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Der Borkenkäfer ist besser als sein Ruf

Insekt kann ganze Wälder sterben lassen Der Borkenkäfer ist besser als sein Ruf

Über 21 Jahre kontrolliert die Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz mit Hilfe von Fallen die Entwicklung der Borkenkäfer. Diese können einzelne Fichten bis hin zu ganzen Wäldern binnen kurzer Zeit zum Absterben bringen. in den Jahren 2006 und 07 waren deutlich mehr Bäume betroffen als 2016:

Der Borkenkäfer im Größenvergleich mit einer Streichholz-Kuppe.

Quelle: Staatsbetrieb Sachsenforst

Sächsische Schweiz. Waldarbeiter Wolfgang Hensel hat für diese Saison die letzten der 39 Borkenkäferfallen wieder in der Wildwiesenscheune am Fuße der Schrammsteine im Nationalpark eingelagert. Seit April haben ein Kollege und er wöchentlich die Fallen angefahren und ausgewertet. Über 21 Jahre kontrolliert die Nationalparkverwaltung mit Hilfe der schwarzen, mit großen Schlitzen und einem Lockstoff versehenen Kunststoffkästen die Entwicklung der weniger als streichholzkopfgroßen Käfer.

Diese können einzelne Fichten bis hin zu ganzen Wäldern binnen kurzer Zeit zum Absterben bringen. Besucher des Nationalparks haben bereits an mehreren Stellen der Naturzone die Möglichkeit, den faszinierenden Prozess zu beobachten. Sobald die Fichten kahl sind, setzt kräftiges Waldwachstum mit verschiedensten Baumarten ein, die ohne Unterstützung durch den Menschen den Naturwald von morgen entstehen lassen. Miterleben kann man dies beispielsweise auf einer zehn Hektar großen Fläche auf dem Kleinen Winterberg und auf einer rund drei Hektar großen Fläche am Hochhübel in der Nähe des Zeughauses. Viele Besucher der Sächsischen Schweiz kennen diese spannenden Prozesse auch aus anderen deutschen Nationalparks.

In den Jahren 2006 und 07 waren deutlich mehr Bäume betroffen als 2016, 2008 fast doppelt so viele, nämlich rund 10.000 Festmeter. 2016 waren es reichlich 5000 Festmeter. Fast zwei Drittel davon im sogenannten Ruhebereich, wo die befallenen Bäume stehen bleiben können.

Außerhalb des Ruhebereichs hat die Nationalparkverwaltung mit ihren Mitarbeitern und beauftragten Fachleuten sowie Firmen die Entwicklung der Käferpopulation intensiv beobachtet, befallene Bäume schnell erkannt, gefällt und aus dem Wald transportiert. Der Nationalpark gehört zu den am intensivsten überwachten Wäldern im Freistaat Sachsen. Dies geschieht auch deshalb, damit benachbarte Privatwaldflächen geschützt werden können. Deshalb wurden 2016 auch im Ruhebereich Fichten mit einem Volumen von 168 Festmetern gefällt und schnell aus dem Wald entfernt.

Für die Naturentwicklung im Nationalpark ist die Fähigkeit des Borkenkäfers, Fichtenwälder zum Absterben zu bringen also keine Gefahr. Eventuell aber für die Akzeptanz des Nationalparks bei den Anwohnern oder Stammgästen aus Dresden, die eine so schnelle Veränderung des gewohnten Waldbildes mit abgestorbenen Stämmen möglicherweise nicht gut heißen.

Neben dem Schutz der Privatwälder ist diese Annahme ein weiterer wichtiger Grund, warum die Nationalparkverwaltung Fichtenwälder im Pflegebereich des Schutzgebietes aktiv umbaut und sich nicht vom Borkenkäfer helfen lässt. Das fällt alljährlich besonders dann auf, wenn Forstmaschinen im Winter bei nasser Witterung arbeiten müssen und Schäden an Wegen unvermeidbar sind. Sie durchforsten vor allem die naturfernen Fichtenwälder, um Licht auf den Boden zu bringen und Wachstum bei anderen Baumarten anzuregen, die zur natürlichen Vegetation gehören. Arbeit, die in freier Natur Borkenkäfer, Stürme oder Schneebrüche erledigen würden.

Wie die Entwicklung nach dem für die Käfer günstigen trockenen Jahr 2016 weiter geht, bleibt abzuwarten. Im nächsten April wird Wolfgang Hensel die Borkenkäferfallen wieder aus der Scheune holen und überall dort aufbauen, wo die Entwicklung der Käferpopulation kontrolliert werden muss. Einen ganzen Arbeitstag pro Woche wird er dann wieder zubringen, den Fang aus allen Fallen zu sichern und nach Graupa in das Kompetenzzentrum des Staatsbetriebes Sachsenforst zu bringen. Dort finden weitere Analysen statt.

Rund 150 Borkenkäferarten gibt es in Europa. Von den dominierenden Fichtenwäldern hat vor allem die Art Buchdrucker profitiert. Diese Art ist bei günstiger Witterung in der Lage, sich bis zu dreimal pro Jahr vermehren und dabei jedes Mal die Anzahl der Käfer zu verzehnfachen. Aus einem Borkenkäfer können so bis zu Tausend Tiere werden.

* Der Autor ist Referatsleiter für Öffentlichkeitsarbeit im Staatsbetrieb Sachsenforst

Von Hanspeter Mayr*

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