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Gewerbehalle in Pirna wird doch noch ein Flüchtlingsheim

Asyl im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Gewerbehalle in Pirna wird doch noch ein Flüchtlingsheim

Die Gewerbehalle im Industrie- und Gewerbepark „An der Elbe“ in Pirna wurde zu einer Gemeinschaftsunterkunft umgebaut. Sie blieb seit ihrer Fertigstellung im Sommer 2016 ungenutzt. Am Mittwoch wurde sie erstmals mit Flüchtlingen aus Eritrea belegt. Warum das Landratsamt Pirna die Halle nun doch in Betrieb nimmt, sagt Tilo Georgi, Amtsleiter für Asylfragen, im Interview.

Tilo Georgi,Amtsleiter für Asylfragen, hat am Mittwoch in der zu einer Flüchtlingsunterkunft umgebauten Gewerbehalle in Pirna Asylsuchende aus Eritrea untergebracht.

Quelle: Silvio Kuhnert

Pirna. Die Gewerbehalle im Industrie- und Gewerbepark „An der Elbe“ in Pirna wurde zu einer Gemeinschaftsunterkunft umgebaut. Sie blieb seit ihrer Fertigstellung im Sommer vorigen Jahres ungenutzt. Am Mittwoch wurde sie erstmals mit 25 Flüchtlingen aus Eritrea belegt. Warum das Landratsamt Pirna die Halle nun doch in Betrieb nimmt, sagt Tilo Georgi, Amtsleiter für Asylfragen, im DNN-Interview.

Frage: Herr Georgi, warum wird die Gewerbehalle an der Fabrikstraße jetzt doch als Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Betrieb genommen?

Tilo Georgi: Da muss man zunächst einige Monate zurückblicken. Die Gewerbehalle wurde dem Landkreis durch die Stadt Pirna als Alternative zu einer Traglufthalle, die in Pirna-Copitz errichtet werden sollte, sowie zu Turnhallen, die im Winter 2015/16 für eine Belegung zur Debatte standen, angeboten. Damals kam es zur Entscheidung, eine ursprünglich geplante Gewerbehalle zu einer vorübergehenden Unterkunft für Asylbewerber umzunutzen. Die Halle ist seit August vergangenen Jahres nutzungsbereit. Bisher gab es aber keinen Bedarf für eine Belegung.

Und der Bedarf ist jetzt gekommen?

Zum einen haben wir für die Unterbringung von Flüchtlingen bislang andere Kapazitäten genutzt. Andererseits wurden dem Landkreis insbesondere im Herbst 2016 überwiegend Familien zugewiesen, die wir generell versuchen, in Wohnungen unterzubringen. Jetzt stehen wir vor der Situation, dass vorwiegend alleinreisende Männer ankommen, die nicht aus den Kriegsgebieten wie Syrien, sondern aus Afrika stammen. Für deren Unterbringung wollen wir die Halle mit nutzen.

Sie sagten, dass der Landkreis Asylsuchende bislang an anderen Standorten unterbringen konnte. Werden die Kapazitäten dort wieder knapp, weil mehr Flüchtlinge zu uns kommen?

Es kommen nicht mehr Personen. Bislang waren es dieses Jahr 112 Asylsuchende, die uns zugewiesen wurden. Heute sind es 26, unter ihnen befinden sich 25 alleinreisende Männer aus Eritrea. Die Wohnungen, die wir für die Unterbringung von Asylbewerbern bereit halten, sind für Familien bestimmt. Alleinreisende Herren bringen wir dagegen hauptsächlich in Gemeinschaftsunterkünften unter.

Der Mietvertrag für die Halle mit der Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna dauert noch fünf Jahre. Wie viele Menschen können maximal in der Gemeinschaftsunterkunft wohnen?

Die Halle ist ausgelegt für 168 Personen. Derzeit wird nur das Erdgeschoss genutzt. D.h., die Kapazität beträgt momentan 84 Plätze.

Der Kreistag hat per Beschluss vorgegeben, dass 70 Prozent der Asylbewerber dezentral, also in Wohnungen, und 30 Prozent zentral in Gemeinschaftsunterkünften unterzubringen sind. Wird diese Quote mit der Inbetriebnahme der Gemeinschaftsunterkunft in Pirna beibehalten?

Wir sind weiterhin bestrebt, dass Verhältnis zu wahren. Das hängt aber davon ab, welche Personen uns zugewiesen werden. Wenn zum Beispiel eine größere Gruppe von Flüchtlingen aus Afrika wie etwa alleinreisende Männer aus Libyen zu uns kommt, werden wir bei der Belegung nicht zuerst an Wohnraum denken, weil sie eine geringe Bleibechance haben. Für sie werden wir eine Gemeinschaftsunterkunft zur Unterbringung nutzen. In Pirna bringen wir jetzt alleinreisende Männer aus Eritrea unter. Hier stellt sich die Situation so dar, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit damit rechnen können, dass ihre Asylanträge genehmigt werden. Über kurz oder lang werden sie die Asylunterkunft nicht mehr benötigen und als anerkannte Flüchtlinge selbst auf die Suche nach Wohnraum gehen. Kurzum: werden uns alleinreisende Männer für einen kurzen Zeitraum zugewiesen, nutzen wir primär Plätze in Gemeinschaftsunterkünften, für Familien Wohnungen.

Wie viele zentrale Einrichtungen gibt es im Landkreis derzeit?

Wir haben die Einrichtung in Klingenberg mit 210 Plätzen, in Schmiedeberg mit 120 Plätzen, in Zinnwald mit 80 Plätzen, die kombinierte Einrichtung für Frauen und Familien in Cunnersdorf mit 57 Plätzen. Jetzt kommen die 84 Plätze in Pirna hinzu. In Summe sind es 551 Plätze in Gemeinschaftsunterkünften. Bei der dezentralen Unterbringung streben wir eine Kapazität von 1750 Plätzen an.

Und wie viele Asylsuchende leben im Landkreis derzeit?

Derzeit haben wir 1756 Asylbewerber und Geduldete in unseren Einrichtungen untergebracht. Unter ihnen sind 371 anerkannte Flüchtlinge, die sich eigentlich bereits eigenen Wohnraum hätten suchen müssen, aber noch keinen gefunden haben.

Von Silvio Kuhnert

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