichen Gasthof. Diese Kombination aus Gemütlichkeit und Abenteuer bietet keine andere Gebirgslandschaft in Mitteleuropa.

Im aktuellen Heft beschreiben Sie beispielsweise, wie Sie barfuß den Schrammsteingratweg entlang wandern. Steckt hinter der Idee zu so einer Geschichte allein pure Abenteuerlust oder bietet sie nicht auch die Möglichkeit, dass Kind im Manne auszuleben?

Sicher beides. Es gehört zu den frühen Kindheitserinnerungen, irgendwann durch den Matsch gestampft zu sein, und die Mutter stand mit dem drohend erhobenen Zeigefinger dahinter. Als Erwachsener hat man die Freiheit, es immer zu machen, wo und wann man es möchte. Barfußstrecken wandere ich selten, wenn ich sie aber mache, dann sehr gerne – auch in kälteren Jahreszeiten, etwa im Frühjahr nach der Schneeschmelze. In den ersten Minuten muss man mit dem Schmerz warm werden. Wer jedoch eine Stunde barfuß läuft, hat danach ein wunderbar durchblutetes Fußbett. Das ist ein herrliches Gefühl, wie nach einer Fußreflexzonenmassage. Und man erlebt die Landschaft ganz anders, weil man sich viel aufmerksamer bewegt und auf jeden Schritt achtet. Man kommt zudem in unmittelbaren Kontakt mit dem Boden. Den Schrammsteingratweg bin ich schon zigmal entlang gelaufen, aber vorher habe ich ihn noch nie derart gespürt. Zum ersten Mal hat er mich berührt. Das ist ein schönes Erlebnis.

Im Heft schildern Sie sieben Wege zu sich selbst. Haben Sie Ihren Weg gefunden?

Ich suche ihn immer wieder neu. Wenn ich draußen in der Natur bin, habe ich viele Momente, in denen ich ganz bei mir selbst bin. Diese erlebt man nicht, wenn einen der Alltag fest im Griff hat. Ich gehe viel allein in die Natur, um einfach die Stille in mich aufzunehmen, den eigenen Herzschlag zu spüren. Andere gehen meditieren. In der Sächsischen Schweiz unterwegs zu sein, ist mein Yoga.

Sie haben sich auch auf den Weg in den hohen Norden zu einem Goldsucher in Finnland aufgemacht. Wie findet man solche Typen mitten in der Wildnis?

Das war ein großes Abenteuer. Vor einpaar Jahren war ich allein in der Tundra im arktischen Norden Finnlands unterwegs. Nach meiner Trekkingtour wollte ich meiner Familie etwas mitbringen. In der Kleinstadt Inari stieß ich auf eine Goldschmiede. Wie ich jetzt weiß, ist es die nördlichste Gold- und Silberschmiede der EU. Als ich mich dort nach einem Geschenk für meine Frau umschaute, kam ich mit den Inhabern ins Gespräch. Sie erzählten mir von dem legendären Lemmenjoki-Goldrausch. In Europa gab es einmal so etwas ähnliches wie Klondike, nur viel kleiner. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der finnischen Tundra Gold gefunden und Hunderte Prospektoren und Digger sind nach Lappland aufgebrochen und steckten ihre Claims ab – so, wie man es aus den Erzählungen Jack Londons kennt. Der Goldrausch ist lange vorbei, aber ein alter Mann ist dort oben hängen geblieben und schürft bis heute Jahr für Jahr nach dem Edelmetall. Ich dachte, was für eine tolle Geschichte.

Und Sie sind zu ihm gefahren?

Damals hatte ich leider keine Zeit. Mein Urlaub war zu Ende und ich musste zurück nach Hause. Die Geschichte hat mich aber nie los gelassen. So entschloss ich mich, Verpasstes nachzuholen und mich zu dem Mann aufzumachen. Das war im vergangenen Frühjahr. Ich nahm Verbindung mit dem Goldschmied auf, der mir den Kontakt zu dem Goldsucher, Raimo Kanamäki heißt er, vermittelte. Über den Mittelsmann wurde ein Treffpunkt ausgemacht, ohne dass ich Kanamäki persönlich habe sprechen können. Zum vereinbarten Punkt ging es eine Stunde mit dem Motorboot tief in den Lemmenjoki-Nationalpark hinein. An einem Brettersteig am Ufer, den die Einheimischen tatsächlich Hafen nennen, ließ ich mich absetzen – auch auf die Gefahr hin, dass der Mann mich sitzen lässt. Dort oben gibt es keine Netz- und Telefonverbindung und ich hätte mich allein in die Zivilisation zurückschlagen müssen. Aber er kam zum Glück. Die Geschichte über sein Leben in der Wildnis kann man im aktuellen Heft nachlesen.

Das Outdoor-Magazin „Sandsteinblogger“

Der Sandsteinblogger ist ein Outdoor-Magazin mit inhaltlichem Schwerpunkt Sächsische Schweiz. Das Magazin gibt es online unter sandsteinblogger.de. Einmal im Jahr erscheint im Selbstverlag eine Druckausgabe. Im aktuellen Heft sind auf 124 Seiten Geschichten über eine Schussfahrt mit museumsreifen Rädern vom höchsten Berg des Elbsandsteingebirges, Forellenfischen in der Sebnitz, einen Kletterer, der springend den Fels bezwingt, und einen, der mit 86 Jahren nicht vom Klettern lassen kann, sowie über Europas letzten Goldsucher im hohen Norden zu lesen. Es gibt Erlebnisberichte über Barfußwandern und eine Wandertour in der dunklen Nacht. Im Interview kommt die Stativkarawane zu Wort. Und Sandsteinblogger Hartmut Landgraf spürt der Romantik der Felsenwelt nach. Die Auflage hat sich von 1000 (erstes Heft im vorigen Jahr) auf 2500 Stück vergrößert. Für 7,50 Euro ist es im Outdoor-Fachhandel in Dresden und der Sächsischen Schweiz sowie inzwischen auch in Leipzig, Chemnitz, Freiberg und Zittau erhältlich. Darüber hinaus kann man es auch online über das Blog bestellen.

www.sandsteinblogger.de

Von Silvio Kuhnert

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